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Ballinghain (Bad Kissingen)

Parkanlage im bayerischen Reiterswiesen
(Weitergeleitet von Ballinghain)

Der Ballinghain ist eine Parkanlage im bayerischen Reiterswiesen, einem Stadtteil des Kurortes Bad Kissingen im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Balling-Büste
 
Hübner-Bank
 
Siechen-Bank

In den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts begann der auch an Gartenbau interessierte Badearzt Franz Anton von Balling mit der Anlage eines großen Parks, der vom Bad Kissinger Bahnhof bis nach Reiterswiesen reichte. Entgegen Ballings Wunsch verkauften seine Erben im Jahr 1889 das 24,5 Hektar große Gelände für 18.000 Mark an die Stadt Bad Kissingen. In deren Auftrag entwickelten der in Bad Kissingen wohnhafte Kgl. Hofgärtner A. Singer sowie der Oberinspektor des Botanischen Gartens Kolb Änderungsvorschläge. Singers Kostenvoranschlag belief sich auf 11.000 Mark. Zur Umsetzung seiner Pläne wurden Fichten und Buchen aus dem Stadtwald sowie Nüdlingen auf dem Ballinghain gepflanzt; 1893 kamen zusätzlich Birken und Eichen aus dem Stadtwald und weitere Bäume und Sträucher aus Kassel und Aschaffenburg hinzu. Es entstanden 1894 nahe dem Bahnhof ein Wasserreservoir sowie 1895 ein Festplatz. Am Standort des heutigen St.-Elisabeth-Krankenhauses befand sich eine Maifestwiese mit Blockhütte und Jugendstilbrunnen. Dieser Brunnen steht heute in der Prinzregentenstraße 13[1]. Das auf dem Gelände errichtete Café Ballinghain wurde im Jahr 1980 durch ein Feuer zerstört. Trotz Einsatzes einer Aufsichtsperson im Jahr 1900 ereigneten sich im Lauf der Zeit diverse Diebstähle und unerlaubte Nutzungen des Ballinghains.[1]

Der Ballinghain ist nicht mehr in seiner ursprünglichen Form erhalten; inzwischen wurden innerhalb der Parkanlage die Bad Kissinger Umgehungsstraße und das St.-Elisabeth-Krankenhaus gebaut. Von Ballings ursprünglicher Konzeption sind unter anderem eine Büste zu seinen Ehren an der Kreuzung von Umgehungsstraße und Reiterswiesener Durchgangsstraße sowie zwei von Bildhauer Valentin Weidner und dessen Sohn Hans Weidner errichtete Sitzbänke erhalten geblieben, die sich im Reiterswiesener Gebiet am Rande der Durchfahrtsstraße befinden.

Die Aufschrift der Stadtgemeinde Bad Kissingen an der von Valentin Weidner geschaffenen Balling-Büste trägt das Datum „7. Februar 1900“. Im Schreiben vom 10. Februar 1900 bedankte sich der Stadtmagistrat bei Weidner für die „überaus lebenswahre Darstellung“ Ballings und „für die künstlerische Schöpfung des ganzen Denkmals überhaupt“.[2] Hinter der Büste wurde eine Schutzhütte errichtet, deren Reste noch immer zwischen den Bäumen hinter der Büste zu finden sind.[1]

Die von Valentin Weidner erstellte Hübner-Bank wurde im Jahr 1899 von Ernst Hübner aus Halle (Saale) gestiftet, womit dieser sich für die nach seinen 25 Kuraufenthalten in Bad Kissingen verliehene Ehrenbürgerwürde bedanken wollte (siehe auch Liste der Ehrenbürger von Bad Kissingen). Die Aufstellung der vier Meter breiten und aus rotem Sandstein bestehenden Bank fand unter Berichterstattung der örtlichen „Saale-Zeitung“ am 21. April 1899 statt. Anfangs war von der Bank aus eine ungehinderte Sicht zur Burgruine Botenlauben möglich.[3] In den 1990er Jahren kam es zu zwei Fällen von Sachbeschädigungen an der Hübner-Bank.[1]

Die Siechen-Bank wurde im Jahr 1900 vom Privatier Franz Siechen gestiftet, der als 25facher Kurgast ebenfalls Ehrenbürger von Bad Kissingen wurde und die Instandhaltung des Ballinghains förderte; angefertigt wurde sie von Weidners Sohn Hans Weidner. Magistratsrat Hahn, nach dessen Meinung Siechens Kuraufenthalte und der Einsatz für den Ballinghain für eine Verleihung der Ehrenbürgerwürde nicht ausreichend waren, scheiterte mit seinem Antrag, weitere Wohltaten zu Gunsten Bad Kissingens zur Bedingung zu stellen. Dennoch spendete Siechen zusätzlich 300 Mark (100 Mark für den Ballinghain und 600 Mark für Bedürftige).[4] In den 1990er Jahren ereignete sich ein Fall von Sachbeschädigung an der Siechen-Bank, wobei die Nasen der Faunsköpfe beschädigt wurden.[1]

LiteraturBearbeiten

  • Werner Eberth: Valentin Weidner. In: „Kissinger Hefte“, Band 1, Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 1992, S. 59
  • Werner Eberth: Valentin und Hans Weidner (1848–1919), (1875–1953). Bildhauer des Historismus in Franken. Ergänzungen zum „Kissinger Heft“ Band 1, Beiheft zur Ausstellung: „Der Bad Kissinger Bildhauer Valentin Weidner“ 1992, Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 1996, S. 46f.
  • Denis André Chevalley, Stefan Gerlach: Stadt Bad Kissingen (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band VI.75/2). Karl M. Lipp Verlag, München 1998, ISBN 3-87490-577-2.
  • Der Ballinghain, In: Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hg.): 1200 Jahre Bad Kissingen, 801-2001, Facetten einer Stadtgeschichte. Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung. Sonderpublikation des Stadtarchivs Bad Kissingen. Verlag T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 2001, ISBN 3-929278-16-2, S. 179–182

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ballinghain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hg.): 1200 Jahre Bad Kissingen, 801-2001, Facetten einer Stadtgeschichte. Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, S. 179–182
  2. Werner Eberth: Valentin Weidner. In: „Kissinger Hefte“, Band 1, Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 1992, S. 59
  3. Werner Eberth: Valentin und Hans Weidner (1848–1919), (1875–1953). Bildhauer des Historismus in Franken. Ergänzungen zum „Kissinger Heft“ Band 1, Beiheft zur Ausstellung: „Der Bad Kissinger Bildhauer Valentin Weidner“ 1992, Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 1996, S. 46f.
  4. Werner Eberth: Valentin und Hans Weidner (1848–1919), (1875–1953). Bildhauer des Historismus in Franken. Ergänzungen zum „Kissinger Heft“ Band 1, Beiheft zur Ausstellung: „Der Bad Kissinger Bildhauer Valentin Weidner“ 1992, Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 1996, S. 55f.

Koordinaten: 50° 11′ 27″ N, 10° 4′ 56″ O