Víctor Hugo Cárdenas

bolivianischer Politiker

Víctor Hugo Cárdenas Conde (* 4. Juni 1951 in der Provinz Ingavi) ist ein bolivianischer Politiker. Er gehört der indigenen Volksgruppe der Aymara an und amtierte von August 1993 bis August 1997 unter Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada als Vizepräsident des bolivianischen Staates. Als dieser war er der erste Angehöriger einer indigenen Volksgruppe, der das Amt innehatte. Der indigene Nachname seines Vaters war Choquehuanca, doch dieser ließ seinen Namen zum spanischen Namen seiner Frau ändern, um eine Universität besuchen zu können.[1][2] Cárdenas selbst studierte Linguistik.

Víctor Hugo Cárdenas

Politische KarriereBearbeiten

Während der Zeit seiner Vizepräsidentschaft gehörte er der Partei Movimiento Nacionalista Revolucionario an, ist inzwischen jedoch Mitglied von Unidad Cívica Solidaridad. Für diese Partei trat er auch bei den Präsidentschaftswahlen in Bolivien 2019 an, holte jedoch lediglich 25.283 bzw. 0,41 % der Wählerstimmen und wurde damit der achtplazierte von insgesamt neun Kandidaten.[3]

Wenige Tage vor der Wahl sprach er sich dafür aus, die Wahlen aufgrund der Unruhen im Land zu verschieben.[4] Als sein Vizepräsidentschaftskandidat bewarb sich Humberto Peinado, ein evangelikaler Pastor und Abtreibungsgegner. Cárdenas war bei der Wahl neben dem südkoreanischstämmigen Arzt Chi Hyun Chung einer von zwei evangelikalen Kandidaten. Beide wurden im Zuge der Wahl mit dem Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, verglichen. Cárdenas sprach sich gegen Feminismus sowie Rechte für Homosexuelle aus und schlug vor, um häusliche Gewalt zu verhindern, Frauen verstärkt zu bewaffnen.[5] Darüber hinaus gab er an, als erste Amtshandlung im Falle eines Wahlsieges den Schlachtruf der Streitkräfte BoliviensPatria o muerte (zu deutsch: Heimat oder Tod)“ abschaffen zu wollen, da dieser verstärkt von Präsident Evo Morales forciert wurde.[2] Cárdenas sprach im Zuge der Wahlen auch von den von ihm befürchteten Attacken auf die politische Opposition, wie es in Venezuela der Fall sei.[6] Die 2014 von Morales angestrebte Uhrenreform (Anordnung der Ziffern auf den Ziffernblättern gegen den Uhrzeigersinn, als Ausdruck der Dekolonisation) lehnte er ab und bezeichnete den Vorschlag als lächerlich.[7][8]

Cárdenas ist mit Lidia Catari verheiratet.[2]

WeblinksBearbeiten

Commons: Víctor Hugo Cárdenas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Intolerancia Política en Bolivia: La Expulsión de Víctor Hugo Cárdenas. Abgerufen am 27. Oktober 2019 (englisch).
  2. a b c «Creer que los aymaras somos la reserva moral y valemos más es discriminación». Abgerufen am 27. Oktober 2019 (spanisch).
  3. Al 99,99%, Morales logra en Bolivia una distancia de 10,56 puntos de Mesa y se descarta segunda vuelta. Abgerufen am 27. Oktober 2019 (spanisch).
  4. Red Uno: Víctor Hugo Cárdenas pidió que se suspendan las elecciones. Abgerufen am 27. Oktober 2019 (spanisch).
  5. Fernando Molina: El discurso de los pequeños ‘Bolsonaros bolivianos’. In: El País. 20. Oktober 2019, ISSN 1134-6582 (elpais.com [abgerufen am 27. Oktober 2019]).
  6. Nicholas Casey: Bolivia Tells President His Time Is Up. He Isn’t Listening. In: The New York Times. 28. Januar 2018, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 27. Oktober 2019]).
  7. Bolivian Government Turns Back Clock in Expression of 'De-colonization'. In: Haaretz. 26. Juni 2014 (haaretz.com [abgerufen am 27. Oktober 2019]).
  8. Bolivien dreht die Uhren auf links, Spiegel Online, 26. Juni 2014