Udo Schnelle

deutscher Theologe, Professor für Neues Testament und Verfasser mehrerer theologischer Einführungswerke

Udo Schnelle (* 8. September 1952 in Nauen) ist ein deutscher Theologe, Professor (em.) für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und bekannt als Verfasser mehrerer theologischer Einführungswerke, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden.

Leben und WirkenBearbeiten

Er studierte von 1974 bis 1979 an der Georg-August-Universität Göttingen, wo er 1981 promoviert wurde und sich 1985 habilitierte. 1984 bis 1986 war er Pastor der ev.-luth. Kirchengemeinde Gieboldehausen bei Göttingen. Von 1986 bis 1992 war er Professor für Neues Testament an der Universität Erlangen-Nürnberg, von 1992 bis 2017 lehrte er in Halle. Von 2014 bis 2015 war er der Präsident der neutestamentlichen Forschungsgesellschaft Studiorum Novi Testamenti Societas (SNTS).

2019 wurde ihm der Hermann-Sasse-Preis für theologische Literatur verliehen.

Er ist der Herausgeber des Neuen Wettstein, einer umfänglichen Sammlung griechisch-römischer Parallelen zum Neuen Testament. Schwerpunkte seiner Arbeit sind neben der Einleitungswissenschaft vor allem Paulus, Johannes und die Geschichte des frühen Christentums. Dabei steht eine Frage im Vordergrund: Wie konnte aus der kleinen Jesusbewegung in Galiläa und Jerusalem innerhalb sehr kurzer Zeit eine fast im gesamten römischen Reich agierende neue und eigenständige Religionsgemeinschaft entstehen?

Drei Faktoren spielten hier eine entscheidende Rolle: 1) Das frühe Christentum war von Anfang an eine vielgestaltige, plurale Bewegung. Diese Pluralität sicherte das Überleben, denn wenn eine Richtung (z. B. die Urgemeinde) unterging, bedeutete dies nicht das Ende der ganzen Bewegung. 2) Ereignis- und Ideengeschichte bildeten mit dem Beginn des frühen Christentums eine Einheit; Ereignisse riefen theologische Deutungsleistungen hervor und Ideen machten Geschichte. 3) Erstaunlich sind die hohe Literaturproduktion der neuen Bewegung und die damit verbundenen denkerischen und kulturellen Leistungen. Man schuf Literatur und bewegte sich in Literatur, so dass das frühe Christentum auch als ein Bildungsphänomen begriffen werden muss. Dabei entstand relativ früh eine eigenständige neue Identität und das sich bildende Christentum verfügte gleichermaßen über eine charismatische, soziale und intellektuelle Anziehungskraft.

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten