Agathe Habyarimana

ruandische Ehefrau von Juvénal Habyarimana

Agathe Habyarimana, geborene Agathe Kanziga (* 21. Januar 1942 in Tororo), ist die Witwe des am 6. April 1994 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Juvénal Habyarimana, dem ehemaligen Präsidenten von Ruanda. Sie und ihr Akazu genannter Familienklan galten als die eigentliche Macht hinter dem Thron der zwanzigjährigen „Präsidentschaft“ ihres Mannes. Ihrem Akazu wird eine entscheidende Rolle beim Völkermord in Ruanda zugeschrieben.

Agathe Habyarimana spielte sowohl bei der Gründung von Radio-Télévision Libre des Mille Collines als auch bei der Zeitung Kangura eine entscheidende Rolle. Radiosender und Zeitung waren Propaganda-Organe, die eine Volksverhetzung betrieben, die zum Genozid führten.

Unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes und dem Beginn des Völkermords wurde sie von französischen Truppen aus Ruanda herausgeflogen. Sie lebt bis heute in Frankreich, ihr Asylantrag wurde jedoch abgelehnt.[1] Am 2. März 2010 wurde sie in ihrem Haus in Courcouronnes südlich von Paris verhaftet. Nach wenigen Stunden kam sie unter Auflagen wieder auf freien Fuß. Der ruandische Justizminister forderte die Auslieferung der Präsidentenwitwe.[2]

Sie ist die Schwester von Protais Zigiranyirazo, der auch Monsieur Zed (oder „Mr. Z“) genannt wird, einem Geschäftsmann und Politiker, der beschuldigt wird, 1985 an dem Mord der US-Gorillaforscherin Dian Fossey beteiligt zu sein. Er gilt auch als maßgeblicher Mitorganisator des Genozids von 1994. 2001 wurde er in Brüssel durch die belgischen Behörden festgenommen, jedoch nicht in Belgien angeklagt, sondern dem International Criminal Tribunal for Rwanda (ICTR) ausgeliefert. Nachdem er am 15. Dezember 2008 in erster Instanz zu zwanzig Jahren Haft verurteilt worden war, wurde das Urteil am 16. November 2009 durch eine Berufungskammer aufgrund „fundamentale[r] Rechtsfehler“ wieder aufgehoben und Zigiranyirazo freigelassen.[1]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Die Auferstehung des „Herrn Z“. In: taz. 20. November 2009 (online [abgerufen am 20. April 2014]).
  2. Frankreich fasst ruandische Präsidenten-Witwe. Spiegel-Online, 2. März 2010.