Willkommen, Mr. Marshall

Film von Luis García Berlanga

Willkommen, Mr. Marshall ist eine spanische Filmkomödie aus dem Jahre 1952 von Luis García Berlanga.

Filmdaten
Deutscher TitelWillkommen, Mr. Marshall
Uns kommt das alles spanisch vor
OriginaltitelBienvenido, Mr. Marshall
ProduktionslandSpanien
OriginalspracheSpanisch
Erscheinungsjahr1953
Länge85 (dt. Fassung) 78 (span. Fassung) Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieLuis García Berlanga
DrehbuchLuís García Berlanga
Juan Antonio Bardem
Miguel Mihura
ProduktionVicente Sempere für UNINCI, Madrid
MusikJesús García Lehoz
José Antonio Ochoíta
Xandro Valerio
José Solano Perrero
KameraManuel Berenguer
SchnittPepita Orduna
Besetzung

HandlungBearbeiten

Ganz Villar del Río ist in heller Aufregung: eine Kommission, die für die Verteilung von Hilfsgeldern im Rahmen des Marshall-Plans ganz Westeuropa bereist, soll auch diesen Marktflecken besuchen. Das zumindest besagt ein Gerücht. Daraufhin beruft der Bürgermeister Don Pablo eilig den Dorfrat zusammen, um alle notwendigen Vorbereitungen zu treffen, damit die Chancen erhöht werden, ebenfalls etwas von dem großen amerikanischen Geldkuchen abzubekommen. Doch keiner der gemachten Vorschläge kann Don Pablo so richtig überzeugen. Da hat Manolo, der ein wenig windige Impresario der Sängerin Carmen Vargas, die derzeit im einzigen Hotel des Ortes logiert, die zündende Idee: Warum gestaltet man Villar del Río nicht, gleich einer Filmkulisse, in das Paradebeispiel eines typisch andalusischen Örtchens um? Da die Amerikaner ihre Vorstellung von Good old Europe so sehr lieben, wird man mit diesem potemkinschen Dorf möglicherweise die Geldgeber zu finanzieller Großzügigkeit ermuntern.

Gesagt – getan. Träume, Wünsche und Hoffnungen erwachsen aus der Imagination vom erhofften Geldregen. Der Ort wird herausgeputzt, und bald erkennen die Villarer ihr eigenes Dorf kaum mehr wieder. Jeder einzelne Bürger hat seine ganz bestimmten Wünsche an jenen ominösen Mr. Marshall, die auf Zettel notiert und beim Bürgermeister deponiert werden. In der Nacht zum großen Tag X plagt jedoch so manch einen der Dörfler ein böser Alptraum: der Pfarrer erkennt in den Kapuzenträgern einer Semana-Santa-Prozession plötzlich Angehörige des Ku-Klux-Klan, der verarmte Edelmann Don Luis sieht sich von Indianern umzingelt, die von seinen Vorfahren einst bis aufs Messer bekämpft wurden. Don Pablo läuft in seinem Traum als machtbewusster Sheriff herum und sorgt so für Ordnung, während Juan, der Bauer, in der Hoffnung auf den großen Geldsegen gleich ganze Traktoren vom Himmel herabregnen sieht.

Das große Erwachen am nächsten Tag ernüchtert jedoch das ganze Dorf in nur einer Sekunde. Alle Bürger haben sich aufgereiht, um die hohen Gäste aus dem fernen (und vor allem reichen) Amerika formvollendet willkommen zu heißen. Die Wagenkolonne nähert sich, erreicht das Dorf … und braust hindurch. Dann bricht auch noch ein heftiger Regenschauer los, und die gesamten Kulissen lösen sich mehr oder weniger in Wohlgefallen auf. Niemand hatte bedacht, dass Spanien gar nicht in den Genuss des Marshall-Planes kommen soll. Immerhin ist wenigstens der Regen ein Segen für das von der Sonne ausgedörrte Land: denn der bedeutet für das nächste Jahr eine gute Ernte, und so wird man, „mit Gottes Hilfe“, wenigstens die Schulden, die ein jeder für den Hochglanz-Aufputz des Ortes gemacht hat, wieder begleichen können.

