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Volkmarshäuser Tunnel

stillgelegter Eisenbahntunnel im südlichen Niedersachsen

Der Volkmarshäuser Tunnel ist ein 325,5 m[1] langer, ehemaliger Eisenbahntunnel der Hannöverschen Südbahn, der von 1852 bis 1855[3] nahe Volkmarshausen im Königreich Hannover erbaut wurde. Er befindet sich im südniedersächsischen Landkreis Göttingen zwischen der früheren Bahnstation Oberscheden und dem einstigen Haltepunkt Volkmarshausen. Der Tunnel gehörte zum südlichen, inzwischen stillgelegten Streckenabschnitt zwischen Hann. Münden und Göttingen, der auch als Dransfelder Rampe bezeichnet wurde. Er befindet sich beim Südbahn-Streckenkilometer 135,8[5] und wurde von 1856[4] bis 1995[2] durchfahren. Die Baukosten betrugen rund 88.639 Taler.[2]

Volkmarshäuser Tunnel
Volkmarshäuser Tunnel
Südwest- und Nordostportal des Volkmarshäuser Tunnels, 2008
Nutzung Eisenbahntunnel
(anfangs zweigleisig;
ab 1943 eingleisig)
Verkehrsverbindung Dransfelder Rampe
Ort nahe Volkmarshausen
Länge 325,5 m[1]dep1
Anzahl der Röhren 1
Querschnitt ca. 6 m × 8 m
Bau
Bauherr Königreich Hannover
Baukosten ca. 88.639 Taler[2]
Baubeginn 1852[3]
Fertigstellung 1855[3]
Betrieb
Freigabe 23. September 1856[4]
Schließung 10. September 1995[2]
Lage
Volkmarshäuser Tunnel (Niedersachsen)
Red pog.svg
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Koordinaten
Nordostportal 51° 26′ 49″ N, 9° 40′ 31″ O
Südwestportal 51° 26′ 43″ N, 9° 40′ 17″ O

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Der Volkmarshäuser Tunnel liegt im Naturpark Münden im Süden des Bramwaldes. Er verläuft in Nordost-Südwest-Richtung durch den bewaldeten Nordwesthang der Hünenburg (312,5 m ü. NHN),[6] einer nordnordwestlichen Nachbarerhebung des Blümer Bergs (320,4 m). Die Tunnelmitte ist etwa 350 m von der ostnordöstlich am Ortsrand von Volkmarshausen stehenden Christuskirche entfernt. Nach Nordwesten fällt die Landschaft zur Schede ab; an dem Weser-Zufluss liegt etwa 330 m nordnordöstlich der Tunnelmitte der Weiler Schedetal.

Geschichte und BeschreibungBearbeiten

19. JahrhundertBearbeiten

Der Volkmarshäuser Tunnel wurde unter Mitwirkung italienischer Tunnelbauexperten von 1852 bis 1855 erbaut. Der Streckenvortrieb erfolgte zunächst durch die Anlage eines zwei Meter breiten und vier Meter hohen Richtstollens von beiden Tunnelseiten, bei dem Sprengungen mit Schwarzpulver vorgenommen wurden. Beide Bautrupps trafen sich nach eineinhalb Jahren Bauzeit in der Mitte. Anschließend wurde die Tunnelröhre auf eine Höhe von sechs Metern und eine Breite von acht Metern erweitert und mit Klinkersteinen ausgemauert.

Mit der Einweihung des südlichen Abschnitts der Südbahn am 23. September 1856[4] wurde auch der Tunnel in Betrieb genommen. Hindurch verlief die ursprünglich zweigleisige Bahntrasse.

 
Zeichnung des Südwestportals, um 1850

Das Bauwerk zählt zu den bedeutendsten Kunstbauten im Königreich Hannover. Es war der einzige Eisenbahntunnel des Königreichs und gelegentlich wird behauptet, dass dies für den hannoverschen König Georg V. der ausschlaggebende Grund für den Bau gewesen sei. Die wahren Gründe für den Tunnelbau lagen jedoch in der Einsparung von Kosten und dem Wunsch, die Strecke möglichst auf gleicher Höhenlage bis Kassel zu führen. So befindet sich der Mündener Bahnhof in Hanglage rund 15 Höhenmeter über dem historischen Stadtkern.

