VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik

technisch-wissenschaftlicher Verband in Deutschland

Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) ist ein 1893 unter dem Namen Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) gegründeter technisch-wissenschaftlicher Verband in Deutschland.

VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.
(VDE)
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Rechtsform eingetragener Verein
Zweck Technisch-wissenschaftlicher Verband
Sitz Frankfurt am Main
Gründung 22. Januar 1893[1]

Präsident Alf Henryk Wulf
Vorstand Ansgar Hinz, Beate Mand, Martin Hieber
Website www.vde.com

GeschichteBearbeiten

 
Sondermarke „100 Jahre Verband Deutscher Elektrotechniker“ (1993)

Die schnelle Entwicklung der Technik auf Basis der Elektroenergie ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (ab 1880 Starkstromtechnik)[2][3] führte zur Herausbildung eines eigenen Technikzweiges, der Elektrotechnik. In den 1870er Jahren erkannte Werner Siemens die immense Bedeutung und das Potenzial der neuen Technikrichtung und wandte sich an den Generalpostmeister Heinrich von Stephan mit diesen Überlegungen: „Neben der Telegraphie, die schon in etwas ruhigere Entwicklungsbahnen eingelenkt ist, [...] sehen wir überall ein wildes Rennen auf dem Gebiet der Elektrotechnik, ein rastloses Streben der Electrizität einen wichtigen Platz in den alten Industriezweigen zu erobern und neue auf sie zu begründen. Allen diesen Bestrebungen fehlt bisher ein ordnender, berichtigender Mittelpunkt.“ Stephan genehmigte daraufhin die Gründung eines Vereins, der die ordnende Funktion übernehmen sollte. Im Januar 1879 erfolgte die Gründung des ersten Berliner Elektrotechnik-Vereins,[4] der sich zunächst um die Sicherheit der elektrotechnischen Anlagen, die Klärung der Verwendung von Gleich- oder Wechselstrom und dem Austausch zwischen den Betreibern von Schwachstrom- und Starkstrom-Anlagen kümmerte. Doch die Probleme nahmen weiter zu, so dass ein nationaler Verband notwendig erschien. Der größte Befürworter einer solchen Einrichtung war Adolf Slaby, in den 1880er Jahren Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Er forderte die Elektrotechnischen Vereine in einem 1892 versendeten Rundschreiben auf „... Nur in der zielbewussten Vereinigung unserer geistigen Mittel können wir hoffen, nachhaltig für die erfolgreiche Vertretung unserer Interessen zu wirken. Sollten Sie dieser Anschauung zustimmen, so laden wir Sie hierdurch freundlichst ein, an einer im Monat November oder Dezember in Berlin stattfindenden Besprechung teilzunehmen.[...]“ Der Einladung folgten zahlreiche Ingenieure und Wissenschaftler; die Gründungsversammlung verschob sich allerdings durch den Tod von Siemens (6. Dezember) auf das folgende Jahr.

Als sich am 21. Januar 1893 im Gelben Saal des Hotels Kaiserhof 37 Vertreter aus dem Gebiet Elektrotechnik getroffen hatten, klärten sie die notwendigen Organisationsfragen. Am folgenden Tag erfolgte bei einem von Emil Rathenau veranstalteten Festessen in seinem Haus die feierliche Gründung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker. Als erste vorläufige Vorstandsmitglieder wurden Adolf Slaby und Georg Wilhelm von Siemens gewählt. Mitunterzeichner der Gründungsurkunde war u. a. auch Emil Arnold Budde.[5]

In den folgenden Jahrzehnten passten die Verbandsmitglieder sowohl den Namen als auch die Aufgaben des Verbandes den jeweils aktuellen technischen Erfordernissen an. 1937 wurde der Verband gleichgeschaltet und dem NS-Bund Deutscher Technik eingegliedert. Dieser unterstand dem Hauptamt für Technik in der NSDAP. Nach der „Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen“ mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 setzte der britische Sektor Berlins einen Treuhänder ein, damit unter anderem die Normungsarbeit des VDE fortgesetzt werden konnte. 1946 gründeten sich regionale Organisationen des VDE neu, und am 23. März 1950 wurde der Verband in Frankfurt am Main wiedergegründet, wo er bis heute seinen juristischen Sitz hat.

