Zunft zum Mohren

eine öffentlich-rechtliche Korporation in der Stadt Bern, Schweiz

Die Zunft zum Mohren (früher Gesellschaft zum Möhren und zukünftig Zunft zur Schneidern) ist eine der 13 Gesellschaften und Zünfte in der Stadt Bern und durch die Verfassung des Kantons Bern[1] garantierte öffentlich-rechtliche Körperschaft. Sie ist eine burgerliche Korporation im Sinn der bernischen Gemeindegesetzgebung[2] und untersteht der Aufsicht der kantonalen Behörden. Als Personalkörperschaft hat sie kein eigenes Territorium und ist steuerpflichtig. Sie umfasst alle Burgerinnen und Burger von Bern, die das Zunftrecht zum Mohren besitzen.

Zunft zum Mohren
Zweck: Burgerliche Korporation
Vorsitz: Rolf Henzi (Präsident)
Gründungsdatum: vor 1383
Mitgliederzahl: 1088
Sitz: Zunfthaus zum Mohren
Kramgasse 12
3011 Bern
Schweiz Schweiz
Website: www.mohrenzunft.ch
Das Gesellschaftshaus zum Mohren an der Kramgasse in Bern.

Die Zunft zum Mohren erscheint in den Quellen erstmals im Jahr 1383 und umfasste die Schneider, Tuchhändler und Tuchscherer.

Seit 2014 wird die Zunft wegen ihres Namens, Wappens und Hauszeichens eines dunkelhäutigen «Mohren» kritisiert. 2022 schlug das Vorgesetztenbott (Exekutive) den Zunftangehörigen vor, den Namen der Zunft in «Zunft zur Schneidern» zu ändern, um klar zu machen, dass die Zunft Diskriminierung ablehne.[3]

WappenBearbeiten

 
Hauszeichen am Zunfthaus zum Mohren (2014)

Das Wappen der Zunft zeigt einen Mohren auf silbernem Grund. Möglicherweise wollte die Zunft im Mittelalter, als die teuersten Stoffe aus dem Orient stammten, mit diesem Symbol des Orients für die Qualität ihrer Stoffe werben.[4] Die heutige Darstellung des Wappens stammt aus dem Jahr 1891, als es anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt neu entworfen wurde.

Das Wappen und Hauszeichen der Zunft wurde 2014 durch einen Vorstoss der beiden SP-Stadträte Halua Pinto de Magalhães und Fuat Köçer, der eine «Lösung für rassistische Darstellungen im öffentlichen Raum» forderte, zum Gegenstand einer öffentlichen Diskussion.[4]

Die aktuelle Darstellung des Wappens aus dem späten 19. Jahrhundert bildet gemäss Bernhard C. Schär vom Institut für Geschichte der ETH Zürich etwa durch die stark abgeflachte Stirn den wissenschaftlichen Rassismus der damaligen Zeit ab, der Schwarze als niederwertigere Menschen auffasste. Das Hauszeichen steht auch in Form einer Mohrenstatue aus dem Jahr 1700 vor dem Zunfthaus an der Kramgasse und entstammt damit einer Zeit, in der die Zunft zwischen 1719 und 1734 über die britische Südseekompanie bedeutende Summen in den afrikanischen Sklavenhandel investierte.[5]

PersonenBearbeiten

Der Zunft zum Mohren gehören unter anderem an:

LiteraturBearbeiten

  • Gotthold Appenzeller: Die Gesellschaft zum Möhren. Bern 1916.
  • Peter J. Bräunlein: Von Mohren-Apotheken und Mohrenkopf-Wappen. In: Zeitschrift für Kultur-Austausch. Band 41. Regensburg 1991, S. 219–238, doi:10.15496/publikation-42770.
  • Anna Maria Cetto: Das Hauszeichen der Zunft zum Mohren in Bern. Bern 1970.
  • Adolf Gerster: Die Gesellschaft zu Möhren. In: Berner Taschenbuch auf das Jahr 1870. S. 313–332, doi:10.5169/seals-122795.
  • Verzeichnis der Burgerschaft der Stadt Bern auf 1. Januar 2015. Burgerbuch. Aus den amtlichen Quellen und aus privaten Mitteilungen bearbeitet. Bern 2015, ISBN 978-3-7272-1436-3.

WeblinksBearbeiten

Commons: Zunft zum Mohren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Staatskanzlei des Kantons Bern: Verfassung des Kantons Bern. SR 131.212. In: Systematische Rechtssammlung SR. Stimmvolk des Kantons Bern, 6. Juni 1993, abgerufen am 14. Juni 2018 (Artikel 107 in Abschnitt 7 Gemeinden; Stand am 11. März 2015).
  2. Staatskanzlei des Kantons Bern: Gemeindegesetz des Kantons Bern. BSG 170.11. In: Systematische Rechtssammlung des Kantons Bern BSG. Grosser Rat des Kantons Bern, 16. März 1998, abgerufen am 14. Juni 2018 (Artikel 117 in Abschnitt 2.2 Burgergemeinden und burgerliche Korporationen; Stand am 1. Januar 2014).
  3. Christoph Hämmann: Reaktion auf Rassismusdebatte – Berner Zunft zum Mohren will ihren Namen ändern. In: Der Bund. Abgerufen am 14. April 2022.
  4. a b Fabian Christl: Jetzt geht es dem «Mohren» an den Kragen (Memento vom 19. Januar 2019 im Internet Archive), Der Bund, 10. Mai 2014
  5. Bernhard C. Schär: Vergessene Kolonialgeschichte, Der Bund, 29. Dezember 2014
  6. Burgerbuch 2015, S. 174, Ziff. 4.

Koordinaten: 46° 56′ 53,3″ N, 7° 27′ 5,4″ O; CH1903: 600980 / 199672