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White Ship (deutsch: Weißes Schiff; auf normannisch Blanche-Nef) war der Name eines normannischen Schiffes, das am 25. November 1120 im Ärmelkanal an der Küste der Normandie bei Barfleur sank. Unter den Opfern befand sich William Ætheling, der einzige legitime Sohn von König Heinrich I. von England.

White Ship
Cotton Claudius dii, f45v. (12. Jahrhundert, British Library)
Cotton Claudius dii, f45v. (12. Jahrhundert, British Library)
Schiffsdaten
Schiffstyp Segelschiff
Verbleib Am 25. November 1120 gesunken

UntergangBearbeiten

Ende November 1120 wollte König Heinrich I. mit seinem Sohn William Ætheling und zahlreichen anderen Adligen von der Normandie nach England übersetzen. Thomas FitzStephen (Thomas fi(l)z Estienne) bot ihm sein neues, White Ship genanntes Schiff für die Überfahrt an, doch der König wählte ein anderes Schiff. Daraufhin bestieg der Thronfolger William Ætheling das Schiff. Vor dem Hafen lief das Schiff auf einem Felsen und sank. Nur ein Mann an Bord überlebte den Untergang.

 
William Ætheling

Der Grund für den Untergang blieb unklar. Zu den verschiedenen Legenden gehören auch die Geschichten über ein Trinkgelage der Mannschaft und der Passagiere, ferner wird erwähnt, dass Priester an Bord nicht erlaubt waren, um das Schiff in der üblichen Art zu segnen. Ordericus Vitalis beschreibt den Untergang des White Ship (Blanche-nef) im vierten Band der Historia ecclesiastica. Auf dem Schiff waren fast dreihundert Leute, darunter viele Barone. William Ætheling habe Wein ausgeteilt und die Besatzung sei betrunken gewesen. Das Schiff des Königs hatte zuerst abgelegt. Die betrunkene Meute verlangte nun von Thomas FitzStephen, das Schiff des Königs einzuholen. Vor lauter Eifer habe niemand auf das Meer geachtet, bis die linke Flanke des Schiffes einen Felsen rammte, der zwei Planken eindrückte. Wasser drang in das Schiff und es sank sehr schnell. Es gelang nur zwei Männern, sich an der Rah festzuklammern, einem Metzger namens Bérold (oder Guéroult nach Wace[1]) aus Rouen und einem jungen Adligen namens Goisfred [Geoffrey], dem Sohn von Gislebert [Gilbert] de L’Aigle (s. Haus l’Aigle). Die Nacht war sehr kalt, nach ein paar Stunden verließen Goisfred die Kräfte und er sank in die Fluten. Am Morgen wurde Bérold als einziger von drei Fischern gerettet. Später an Land erzählte er einem Geistlichen, was passiert war.[2]

Nach einer anderen Version lief das Schiff vor dem Hafen in der Dunkelheit auf einen Felsen. William Ætheling wurde in einem Beiboot vom sinkenden Schiff in Sicherheit gebracht, doch als seine Halbschwester Maud um Hilfe rief, ließ er umkehren. Nun versuchten andere, auf das Boot zu klettern, das damit überladen war und kenterte.[3]

Wilhelm von Malmesbury schrieb: „Hier verschwand mit William auch Richard, ein anderer der Söhne des Königs [Heinrich I.], den eine Frau ohne Rang ihm vor seiner Thronbesteigung geboren hatte, ein tapferer Jüngling, und geliebt von seinem Vater wegen seines Gehorsams; Richard d’Avranches, 2. Earl of Chester, und sein Bruder Otheur; Gottfried Ridel; Walter von Everci; Gottfried, Archidiakon von Hereford; [Mathilde] die Gräfin von Le Perche, die Tochter des Königs; die Gräfin von Chester; [Lucia von Blois], des Königs Nichte; und viele andere …“

Das Schiffswrack wurde später geborgen. Die Leichen von Richard d’Avranches und einigen anderen wurden im Dezember in der Nähe von Mortain gefunden. Man erkannte sie nur noch an der Kleidung.[2]

FolgenBearbeiten

Stephan von Blois, König Heinrichs Neffe, hatte das Schiff angeblich kurz vor dem Ablegen verlassen. Als Folge von Williams Tod gelangte er später auf den englischen Thron. Es entbrannte ein Erbfolgekrieg, in dem Stephan von Blois mit Matilda, Williams Schwester, um die Vorherrschaft stritt.

Moderne RezeptionBearbeiten

In Ken Folletts Roman Die Säulen der Erde wird der Untergang des Schiffes thematisiert. Follett erfand als Ursache für das Unglück eine Verschwörungstheorie: Die anglo-normannischen Barone hätten erhofft, durch den Tod der Nachkommen Heinrichs Anarchie und eine Möglichkeit zur Vergrößerung ihrer Macht herbeizuführen. In den Romanen Das zweite Königreich und Hiobs Brüder von Rebecca Gablé wird das Schiff ebenfalls erwähnt.

LiteraturBearbeiten

  • Victoria Chandler: The Wreck of the White Ship. In: Donald J. Kagay, L. J. Andrew Villalon (Hrsg.): The final argument. The imprint of violence on society in medieval and early modern Europe. 1998.
  • Peter Konieczny: Was the White Ship disaster mass murder? Medievalists.net, 21. Mai 2013.

WeblinksBearbeiten

  Commons: The White Ship – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. gutenberg.org
  2. a b Ordericus Vitalis: Histoire de Normandie. Band 4 (1825–1827). J.-L.-J. Brière, Paris, S. 353–361 (französisch, Gallica).
  3. J. F. A. Mason: William (1103–1120). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X, (oxforddnb.com Lizenz erforderlich), Stand: 2004