Hauptmenü öffnen

Ein Wärmenetz ist eine Einrichtung zur leitungsgebundenen Versorgung mit thermischer Energie[1], in der ein Wärmeträgermedium die Wärme von einer Wärmequelle zu einer Wärmesenke transportiert. Dabei kann das Medium sensible Wärme – wie bei Heißwassernetzen – oder durch einen Phasenübergang latente Wärme – wie bei Dampfnetzen – abgeben und wieder aufnehmen.

Ein Kältenetz ist eine Sonderform des Wärmenetzes mit umgekehrter Energieflussrichtung: von vielen Punkten fließt Wärme zu einer zentralen Stelle, an der eine Kältemaschine installiert ist. In der Regel wird mit Wasser, das kälter ist als die Umgebungstemperatur, für Klimatisierungs- und Kühlzwecke Wärme dezentral entzogen.

Wärmenetze können sich über mehrere Kilometer ausdehnen[2][3] oder nur einige benachbarte Grundstücke umfassen. Auch innerhalb von Gebäuden dienen Wärmenetze zur Verteilung der Wärme von der Heizungsanlage zu beheizten Räumen. Wärmenetze werden charakterisiert durch die maximal zulässige Temperatur und den maximalen Druck. Die Leistungsfähigkeit von Wärmenetzen bestimmt sich nicht nur durch den Massenstrom des Trägermediums, sondern auch über die Temperaturspreizung zwischen Vorlauf und Rücklauf.

Technisch unterscheiden sich die Wärmeleitungen nach ihrem Verlegeaufwand und Aufbau:

  1. In der Frühzeit der Fernwärme wurden oft Haubenkanäle installiert, in denen Stahlrohre vor Ort mit einer Isolierung umwickelt wurden.
  2. Kunststoffmantelrohre sind vorgefertigte Stahlrohre mit einer Isolation aus PUR-Schaum und einer Außenhaut aus Kunststoff, die direkt ins Erdreich verlegt werden können.
  3. Kunststoffrohre zeichnen sich durch geringere Kosten aus, sind allerdings aufgrund der Alterungsprozesse (vgl. Weichmacher) auf vergleichsweise niedrige Vorlauftemperaturen angewiesen.

Die Verlegung von Wärmeleitungen wird weniger von den Anschaffungsausgaben für die Rohre, sondern hauptsächlich von den Kosten für die Tiefbauarbeiten geprägt[4], die insbesondere im innerstädtischen Bereich sehr aufwendig werden können.

Die Abgrenzung zwischen Fern- und Nahwärmenetzen erfolgt fließend. In Fernwärmenetzen gibt es Transporttrassen mit zum Teil erhöhten Druck- und Temperaturwerten und einer hydraulischen Trennung zu nachgelagerten Verteilnetzebenen. Nahwärmenetze können hingegen auf niedrige Temperaturen ausgelegt werden, da man es mit einer überschaubaren Anzahl von Wärmeabnehmern zu tun hat, deren Vorlauf auf niedrige Temperaturen und hohe Auskühlung optimiert werden kann. Die spezifischen Kosten und auch die Wärmeverluste (rund 11–14 %[5]) unterscheiden sich in Nah- und Fernwärmenetzen wenig, da in der Verteilung zum Endkunden, d. h. in den „Kapillaren“, und nicht auf den „Hauptschlagadern“ der Transporttrassen die wesentlichen Investitionen notwendig werden und die überwiegenden Netzverluste auftreten.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. KWKG 2016, §2 Begriffsbestimmungen, Nr. 32
  2. Leitungssystem und Hausstation. STEAG Fernwärme GmbH, abgerufen am 25. Februar 2018.
  3. Einspeisequellen und Versorgungsgebiete. Fernwärme-Verbund Saar GmbH, abgerufen am 25. Februar 2018.
  4. Rolf Besier, Manfred Klöpsch, Alexander Wagner: Wirtschaftliche Dämmung von KMR: Reicht für Kunststoffmantelrohre die Standarddämmung heute noch aus? (Nicht mehr online verfügbar.) AGFW, 27. November 2009, archiviert vom Original am 26. Februar 2018; abgerufen am 24. Februar 2018.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.agfw.de Bild 2
  5. Schmitz et al.: AGFW-Hauptbericht 2016. AGFW, August 2017, abgerufen am 22. Juli 2018., S. 13