Anlässlich der Hundertjahrfeier 1993 brachte die Deutsche Bundespost die Sondermarke „100 Jahre Verband Deutscher Elektrotechniker“ heraus. Seit 1998 firmiert der VDE als VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik.

Der Verband heuteBearbeiten

OrganisationBearbeiten

 
VDE Standorte weltweit

Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V., eine der größten Technologie-Organisationen Europas, vereint Wissenschaft, Standardisierung, Prüfung, Zertifizierung und Anwendungsberatung unter einem Dach.

Der VDE in ZahlenBearbeiten

  • >3500 Normen und Standards
  • >2000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • >100.000 Ehrenamtliche und Mitglieder, davon 1500 Unternehmen
  • >1600 Veranstaltungen pro Jahr mit >70.000 Teilnehmern
  • >60 Standorte weltweit
  • >175 Forschungs- und Förderprojekte
  • >100 Preise und Ehrungen
  • >100.000 Prüfungen pro Jahr

GliederungBearbeiten

Sitz des VDE ist Frankfurt am Main. Weitere Repräsentanzen hat der Verband in Berlin und Brüssel. Außerdem gibt es bundesweit Landesvertretungen und 29 Bezirksvereine. In Nordamerika und Asien ist der VDE mit Niederlassungen der VDE Global Services GmbH vertreten. In Europa ist der VDE in Italien, Bulgarien, Belgien, Schweden, Frankreich, Polen, Türkei und Spanien präsent. Er setzt sich auch für die Forschungs- und Nachwuchsförderung sowie den Verbraucherschutz ein.

FachgesellschaftenBearbeiten

In den folgenden fünf Fachgesellschaften des VDE beschäftigen sich Experten aus Wissenschaft und Industrie mit Themen rund um Elektro-/Informationstechnik und ihren Anwendungen:

Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (VDE ITG) ist die nationale Vereinigung aller auf dem Gebiet der Informationstechnik Tätigen in Wirtschaft, Verwaltung, Lehre und Forschung und Wissenschaft. Ihre Ziele sind die Förderung der wissenschaftlichen und technischen Weiterentwicklung und Bewertung der Informationstechnik in Theorie und Praxis. 1954 als Nachrichtentechnische Gesellschaft gegründet, ist sie die älteste Fachgesellschaft im VDE. Die neun Fachbereiche, denen über 80 Fachgremien zugeordnet sind, decken das gesamte Spektrum der Informationstechnik ab. Etwa 10.000 VDE Mitglieder haben sich der ITG zugeordnet und über 1000 Experten arbeiten ehrenamtlich in den Gremien mit.

  • ETG Energietechnische Gesellschaft:

Die Energietechnische Gesellschaft im VDE (VDE ETG) bündelt mit über 12.000 Mitgliedern die Fachkompetenz der Energietechnik von der Erzeugung, Übertragung, Verteilung bis hin zu den vielfältigen Anwendungsfeldern. Das umfangreiche Expertenwissen der rund 300 ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Industrie, Forschung, Versorgungsunternehmen, Hochschulen und Behörden, die in Fachbereichen, Fachausschüssen und Arbeitskreisen mitwirken, bildet die technisch-wissenschaftliche Basis für Veranstaltungen und Publikationen der Energietechnischen Gesellschaft im VDE.

Die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT) ist die wissenschaftlich-technische Fachgesellschaft für Medizintechnik in Deutschland. Sie wurde 1961 in Frankfurt am Main gegründet.

Die DGBMT im VDE vernetzt Fachleute aus allen Bereichen der Technikanwendungen in der Medizin und bearbeitet das gesamte Themenspektrum der Biomedizinischen Technik. Sie veranstaltet Tagungen und Workshops für Fachpublikum und ist Trägerin von zwei internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften: Biomedical Engineering und Current Directions in Biomedical Engineering des Verlags Walter de Gruyter. Positionspapiere, Stellungnahmen und Expertenbeiträge beleuchten unabhängig und neutral aktuelle Themen. Außerdem verleiht die DGBMT Förderpreise für wissenschaftlichen Nachwuchs, für wissenschaftliche Exzellenz und Innovationen und für Patientensicherheit in der Biomedizintechnik. Sie vertritt die deutsche Biomedizinische Technik in internationalen Gremien.