ProduktionBearbeiten

Die Dreharbeiten zu Willkommen, Mr. Marshall fanden 1952 im zentralspanischen Dorf Guadalix de la Sierra, dem Villar del Río in der Geschichte, statt. Die Produktionskosten beliefen sich auf etwa zweieinhalb Millionen Peseten. Dem standen Einnahmen von 6.546.720 Peseten gegenüber. Damit war der Film ein gewaltiger Kassenerfolg.

Willkommen, Mr. Marshall wurde am 4. April 1953 in Madrid uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung fand am 12. Juli 1957 statt. Anfänglich wurde der Film unter dem Titel „Uns kommt das alles spanisch vor“ vertrieben.

Im spanischen Original tritt Fernando Rey als Erzähler auf.

Willkommen, Mr. Marshall gilt als der erste künstlerisch ambitionierte Film im Spanien der Franco-Ära. Berlanga und sein Co-Autor Bardem galten seit dieser Zusammenarbeit als (vorsichtige) Erneuerer des spanischen Kinos in der faschistischen Diktatur.[1]

AuszeichnungenBearbeiten

  • 1953: Auf den Filmfestspielen in Cannes 1953 wurde der Film als Beste Komödie ausgezeichnet, das Drehbuch erhielt eine lobenswerte Erwähnung. Regisseur Berlanga wurde für den Großen Preis nominiert.
  • 1954: CEC-Preis für die beste Originalgeschichte.
  • 1954: Premio del Sindicato Nacional del Espectáculo für die Sparte Bester Film.

KritikenBearbeiten

In Der Spiegel hieß es in der Ausgabe vom 21. August 1957: „Der Original-Titel ("Willkommen, Mister Marshall!") ist dieser Epistel angemessener, denn sie parodiert die Bemühungen des unterentwickelten Franco-Reiches, sich der unverhofften Marshallplan-Hilfe würdig zu erweisen, indem es den angekündigten amerikanischen Delegierten die Kulisse eines Reiseprospekt-Spaniens darbietet. Der Film entwirft in gemütlichem, aber eigenwillig präzisem Plauderstil das ironisch liebevolle Porträt eines poweren Dorfes und schildert gewissermaßen unter der Hand, wie die in den Einwohnern schlummernden Charakterzüge durch den verheißenen Dollarregen aufs ulkigste lebendig werden. Die Parodie wurde in Cannes preisgekrönt – ihr Autor Juan Antonio Bardem hingegen von der spanischen Polizei wegen allzu freimütig geäußerter liberaler Ansichten eingelocht.“[2]

In Reclams Filmführer ist zu lesen: „Berlanga karikiert seine Landsleute, die sich Wunder von der Hilfe von außen erhoffen, anstatt selbst die Verhältnisse zu ändern. Aber er zeigt auch, wie beschränkt die Möglichkeiten der armen Bauern zur Selbsthilfe sind. Genau darauf zielen seine Gags – und auf die Klischeevorstellungen, die man überall vom Nachbarn jenseits der Grenzen hat.“[3]

Kay Wenigers Das große Personenlexikon des Films erinnerte daran, dass Berlanga Anfang der 50er Jahre „mit der Realsatire „Willkommen, Mr. Marshall“ als Neuentdeckung gefeiert“ wurde.[4]

Das Handbuch V der Katholischen Filmkritik befand: „Ironisches Lustspiel, sehr witzig inszeniert. Sehenswert für Anspruchsvolle.“[5]

Das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Eine während der Franco-Diktatur inszenierte ironische Komödie, deren Witz damals bemerkenswerten Mut bezeugte.“[6]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. vgl. Reclams Filmführer, von Dieter Krusche, Mitarbeit: Jürgen Labenski, S. 172. Stuttgart 1973.
  2. Willkommen, Mr. Marshall in Der Spiegel
  3. Reclams Filmführer, S. 232.
  4. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 181.
  5. 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945/58, 4. Auflage. Düsseldorf 1980, S. 486.
  6. Willkommen, Mr. Marshall im Lexikon des internationalen FilmsVorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet, abgerufen am 4. November 2013.

WeblinksBearbeiten