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Als Antiochenischer Zwischenfall wird in der neutestamentlichen Exegese ein Streit zwischen Paulus und Kephas (Simon Petrus) behandelt, der sich in Antiochia zutrug und von Paulus im neutestamentlichen Galaterbrief (Gal 2,11–21 EU) beschrieben wird.

Vermutlich fand der Antiochenische Zwischenfall im Sommer des Jahres 48 statt, also kurze Zeit nach dem Apostelkonzil in Jerusalem.[1]

In dem Streit geht es um die gleichberechtigte Lebensweise von Juden und Heiden, wobei in diesem Zusammenhang Judenchristen und Heidenchristen gemeint sind. Zu der Konfrontation zwischen Paulus und Petrus kam es, nachdem Petrus zunächst zusammen mit unbeschnittenen Christen gegessen hatte, dann aber aus Rücksicht auf neu angereiste jüdische Christen aus der von Jakobus dem Gerechten geleiteten Jerusalemer Gemeinde, die das jüdische Gesetz – darunter auch die Regel, keine Tischgemeinschaft mit Nichtjuden zu pflegen – streng befolgten, davon Abstand nahm und sich von den Heidenchristen fernhielt. Besonders empörte Paulus der furchtsame Opportunismus des Kephas sowie die Tatsache, dass dieser durch sein Beispiel auch hellenistische Judenchristen aus dem Umfeld des Paulus, darunter sogar den Paulusvertrauten Barnabas, die sich im Umgang mit bekehrten Nichtjuden für gewöhnlich nicht an das Verbot des Verkehrs mit Unbeschnittenen hielten, dazu bewogen hatte, sich ebenfalls von den Heidenchristen abzusondern. Paulus bestand darauf, die unbeschnittenen Christen seien als vollwertige Gemeindemitglieder anzuerkennen und zu behandeln, und warf dem Petrus vor, von den Heiden die Einhaltung jüdischer Bräuche zu verlangen, obwohl er selbst „heidnisch lebe“. Damit spielte er darauf an, dass Petrus ja zuvor entgegen dem jüdischen Gesetz bereits Tischgemeinschaft mit ihnen gehabt hatte. Er bezeichnet das Verhalten des Kephas und der übrigen Judenchristen als eine „nicht mit der Wahrheit des Evangeliums übereinstimmende Handlungsweise“.

Eine dezidiert andere Sicht auf den Antiochenischen Zwischenfall nimmt der Neutestamentler Matthias Konradt ein. Er legt dar, dass die Datierung auf 48 n. Chr. wenig Plausibilität besitzt. Sie beruht vor allem auf der Erwähnung eines Konflikts zwischen Paulus und Barnabas in Apg 15 EU, hinter dem in der Mehrheitsmeinung der eigentliche antiochenische Zwischenfall, d. h. der Konflikt über das gemeinsame Essen, gestanden habe. Konradt hält dagegen, dass, wenn die Apostelgeschichte schon versuche zu harmonisieren, es fraglich sei, warum sie einen anderen Konflikt erfinde. Wahrscheinlicher sei es, dass die Entzweiung zwischen Paulus und Barnabas in Apg 15 wirklich wegen eines Streits um Johannes Markus stattgefunden habe und das in Gal 2,11–21 geschilderte Ereignis zu einen späteren Zeitpunkt stattgefunden habe. Konradt zieht dafür den von Apg nur knapp berichteten Aufenthalt in Antiochia in Apg 18 heran. Die ungewöhnliche Knappheit mit der hier die Apostelgeschichte berichte, spreche viel mehr dafür, dass ein Konflikt verschwiegen werde. Darüber hinaus sei es durch den so auf 52 n. Chr. datierten Zeitpunkt viel wahrscheinlicher, dass sich bereits eine gemeinsame Mahlspraxis von Juden und Heiden etabliert habe.[2]

Im Anschluss an die Schilderung des Streits legt Paulus im Galaterbrief seine Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben an Jesus Christus dar, die er später im Römerbrief (insbesondere Röm 3,21–31 EU) noch genauer ausführt. Da es auf die Einhaltung des jüdischen Gesetzes nicht ankomme, weil kein Mensch aus Gesetzeswerken vor Gott gerechtfertigt sei, lehnt er die Eingliederung von Heidenchristen ins Judentum durch die Beschneidung und die damit verbundene Pflicht zur Einhaltung der jüdischen religiösen Vorschriften ab.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Datierung nach Schnelle: Einleitung
  2. Matthias Konradt: Zur Datierung des sogenannten antiochenischen Zwischenfalls. In: Zeitschrift für Neutestamentliche Wissenschaft und Kunde der Älteren Kirche. De Gruyter, Berlin 2011, S. 19–39.

LiteraturBearbeiten