  • GMM Gesellschaft Mikroelektronik Mikrosystem und Feinwerktechnik

Die VDE/VDI Gesellschaft Mikroelektronik, Mikrosystem- und Feinwerktechnik (VDE VDI GMM) mit ihren über 9500 Mitgliedern gliedert sich derzeit in sieben Fachbereiche und etwa 45 Fachausschüsse. Sie unterstützen die Organisation von Fachtagungen und Workshops und leisten fachliche Arbeit in den Fachausschüssen. Darüber hinaus sorgen sie für Kontakte zu anderen Fachgesellschaften innerhalb und außerhalb des VDE und VDI. In den Bezirksvereinen von VDE und VDI werden die fachlichen Aktivitäten der GMM auch durch regionale Arbeitskreise getragen.

  • GMA Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik:

In der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik, kurz VDI/VDE GMA, bündeln der Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) und der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) die gemeinsamen Aktivitäten im Bereich Mess- und Automatisierungstechnik. Rund 1500 Mitarbeiter arbeiten in acht Fachbereichen mit rund 80 Fachausschüssen. An der Schwelle zwischen Forschung und Einführung in die Praxis ist die GMA Partner für Anwender, Hersteller und Wissenschaftler.

  • Ausschüsse, Kooperationen und Geschäftsstellen

Normung und StandardisierungBearbeiten

Die vom VDE getragene DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE (DKE) ist die Plattform für rund 9000 Experten und Expertinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zur Erarbeitung von Normen, Standards und Sicherheitsbestimmungen für die Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Normen unterstützen den weltweiten Handel und dienen u. a. der Sicherheit, Interoperabilität und Funktionalität von Produkten und Anlagen. Als Kompetenzzentrum für elektrotechnische Normung vertritt die DKE die Interessen der deutschen Wirtschaft in europäischen (CENELEC, ETSI) und internationalen Normenorganisationen (IEC). Darüber hinaus erbringt die DKE umfangreiche Dienstleistungen rund um die Normung und das VDE Vorschriftenwerk.

Netztechnik und -betriebBearbeiten

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) entwickelt die Stromnetze vorausschauend weiter. Ziel ist der jederzeit sichere Systembetrieb mit 80 Prozent erneuerbaren Energien. VDE FNN macht innovative Technologien praxistauglich und gibt Antworten auf netztechnische Herausforderungen von morgen. Hier arbeiten verschiedene Fachkreise mit unterschiedlichen Interessen gemeinsam an Lösungen. Mitglieder sind über 470 Hersteller, Netzbetreiber, Versorger, Anlagenbetreiber, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen.

 
Prüfzeichen des VDE

VDE InstitutBearbeiten

Seit über 100 Jahren gilt das VDE-Zeichen als Synonym für Sicherheit und Qualität von elektrotechnischen Geräten, Komponenten und Systemen. Das VDE Institut, eine Tochter der VDE Gruppe, ist weltweiter Partner für Industriekunden, den Handel, Behörden, das Elektrohandwerk und Verbraucher. Mehr als 100.000 Geräte pro Jahr unterziehen die unabhängigen Prüfingenieure des VDE Instituts Produkt-, Qualitäts- und Sicherheitstests, bevor sie das VDE-Zeichen erhalten. Die gemeinnützige VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH beschäftigt in Offenbach am Main mehr als 500 Mitarbeiter.

VDE RETCBearbeiten

RETC ist seit 2009 ein unabhängiges Prüflabor für Photovoltaik- und Batterieprodukte. RETC hat seinen Hauptsitz in Fremont (Kalifornien).

VDE RenewablesBearbeiten

Die VDE Renewables GmbH, eine Tochter der VDE Gruppe, bietet Dienstleistungen im Bereich der Qualitätssicherung im weBereich der erneuerbaren Energien an. Kernaufgaben der Gesellschaft mit Sitz in Alzenau sind die Qualitätsprüfung und -zertifizierung nach den Qualitätsstandards für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit. VDE Renewables kooperiert mit allen Strukturen der VDE Gruppe und verfügt über ein internationales Partnernetzwerk, zu dem führende Forschungsinstitute wie mehrere Fraunhofer Institute, aber auch Versicherungskonzerne zählen.

