Weisse Liste

unabhängiges Internetportal zur Suche nach Ärzten und Krankenhäusern

Die Weisse Liste (ehemals Weiße Liste) ist ein unabhängiges Internetportal, das Orientierung bei der Suche nach Ärzten und Krankenhäusern sowie Pflegeheimen bietet.[2] Es ist werbefrei und basiert auf wissenschaftlichen Erhebungen.[3] Die Weisse Liste wurde im Jahr 2008 von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit den Dachverbänden der wichtigsten Patientenvertretungen und Verbraucherorganisationen ins Leben gerufen.[4] Seit 2011 ist eine gemeinnützige Gesellschaft für den Betrieb und die Weiterentwicklung des Angebots zuständig.[5] Schirmherrin der Weissen Liste ist Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung.[6]

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Weisse Liste
Website-Logo
Wegweiser im Gesundheitswesen
Sprachen Deutsch
Betreiber Weisse Liste gemeinnützige GmbH
Registrierung nein (nur für Bewertungen)
Online Juni 2008[1] (aktuell aktiv)
https://www.weisse-liste.de/

GeschichteBearbeiten

Für den sogenannten Gesundheitsmonitor analysierte die Bertelsmann Stiftung die Krankenversorgung in Deutschland. Dabei stellte sie gravierende Unterschiede in der Qualität der Behandlung und der Information von Patienten fest.[7][8] Vor diesem Hintergrund entstand Mitte der 2000er Jahre die Idee, die gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichte deutscher Krankenhäuser nutzerfreundlicher aufzubereiten.[9][10] Dieses Vorhaben wurde von mehreren großen Verbänden unterstützt, unter anderem den Sozialverbänden SoVD und VdK sowie dem Bundesverband der Verbraucherzentralen vzbv.[11] Um die Unabhängigkeit der bereitgestellten Informationen sicherzustellen, wurde ein gemeinsames Steuerungsgremium eingerichtet.[12]

Die Entwicklung der Weissen Liste benötigte insgesamt rund zweieinhalb Jahre. Im Juni 2008 veröffentlichte man die erste Version des Internetportals.[13] Der Stern, die taz und andere Medien hoben in ihrer Berichterstattung den innovativen Charakter des Angebots besonders hervor.[14][15] Innerhalb des ersten Jahres erreichte die Weisse Liste über vier Millionen Zugriffe.[16]

Zunächst standen alle rund 2.000 deutschen Kliniken mit ihren Fachbereichen im Vordergrund.[17] 2011 erweiterte man in Kooperation mit den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und der Barmer GEK den Datenbestand um die Bewertung einzelner Ärzte, was vereinzelt Kritik der Ärztekammern hervorrief.[18][19][20] Das System der Weissen Liste bildete die Grundlage für die Befragung von rund 30 Millionen Versicherten,[21][22] der bisher größten Erhebung dieser Art in Deutschland.[23]

2012 wurden auch Pflegeeinrichtungen in die Weisse Liste aufgenommen.[24] Hierfür entwickelte die Weisse Liste einen spezialisierten Fragebogen und ein eigenes Bewertungsverfahren auf Grundlage der Erhebungen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes („Pflege-TÜV“).[25][26] Im selben Jahr wurde die Geschäftsstelle der Weissen Liste in Berlin eingerichtet, um den Betrieb und die Weiterentwicklung zu professionalisieren.[27]

BeschreibungBearbeiten

Den Kern des Internetportals Weisse Liste bilden die beiden Suchmaschinen für Ärzte und Krankenhäuser. Die Datenbank kann nach verschiedenen Kriterien wie Fachgebiet, Spezialisierung, Bewertung oder Standort gefiltert werden.[28][29] Darüber hinaus werden ergänzende Informationen wie Checklisten für den Arztbesuch oder Klinikaufenthalt angeboten, welche die Sicherheit der Patienten erhöhen sollen. Ein „Dolmetscher“ übersetzt medizinische Fachbegriffe etwa von Befunden und Diagnosen in verständliche Sprache. Außerdem unterstützt die Weisse Liste bei Entscheidungen über Untersuchungen und Behandlungen, beispielsweise betreffend der Notwendigkeit einer Einnahme von Antibiotika bei Erkältungen.[30]

Die ursprünglich vorhandene Pflegedienst- und Pflegeheim-Suche der Weissen Liste steht nicht mehr zur Verfügung. Der Hauptgrund hierfür ist, dass keine ausreichenden Qualitäts-/Transparenzberichte der Pflegeanbieter mehr zur Verfügung gestellt werden. Die aktuelle Pflegeheim-Suche der Weissen Liste liefert daher Ergebnisse aus dem gesamten Bundesgebiet und speziell für Hamburger Pflegeheime besonders aussagekräftige Informationen. Ergänzend wird auf andere Verzeichnisse und Beratungsstellen verwiesen.[31]

Neben der klassischen Website gibt es die Weisse Liste auch als Mobile App für die Smartphone- und Tablet-Betriebssysteme von Apple und Google.[2] Darüber hinaus wurden grundlegende Standards für die Erhebung und Bewertung der Qualität von digitalen Gesundheitsanwendungen entwickelt.[32]

OrganisationBearbeiten

Hinter der Weissen Liste steht eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) nach deutschem Recht. Diese wurde im Oktober 2011 errichtet und im Dezember 2011 ins Handelsregister eingetragen. Das Stammkapital wurde vollständig von der Bertelsmann Stiftung aufgebracht. Der Unternehmenszweck erstreckt sich im Wesentlichen auf die Förderung des öffentlichen Gesundheits- und Wohlfahrtswesens sowie die Beratung und den Schutz von Verbrauchern. Dieses wird unter anderem durch die „Unterstützung und Durchführung von Qualitäts- und Transparenzprojekten“ verwirklicht. Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke im Sinne der Abgabenordnung.[5]

Wesentliche Organe der Weissen Liste sind die Gesellschafterversammlung und die Geschäftsführung, die derzeit Uwe Schwenk wahrnimmt. Darüber hinaus sieht die Satzung ein Kuratorium mit beratender und unterstützender Funktion vor. Vorsitzender des Gremiums ist Jürgen Graalmann.[33]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Weisse Liste. In: Wayback Machine. Internet Archive, 8. Juni 2008, abgerufen am 1. August 2019.
  2. a b Kristin Kahl: Weisse Liste: Hilfe bei der Arzt- und Krankenhaussuche. In: Deutsches Ärzteblatt. Nr. 116, 2019, S. 33 (aerzteblatt.de [abgerufen am 1. August 2019]).
  3. Arztbewertungen: Wie seriös sind Portale? Norddeutscher Rundfunk, 20. August 2018, abgerufen am 1. August 2019.
  4. Nicola Kuhrt, Friedrich Lindenberg: Patientenrechte: Experten fordern gläsernes Gesundheitssystem. In: Spiegel Online. 12. Februar 2013, abgerufen am 1. August 2019.
  5. a b Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 1. August 2019.
  6. Patientenbeauftragte übernimmt Schirmherrschaft für Weisse Liste. In: Deutsches Ärzteblatt. 3. Mai 2019, abgerufen am 1. August 2019.
  7. Medizin erhält schlechtes Zeugnis. In: Bonner General-Anzeiger. 12. Juli 2002, S. 35.
  8. Bernhard Hänel: Ärztliche Qualität ist Herzenswunsch – Deutsche Patienten wünschen mehr Informationen. In: Neue Westfälische. 24. Juni 2003.
  9. Jahresbericht 2008. (PDF) Bertelsmann Stiftung, S. 40, abgerufen am 1. August 2019.
  10. Der Patients' Experience Questionnaire. Patientenerfahrungen vergleichbar machen. Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2010, ISBN 978-3-86793-124-3.
  11. Pia Heinemann: „Weiße Liste“ für Kliniken: Neue Internetplattform hilft Patienten, das für sie richtige und beste Krankenhaus zu finden. In: Die Welt. 5. Juni 2008, abgerufen am 25. Januar 2020.
  12. Im Internet nach dem Arzt suchen. Online-Portal „Weiße Liste“ informiert über Krankenhäuser. In: Nürnberger Nachrichten. 5. Juni 2008, S. 30.
  13. „Weiße Liste“ gibt Kranken Auskunft. In: Rhein-Zeitung. 13. Juni 2008.
  14. Karin Flothmann: Erst surfen, dann zur OP ins beste Hospital. Ab sofort hilft die Online-Datenbank „Weiße Liste“ PatientInnen bei der Suche nach dem passenden Krankenhaus. In: Die Tageszeitung. 6. Juni 2008, S. 6.
  15. Astrid Viciano: Die beste Klinik für mich: Wo sind die Ärzte gut, die Schwestern freundlich? Auf der Suche nach der perfekten Behandlung fühlen sich Patienten oft alleingelassen. Neue, intelligente Wegweiser im Internet helfen bei der Entscheidung. In: Stern. Nr. 24, 2008.
  16. Gesundheit: Webseite informiert über Qualität von Kliniken. In: Welt Online. 29. September 2009, abgerufen am 1. August 2019.
  17. Maike Telgheder: Die Suche nach der richtigen Klinik ist schwierig. In: Handelsblatt. 6. Januar 2009, S. 12.
  18. Daniel Baumann: Patienten bewerten Ärzte online. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 29. Mai 2010.
  19. Florian Possinger: Diagnose für Onkel Doktor. In: Saarbrücker Zeitung. 24. September 2010.
  20. AOK und Barmer: Bewertungsportal für Ärzte geht online. In: Handelsblatt. 3. Mai 2011, abgerufen am 1. August 2019.
  21. Eva Quadbeck: Arztsuche über das Internet. In: Rheinische Post. 4. Mai 2011.
  22. Ärzte-Navi als Suchhilfe für Patienten. Als die Idee eines Arzt-Navigators vor zwei Jahren vorgestellt wurde, war der Aufschrei groß. Inzwischen können auch Ärztevertreter mit der Bewertungsliste im Internet leben, die das Gesundheitssystem etwas transparenter machen soll. In: Coburger Tageblatt. 4. Mai 2011, S. 6.
  23. Krankenhauspatienten meist zufrieden. Die Ergebnisse der größten Patientenbefragung flossen in die Suchmaschine „Weiße Liste“ ein. In: Die Tageszeitung. 19. Dezember 2012, S. 6.
  24. Auf der Suche nach dem passenden Heim. In: Reutlinger General-Anzeiger. 11. Januar 2012.
  25. Philipp Neumann: Weiße Liste: Fragebogen zur Qualität von Pflegeheimen entwickelt. In: Welt Online. 4. Januar 2011, abgerufen am 1. August 2019.
  26. Pflege-TÜV: „Weisse Liste“ bietet bessere Bewertung von Pflegeheimen. In: Spiegel Online. 24. Mai 2016, abgerufen am 1. August 2019.
  27. Jahresbericht 2012. (PDF) Bertelsmann Stiftung, S. 71, abgerufen am 1. August 2019.
  28. Arztsuche. Weisse Liste, abgerufen am 1. August 2019.
  29. Krankenhaussuche. Weisse Liste, abgerufen am 1. August 2019.
  30. Entscheidungshilfen. Weisse Liste, abgerufen am 1. August 2019.
  31. Pflegeheimsuche. Weisse Liste, abgerufen am 27. August 2020.
  32. Trusted Health Apps. Weisse Liste, abgerufen am 27. August 2020.
  33. Gremien der Weissen Liste. Abgerufen am 31. Juli 2020.