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Tuberkulin

Mischung von Proteinen, die aus Bakterien gewonnen wird

Tuberkulin ist eine Mischung von gereinigten und selektierten Proteinen, die aus Bakterien (Mycobacterium tuberculosis) gewonnen wird. Als Diagnosemittel lässt sich damit bei Menschen, die bereits mit den entsprechenden Bakterien Kontakt hatten (und entsprechende Abwehrstoffe gebildet haben), eine Hautreaktion im Sinne einer delayed hypersensitivity („verzögerten Überempfindlichkeit“) auslösen (Tuberkulin-Test).

Alt-TuberkulinBearbeiten

Erste Varianten des Tuberkulins stammen von Robert Koch (1890), dem Entdecker des Tuberkelbazillus, der im von ihm 1890/91 publizierten Tuberkulin ein Heilmittel gegen Tuberkulose sah und es in großem Umfang testete, was zum „Tuberkulin-Skandal“ führte, da sein „Tuberkulin“ zwar als Diagnosemittel[1] brauchbar, aber als Heilmittel unwirksam war.[2] Das Alt-Tuberkulin nach Koch (tuberculinum Kochii) wurde aus auf Glycerinpeptonbouillon gezüchteten Mycobacterium-tuberculosis-Stämmen durch Eindampfung und Filtrierung gewonnen. Alt-Tuberkulin war bis 1970 im Handel und wurde noch bis zuletzt in der internen Kontrolle bei der 2004 eingestellten deutschen PPD-Tuberkulin-Herstellung genutzt (PPD: Purified Protein Derivate, aus „gereinigten Protein-Derivaten“).

PPD-TuberkulineBearbeiten

Die Inkonsistenz der Alt-Tuberkuline erforderte bereits früh eine Weiterentwicklung: Die Entwicklung des PPD-Tuberkulins geht auf die Arbeit Florence B. Seiberts in den USA ab 1926 zurück. Durch Ultrazentrifugation und selektive Ausfällungen erhöhte sich der Reinheitsgrad des Endprodukts. Eine Verbesserung des Verfahrens, die Hochreinigung, wurde 1939 durch die Anwendung von Ammoniumsulfat und verbesserter Filtertechnologie erzielt.

SensitineBearbeiten

Zur Abgrenzung von Infektionen mit atypischen Mycobakterien wurden die sogenannten Sensitine entwickelt. Die vom dänischen Statens Serum Institut („staatliches Serum-Institut“, SSI) in Kopenhagen entwickelten und hergestellten Sensitine enthalten PPD-Zubereitungen aus Mycobacterium bovis (RS 7) oder Mycobacterium avium (RS 10), Mycobacterium fortuitum (RS 20), Mycobacterium intracellulare (RS 23), Mycobacterium kansasii (RS 30), Mycobacterium scrofularum (RS 95) oder Mycobacterium marinum (RS 170).

LiteraturBearbeiten

  • Thomas Hirtl: Das Tuberkulin. Literas Universitätsverlag, Wien 2000, ISBN 3-85429-167-1.
  • Ulrike Holzgrabe, Siegfried Ebel, Margitta Albinus: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Hrsg.: Wolfgang Blaschek, Franz von Bruchhausen. Folgeband 5: Stoffe L–Z. Springer, Berlin 1999, ISBN 3-540-62646-8, S. 826 ff.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Flurin Condrau: Behandlung ohne Heilung. Zur sozialen Konstruktion des Behandlungserfolges bei Tuberkulose im frühen 20. Jahrhundert. In: Medizin, Gesellschaft und Geschichte. Band 19, 2000, S. 71–94, hier: S 87.
  2. Christoph Gradmann: Laboratory disease. Robert Koch’s medical bacteriology. Baltimore 2009, S. 95–103.
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