Der Tunnel ist in einem leichten Bogen ausgeführt. Zur Tunnelröhre gehören das Nordost- und Südwestportal. Beide Tunnelportale, im Stil der Neoromanik gestaltet, bestehen aus Sandstein und weisen Zierelemente aus der Frühzeit der Eisenbahn auf. Am Südwestportal sind in zwei Portalrosetten das Monogramm von König Georg V. und das Welfenross dargestellt.[7] Das Nordostportal ist mit zwei Portalrosetten ausgestattet, die die Inschriften „Begonnen 1852“ und „Vollendet 1855“[3] tragen. Die Tunnelportale stehen unter Denkmalschutz und sind in Miniaturausführung in der Nenngröße H0 (Maßstab 1:87) als Bausatz für Modelleisenbahnen im Handel erhältlich.[8] Beim Südwestportal lag der Haltepunkt Volkmarshausen.

20. JahrhundertBearbeiten

 
Streckenkilometer 135,7 kurz vor dem Nordostportal
 
Tunnelröhre mit Schotterresten, 2016

Während des Zweiten Weltkriegs wurde 1943 das zweite Gleis der Bahnstrecke abgebaut – auch im Tunnel. Es wurde in der Nachkriegszeit nicht mehr ersetzt. Am 30. und 31. März 1945 fanden zwei Luftangriffe durch amerikanische Bomber auf Hannoversch Münden statt. Sie galten auch der südwestlich von Volkmarshausen liegenden Gneisenau-Kaserne der Wehrmacht bei Gimte, in der ein Teil des Oberkommandos des Heeres einquartiert war. Bei den Angriffen wurden auch Eisenbahnzüge nahe dem Volkmarshäuser Tunnel bombardiert.[9]

Im Jahr 1955 entgleiste der Gliedertriebzug VT 10 „Komet“ am Nordosteingang des Tunnels[10] mit etwa 65 km/h durch heruntergefallene Gesteinsbrocken.[11]

Als 1964 die benachbarte Werratalstrecke elektrifiziert wurde, verlor die Bahnstrecke der Dransfelder Rampe stetig an Bedeutung. Der einst über die Strecke und durch den Tunnel führende, rege Fernreiseverkehr reduzierte sich auf Güter- und Nahverkehrszüge. 1974 passierte die letzte Dampflokomotive den Tunnel. Nachdem 1980 der Personenverkehr auf der Bahnstrecke eingestellt wurde, durchfuhren den Tunnel nur noch Güterzüge, zuletzt nur noch zwischen Oberscheden und Hann. Münden. 1995 wurde dieser Streckenabschnitt zwischen Hann. Münden und Oberscheden stillgelegt. Die letzte reguläre Fahrt durch den Tunnel erfolgte mit einem V-60-Zug im April 1995. Zuletzt durchfuhren ihn Lokomotivführerschüler am 10. September 1995[2] mit einem VT-98-Triebwagen. Im März 2000 wurden die Gleise im Tunnel demontiert.

Das Tunnelbauwerk ist frei begehbar. Der ehemalige Haltepunkt Volkmarshausen beim Südwestportal des Tunnels ist von Pflanzen überwuchert. Noch heute ist er von der Ortschaft über einen Waldweg erreichbar.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Volkmarshäuser Tunnel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Tunnellänge (325,5 m) laut Aufschrift eines ehemaligen Schildes an einem der Tunnelportale
  2. a b c d e Jens Kaup: Die Geschichte des Volkmarshäuser Tunnels (Modellbau total – außergewöhnliche Modellbahnarchitektur), auf vampisol.de
  3. a b c d Rosetten des Nordostportals: Begonnen 1852 und Vollendet 1855, auf commons.wikimedia.org
  4. a b c Geschichte des Volkmarshäuser Tunnels (Memento vom 7. Oktober 2007 im Internet Archive), mit 21 Unterseiten, auf archive.org
  5. Volkmarshäuser Tunnel: Lage des Tunnels bei Streckenkilometer „135,8“, auf eisenbahntunnel-portal.de
  6. Hünenburg im Kartendienst Natur erleben in Niedersachsen (Darstellung: karte), Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (Hinweise) (DTK 25; Höhe laut oberste Höhenlinie in AK 5/2,5), auf natur-erleben.niedersachsen.de
  7. Rosetten des Südwestportals: Monogramm und Welfenross, auf commons.wikimedia.org
  8. Modellbausätze: Ostportal (Nordostportal) und Südportal (Südwestportal), auf vampisol.de
  9. Am Anfang war das Chaos in: 40 Jahre Landespolizeischule Niedersachsen 1946–1986, Hrsg.: Landespolizeischule Niedersachsen
  10. Kassel – Hann. Münden – Göttingen, in Eisenbahn im Raum Kassel, auf steamy.de
  11. Südabschnitt der Hannöverschen Südbahn. VT 10 Komet. (Memento vom 21. Februar 2005 im Internet Archive) Abgerufen am 3. August 2016