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Wickelkleid von Diane von Fürstenberg, Frühling/Sommer 2014, vorgeführt von Liu Wen

Ein Wickelkleid ist ein Kleidungsstück aus einer einteiligen Kombination von Rock und Oberteil, bei dem die beiden Hälften des offenen Vorderteils zum Verschließen übereinandergeschlagen werden, sodass ein V-förmiger Ausschnitt entsteht.

EntwurfBearbeiten

In seiner klassischen Form hat das Wickelkleid ähnlich einem Kimono weder Knopf noch Reißverschluss. Wie bei Damenbekleidung üblich, wird das rechte Vorderteil über dem linken getragen. Die beiden Hälften werden übereinandergelegt und durch einen Gürtel oder mit Bändern gehalten, die seitlich befestigt oder um die Taille geschlungen werden. Der Effekt ist ein V-förmiger Ausschnitt und eine figurbetonte Silhouette. Mitunter werden Wickelkleider jedoch auch mit einem oder mehreren Knöpfen geschlossen. Mit leichten und fließenden Stoffen kann es in Lagen gewickelt und doppelt gelegt werden, ohne dabei aufzutragen. Ein unechtes Wickelkleid ähnelt diesem Entwurf, ist aber vorn bereits verschlossen und wird über den Kopf gestreift. Der Rock eines Wickelkleides ist manchmal auch durchgeknöpft, um ein Aufspringen beim Gehen zu verhindern.[1] Ein Wickeltop ist ein Top, das auf die gleiche Weise wie ein Wickelkleid geschnitten und aufgebaut ist.

GeschichteBearbeiten

Elsa Schiaparelli war die erste Modeschöpferin, die ein Kleid ohne Knopf und Reißverschluss entwarf, das zum Verschließen gewickelt wurde. Es bestand aus zwei Stoffhälften, von denen jede ein Armloch hatte. Die Bahnen wurden um den Körper geschlungen, die rechte über die linke, und seitlich in der Taille zusammengebunden. Ihr Modell aus Tussore-Seide, das 1930 erschien, war als Strandbekleidung gedacht.[2] Es passte sich jeder weiblichen Körperform an und konnte leicht an- und ausgezogen werden wie eine Schürze. Bei den Käuferinnen war es so beliebt, dass Textilhersteller die Idee für die Straßenbekleidung kopierten.[3] In den 1940ern entwickelte die amerikanische Designerin Claire McCardell mit dem ‚Pop-Over‘-Design ein gewickeltes Kleid aus grauem Baumwoll-Denim mit einer geräumigen Tasche, das als Arbeitsbekleidung klassifiziert wurde und sehr erfolgreich war. Die moderne Frau konnte darin kochen und zugleich schick aussehen. Louise Dahl-Wolfe fotografierte ein Modell in dem ‚Pop-Over‘-Kleid, das einen Backofenhandschuh hielt.[4]

Die Erfindung des Wickelkleides wird jedoch Diane von Fürstenberg zugeschrieben, die 1972 den Prototyp entwarf, der 1974 produziert wurde. Die Kombination von Wickelbluse und Rock wurde schon zuvor getragen. Von Fürstenberg hatte die Idee, beides zu einem einteiligen Kleid zusammenzuführen. Es sollte einfach und zugleich elegant sein. Richard Martin, ehemals Kurator am Kostüminstitut des Metropolitan Museum of Art, merkte dazu an, dieses Designprinzip sei „tief in der Tradition amerikanischer Designer-Sportbekleidung verwurzelt“ gewesen. Von Fürstenberg habe es übersetzt in den Stil der 1970er-Textilien und -Farben.[5] Ihr grün-weiß gepunktetes Wickelkleid aus seidigem Baumwoll/Viskose-Gemisch von 1975 gehört wie das Strandkleid von Elsa Schiaparelli und das ‚Pop-Over‘-Kleid von Claire McCardell zu den ständigen Objekten des Metropolitan Museum of Art in New York.[6][7] Der Entwurf von Diane von Fürstenberg unterscheidet sich von früheren Wickelkleidern durch die Verwendung von elastischem Stoff mit Synthetikgewebe, der nicht knittert und fast nichts wiegt. Ihre Interpretation aus Jersey, der sich dem Körper anschmiegt, stets knielang und langärmelig, meist in hellen Farben gemustert, war so populär und unverwechselbar, dass der Stil mit ihr verbunden wurde. Sie sagte, dass ihre Scheidung sie zu dem Design inspiriert hatte, und gab zu verstehen, dass die Idee dabei die war, Frauen den Genuss sexueller Freiheit zu ermöglichen.[Anm. 1]

Den Höhepunkt seiner Beliebtheit erreichte das Wickelkleid Mitte bis Ende der 1970er Jahre. Es galt als Symbol eines neuen Frauenbildes, als der „textile Inbegriff der Selbstbestimmung“.[8] In den USA wurde es millionenfach verkauft. In den späten 1990er Jahren begann es erneut an Popularität zu gewinnen, insbesondere nachdem von Fürstenberg ihr Wickelkleid 1997 wieder eingeführt hatte. Bis heute ist es ein beliebtes Kleidungsstück, stilprägend wie das Kleine Schwarze von Coco Chanel und der Smoking für Frauen von Yves Saint Laurent (Le Smoking), und die ihm zugeschriebene feministische Aussagekraft ist aktuell geblieben.[9]

Bekannte Trägerinnen eines Wickelkleides sind zum Beispiel Michelle Obama, Gloria Steinem und Kate Middleton[10] sowie die Schauspielerinnen Anne Hathaway und Sarah Jessica Parker.[11]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Wickelkleid – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Eine der frühen Marketing-Kampagnen wies darauf hin, dass eine Frau das Wickelkleid „am Morgen danach“ anziehen und die Wohnung eines Mannes verlassen könne, ohne ihn zu wecken.Jewish Women's Archive. "Diane Von Furstenberg." (Abgerufen am 10. Juli 2017)