ÖffentlichkeitsarbeitBearbeiten

VDE VERLAGBearbeiten

Der VDE VERLAG, eine Tochter der VDE Gruppe, ist ein Fachverlag für Elektro- und Informationstechnik. Zu dem Portfolio gehören Fachbücher und Onlinemedien, Fachzeitschriften, Seminare sowie das VDE Vorschriftenwerk. Das Buchprogramm umfasst mehr als 650 lieferbare Titel, und jährlich kommen über 100 Neuerscheinungen hinzu. Der Zeitschriftenverlag publiziert 15 unterschiedliche Fachmedien für Elektrotechnik, Energiewirtschaft und -technik, Automatisierung und Digitalisierung in Print- und Online-Formaten. Mit der Eingliederung des Herbert Wichmann Verlags, der HEALTH-CARE-COM GmbH und dem Fachzeitschriften- und Fachbuchprogramm der EW Medien und Kongresse GmbH wurde das Spektrum thematisch um die Bereiche Geodäsie und Geoinformatik, Gesundheit sowie Energiewirtschaft erweitert. Hauptsitz des VDE VERLAGs ist Berlin mit einer Niederlassung in Offenbach am Main.

EW Medien und Kongresse GmbHBearbeiten

Die EW Medien und Kongresse GmbH (EW) konzipiert, organisiert und führt Präsenz- und Online-Veranstaltungen zu allen Themen der Energie- und Wasserwirtschaft durch. Als Veranstaltungsagentur unterstützt EW darüber hinaus Kunden bei der Durchführung eigener Events – von der Veranstaltungsidee bis zum Teilnehmermanagement. Gesellschafter der EW sind die VDE Verlags GmbH (VDEV) und der BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW). EW hat ein Büro in Berlin (Hauptsitz) und eins in Offenbach am Main. Alle Veranstaltungen der EW werden auf der Veranstaltungsplattform essociation.de präsentiert. Auf essociation werden die einzelnen Veranstaltermarken bdew akademie, bdew, EW Medien und Kongresse und VDE ACADEMY unter einer Dachmarke gebündelt.

Technik-ConsultingBearbeiten

Die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH ist ein führender Dienstleister, wenn es um Fragen zu Innovation und Technik geht. Er unterstützt und berät bei der Analyse komplexer Vorhaben oder Marktsituationen, bei der Förderung mit Forschungsprogrammen aus Bund, Ländern und EU.

Mehr als 700 Mitarbeiter arbeiten in multinationalen und interdisziplinären Teams an sechs Standorten in Deutschland (Berlin, München, Dresden, Bonn, Hannover und Stuttgart) zusammen.

NachwuchsförderungBearbeiten

Das VDE Young Net ist die Nachwuchs-Plattform des VDE. Mehr als 70 Hochschulgruppen in ganz Deutschland mit Studierenden diverser technischer Fachrichtungen sind im VDE Young Net aktiv.

Ein überregionales Netzwerk aus Young Professionals mit Fokus auf berufliche Vernetzung, Weiterbildung und fachlichen Austausch bildet das VDE Young Net ab. Gemeinsam mit dem BMBF führt der VDE Schüler- und Studentenwettbewerbe wie „INVENT a CHIP“ und „COSIMA“ durch, mit denen junge Menschen frühzeitig an Technik herangeführt werden sollen.

WeblinksBearbeiten

  • vde.com — Offizielle Website des VDE

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Berlin Kalender, 1998, Verlag Haude und Spener/Edition Luisenstadt, 1998, ISBN 3-7759-0417-4, S. 37.
  2. Walter Kaiser: Geschichte der Elektrotechnik. In: elektrotechnik.rwth-aachen.de. 16. Juli 2018, abgerufen am 13. Oktober 2021.
  3. Klaus-Peter Hoepke, Zur Entstehungsgeschichte der Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe (TH) (PDF, 192 kB).
  4. Keimzelle des VDE feiert 125-jähriges Jubiläum in Berlin / VDE-Studie: Berliner sind keine IT-Muffel / Sorge um Innovationen Made in Germany. In: presseportal.de. 21. Dezember 2004, abgerufen am 30. Oktober 2021.
  5. Maria Curter: Der Verband Deutscher Elektrotechniker wird gegründet. In: Berlin Kalender, 1998. Verlag Haude und Spener/Edition Luisenstadt, 1998, ISBN 3-7759-0417-4, S. 38/39.