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Balhae

mandschurisch-koreanisches Königreich
Geschichte Koreas
Prähistorisches Korea
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Zeit der Drei Reiche
  • Goguryeo (37 v. Chr. – 668 n. Chr.)
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Chinesische Bezeichnung
Traditionell: 渤海
Vereinfacht: 渤海
Pinyin: Bóhǎi
Wade-Giles: Po-hai
Koreanische Bezeichnung
koreanisches Alphabet: 발해
chinesische Zeichen: 渤海
Revidierte Romanisierung: Balhae
McCune-Reischauer: Parhae
Ausdehnung von Balhae auf seinem Höhepunkt um 830

Das Reich Balhae, Parhae (nach koreanischer Lesung) oder auch Bohai (nach chinesischer Lesung) genannt, war ein Königreich in der südöstlichen Mandschurei und dem nördlichen Gebiet des heutigen Nordkoreas. Es existierte von 669 bis 926, verfügte über eine Bürokratie im chinesisch-japanischen Stil und angeblich fünf große Hauptstädte. Seine Erforschung steckt noch in den Anfängen und zählt zu den großen Diskussionen über Nordostasien.[1]

Koreanische Historiker unterstützen die Theorie, dass das Reich Balhae 669 von Tae Choyŏng (chin. Da Zuorong), einem früheren Goguryeo-General im Zusammenwirken mit den tungusischen Malgal, auch Mohe genannt, gegründet wurde. Russische Historiker vermuten aber, dass das Balhae-Reich von den tungusischen Mohe unter starkem japanischen Einfluss gegründet wurde und anschließend weitere Einflüsse aus China und Goguryeo erhielt.[2]

Das Volk der Balhae war heterogen und bestand aus den tungusichen Mohe, den sinisierten Mohe, Japanern und Koreanern. Die Mohe machten die Mehrheit der gesamten Balhae-Bevölkerung aus. Die Japaner stellten die Mehrheit in einer der fünf Hauptstädte, die an der Küste zum Japanisches Meer lag. Koreaner machten etwa 15 % der gesamten Bevölkerung aus. Die Bedeutung der einzelnen Gruppen im Staat ist zwecks politischer Nutzbarmachung der Geschichte umstritten.[3]

Koreanische GeschichtsschreibungBearbeiten

Nach koreanischer Ansicht war der Gründer Balhaes Tae Choyŏng, der 719 starb. Ihm folgte sein Sohn Tae Muye (Da Wuyi, † 737), der sich einen eigenen Herrschertitel zulegte. Unter seiner Regierung gab es Streit zwischen der pro- und anti-chinesischen Fraktion bei Hofe. Sein jüngerer Bruder Tae Munye rebellierte, als er gegen die anti-chinesischen Mohe-Gruppen entlang des Amur geschickt werden sollte. Er war lange Zeit als Geisel am Kaiserhof gewesen und fühlte sich den Tang verpflichtet. Die Folge war ein Krieg mit China, bei dem König Tae Muye 732 sogar eine Flotte nach Shandong schickte. Erst 735 einigte man sich wieder.

Der dritte König, Tae Hŭngmu (Da Jinmao, † 793) regierte 57 Jahre lang. Unter seiner Regierung wurde Chinesisch zur lingua franca in Balhae. Er kopierte die Institutionen und Literatur Tang-Chinas, zahlte formal Tribut an dieses und bekam von dort seine Titel verliehen. Seine Botschafter waren immer bei den Neujahrsempfängen am Tang-Hof zugegen. Die Grenzen des Balhae-Reiches wurden bis an den Amur und auf die Halbinsel Liaodong ausgedehnt.

Russische und japanische GeschichtsschreibungBearbeiten

Nach russischer und japanischer Ansicht wurde Balhae von einem lokalen Stammesfürsten der Mohe gegründet. Dieser ging strategische und wirtschaftliche Bündnisse mit Japan und China ein. Diese Bündnisse wirkten sich stark auf die lokale Kultur von Balhae aus. Während die Tang-Dynastie Balhae als Vasallen betrachtete, investierte Japan stark in die lokale Kultur und konnte sich eine der fünf Großstädte als de-facto Kolonie sichern. Ab dem 8. Jahrhundert stellten Japaner die Mehrheit in den Küstenregionen und die japanische Kultur hatte starken Einfluss auf weite Teile Balhaes.

Nach politischen Unruhen im Jahr 734 verschlechterten sich die inter-ethnischen Beziehungen und es folgte ein Bürgerkrieg, indem pro-chinesische und pro-Goguryeo-Kräfte um Einfluss rungen. Die pro-chinesischen Fraktionen, unterstützt von lokalen Nomaden und Japanern, gewannen die Oberhand und Chinesisch entwickelte sich zur lingua franca.[4][5]

Chinesische AnsichtBearbeiten

Laut chinesischen Historikern kam es nie zu einem großen Bürgerkrieg. Es handelte sich vielmehr um diplomatische Spannungen zwischen Goguryeo und Tang-China.

Sprachen von BalhaeBearbeiten

Es wird angenommen, dass Tungusische Sprachen und später Chinesisch von der Mehrheit der Bevölkerung gesprochen wurde. Japanisch wurde in allen größeren Städten gesprochen und war lingua franca an den Küstenregionen. Koreanisch wurde an der Grenze zu Goguryeo gesprochen und in einigen Städten gab es eine koreanische Minderheit.[6]

Untergang von BalhaeBearbeiten

Balhae wurde 926 von den benachbarten Kitan erobert und zerstört. Seine Einwohner hatten jedoch noch bis ins 13. Jahrhundert einen gewissen Sonderstatus.[7]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bohai. Abgerufen am 7. Februar 2019.
  2. Поиск научной информации в электронной библиотеке КиберЛенинка. Abgerufen am 7. Februar 2019.
  3. Поиск научной информации в электронной библиотеке КиберЛенинка. Abgerufen am 7. Februar 2019.
  4. Поиск научной информации в электронной библиотеке КиберЛенинка. Abgerufen am 7. Februar 2019.
  5. Ivliev Alexander Lvovich (2014). "Эпиграфические материалы Бохая и бохайского времени из Приморья" ["The epigraphic materials of the Bohai and Bohai times from Primorye"]. Archeology, ethnography and culture.
  6. Ivliev Alexander Lvovich (2014). "Эпиграфические материалы Бохая и бохайского времени из Приморья" ["The epigraphic materials of the Bohai and Bohai times from Primorye"]. Archeology, ethnography and culture.
  7. Lee Ki-baik. "The Society and Culture of Parhae." The New History of Korea, page 88-89. Harvard University Press, 1984.
  Commons: Balhae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien