Hauptmenü öffnen

Weinbergsburg

archäologische Stätte in Deutschland
Der Weinberg von Hitzacker aus gesehen

Die Weinbergsburg ist der Burgstall mehrerer Befestigungsanlagen unterschiedlicher Zeitepochen auf der Erhebung des Weinbergs am Rande der Altstadt von Hitzacker (Elbe). Zunächst entstand im 7. Jahrhundert ein slawischer Burgwall, die nach mehrfachen Zerstörungen immer wieder aufgebaut wurde und der als die bedeutendste slawische Fundstelle in Niedersachsen gilt. Später entstand an der Stelle eine mittelalterliche Burg, deren bauliche Reste im 19. Jahrhundert beseitigt wurden.

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

 
Plateau des Weinbergs

Die Befestigungsanlagen, von denen sich keine oberirdischen Reste erhalten haben, wurden auf dem etwa 95 Meter langen und 45 Meter breiten Plateau des Weinbergs errichtet. Die noch zur Klötzie des Drawehn zählende Erhebung von knapp 53 m ü. NHN liegt am Rande des Elbtals und erhebt sich rund 40 Meter über den Fluss. Der Name des Weinbergs leitet sich vom jahrhundertelangen Anbau von Rebstöcken und noch heute betriebenem Weinbau am Berghang ab. Erstmals erwähnt wird der Weinanbau im Jahr 1521 zu Zeiten von Ernst dem Bekenner.

GeschichteBearbeiten

Nach der über Jahrhunderte anhaltenden slawischen Phase als Ringwall ging die Befestigungsanlage im 12. Jahrhundert an Heinrich den Löwen. 1229 war sie im Besitz der askanischen Herzöge von Sachsen-Lauenburg. Im Jahr 1296 ließ Markgraf Otto von Brandenburg die Burg zerstören, weil der Raubritter Hermann Ribe von dort Kaufmannszüge überfiel.[1] 1464 wurde sie von Herzog Otto von Braunschweig-Lüneburg erobert und letztmals urkundlich erwähnt. Um 1500 wurde die Burg aufgegeben und verfiel. Die baulichen Reste wurden im 19. Jahrhundert abgetragen.

ArchäologieBearbeiten

 
Rekonstruierte Fundamentreste auf dem Burgplateau

Erste archäologische Untersuchungen auf dem Weinberg führte der Prähistoriker Ernst Sprockhoff im Jahr 1960 durch. Weitere Ausgrabungen folgten 1965 und 1966 sowie von 1970 bis 1975. Insgesamt wurden etwa 13 % der Fläche des Bergplateaus archäologisch untersucht. Die Grabungen gingen bis in 5 Meter Tiefe, wo die ältesten und slawischen Fundschichten lagen.

Herausragende Fundstücke waren ein vergoldeter Messerscheidenbeschlag, Reitsporen, eine goldene Perle und Glasringe sowie eine vermutliche Halsfessel. Zu den Massenfunden zählen rund 60.000 Keramikscherben, die sich in das 9. bis 15. Jahrhundert datieren ließen. In den ältesten Siedlungsschichten fand sich slawische Keramik, darunter Feldberger, Menkendorfer und Drawehn-Keramik. Zur frühdeutschen Keramik gehörte braune, gelbe und graue Irdenware. Außerdem kam Pingsdorfer Keramik vor. In ebenfalls großer Anzahl fanden sich, mit etwa 33.000 Fundstücken, Tierknochen, hauptsächlich von Schwein sowie Rind und in der Minderzahl von Geflügel, Fisch und Wild.

WallBearbeiten

Die Ausgrabungen führten zu der Erkenntnis, dass es am Wall insgesamt 8 unterschiedliche Bauphasen gab, darunter 5 slawische und 3 deutsche. In der ersten Bauphase in altslawischer Zeit im 7. Jahrhundert entstand ein etwa 5 Meter breiter Wall aus Kies mit einer Palisade, womit eine Höhe von etwa 4 Meter erreicht wurde. In der zweiten Phase im 8. Jahrhundert wurde der Wall in eine Holz-Erde-Konstruktion in Kastenbauweise umgewandelt. Nach einer Zerstörung durch Brand wurde der Wall im 9. Jahrhundert erneuert und erreichte mit einer Palisade eine Höhe von rund 5 Meter. Nach einer Zerstörung durch Brand kam es im 10. Jahrhundert zu einem Neuaufbau des Walls als Holz-Erde-Konstruktion mit einer Höhe von 6 Meter. Zu einer letzten Wallerneuerung in slawischer Zeit kam es im 11. Jahrhundert, bei der der Wall eine Höhe von 7 Meter und eine Breite von 10 Meter erreichte. Die Gesamtbreite betrug 14 Meter, da in den Wall Kasematten integriert waren.

 
Ruinen der Weinbergsburg auf einem Merian-Stich von 1654

In mittelalterlicher Zeit wurde auf der Wallkrone eine Burgmauer errichtet, deren Fundamentgraben bei den Ausgrabungen festgestellt wurde. Dies korrespondiert mit der Beschreibung von Hitzacker durch Merian von 1654. Er schreibt, dass sich auf einem Berg ein Schloss oder Turm befunden habe, was noch an Kellern und Ruderalvegetation zu erkennen gewesen sei. Auf einem Merian-Stich von 1654 von Lüchow ist im Hintergrund der Weinberg mit Mauerresten zu sehen, die als Mauer und Stümpfe von zwei Burgtürmen angesehen werden können. Bei den Ausgrabungen fand sich ein Sockel aus Ziegelsteinen aus dem 14. bis 15. Jahrhundert, der auf einem älteren Fundament aus Feldsteinen gegründet war. Dabei könnte es sich um einen Turm gehandelt haben.

InnenraumBearbeiten

Im Innenraum der Befestigungsanlage fanden sich Siedlungsspuren als Reste von Gebäuden. Während in den ersten Phasen des Bestehens kaum Gebäude vorhanden waren, nahm die Siedlungstätigkeit ab dem 10. Jahrhundert zu. Aus dieser Zeit, wie auch aus dem 11. und 12. Jahrhundert, stammten mehrere hölzerne Blockhäuser. Massives Mauerwerk von Gebäuden aus dem 12. Jahrhundert fand sich in einer Grabungstiefe zwischen 2 und 3 Meter. Die Innenwände dieser Bauten aus Feldsteinen waren sorgfältig glatt ausgeführt.

LiteraturBearbeiten

  • Berndt Wachter: Die Fortführung der Grabung auf dem Weinberg bei Hitzacker (Elbe) im Jahr 1971. In: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, 41, (1972), S. 227 ff.
  • Berndt Wachter: Eine slawische Wallanlage – Die Grabung auf dem Weinberg in Hitzacker (Elbe) im Jahre 1972. In: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 42 (1973), S. 300 ff.
  • Berndt Wachter: Die slawisch-deutsche Burg auf dem Weinberg in Hitzacker/Elbe: Bericht über die Grabungen von 1970–1975. Ein Beitrag zur Frühgeschichte des Hannoverschen Wendlands. Neumünster 1998
  • Wolfgang Jürries, Berndt Wachter (Hrsg.): Weinbergsburg in: Wendland-Lexikon. Band 2: L-Z, 2. Auflage. Druck- und Verlagsgesellschaft Köhring & Co., Lüchow 2008, ISBN 978-3-926322-28-9, S. 553–555

WeblinksBearbeiten

  Commons: Weinbergsburg – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wendland-Lexikon, Band 2, Lüchow 2008, S. 293.

Koordinaten: 53° 9′ 15″ N, 11° 2′ 37″ O