Trisannabrücke

Die Trisannabrücke (im Volksmund auch Wiesberg(er) Brücke) ist ein Kunstbauwerk der Arlbergbahn. Laut Eisenbahn-Historikern gilt sie als technische Meisterleistung und „Europabrücke“ des 19. Jahrhunderts.[1] Sie liegt an Bahnkilometer 80,3 zwischen den Bahnhöfen Pians und Strengen und nur knapp hinter der ehemaligen Haltestelle Wiesberg. Am östlichen Brückenkopf liegt Schloss Wiesberg. Es bietet dem Motiv Trisannabrücke den besonderen Reiz und lockt noch heute viele Fotografen.

Trisannabrücke mit ÖBB EC 662
Ursprungsausführung
"Wiesberger Brücke" mit Fischbauch
Trisannabrücke während des Baus

Das Bauwerk überspannt mit einer Länge von 230 m den Eingang des Paznauns auf einer Höhe von 87 m und quert dabei die Trisanna und die B188 Silvretta Straße. Außerdem befindet sich unterhalb der Brücke ein Wasserkraftwerk. Die Brücke weist seitlich drei beziehungsweise vier Steinbögen mit 9 m Stützweite auf und in der Mitte eine stählerne Stabbogenbrücke, die 120 m weit spannt.

UrsprungsausführungBearbeiten

1883 wurde die Brücke im Zuge des Arlbergbahnbaus erbaut. Die zu diesem Zweck installierte elektrische Beleuchtung war zu dieser Zeit eine Sensation. Der Baudirektor der Arlbergbahn, Julius Lott, beauftragte den Wiener Experten Ludwig Huss mit dem Brückenbau. Die technische Herausforderung an die Konstruktion von Huss lag in der Tragfähigkeit, die einem Güterzug mit vorgespannten Lokomotiven entsprechen musste. Bis zu 400 Personen arbeiteten an der Errichtung der Trisannabrücke. Nach einer Bauzeit von nur einem Jahr konnte die Brücke 1884 als weitest gespannte Eisenbahnbrücke Österreichs fertiggestellt werden.

Am 21. September 1884 konnte der Zugverkehr über die Brücke offiziell aufgenommen werden. Am Tag zuvor nahm Kaiser Franz Josef an der feierlichen Eröffnungsfahrt einer Dampflokomotive durch den Arlbergtunnel teil.[1]

VerstärkungBearbeiten

1908 wurde das Tragwerk der Trisannabrücke unter Berücksichtigung schwerer Güterzüge nachberechnet. Weiterhin wies Professor Leopold Örley aus Wien in einem Gutachten auf den „nicht tragfähigen Boden“ hin, sodass von 1911 bis 1916 die Hauptpfeiler und Gewölbe mit Zementmörtel-Injektionen stabilisiert wurden.[1] Steigende Achslasten führten auch dazu, dass die Trisannabrücke 1923 mit einem unten angeordneten sogenannten Fischbauchträger verstärkt werden musste.

NeukonstruktionBearbeiten

In der Nacht vom 15. auf den 16. November 1964 wurde das Stahltragwerk durch eine Neukonstruktion ersetzt. Auf beiden Seiten der Brücke wurde ein Hilfsgerüst aufgebaut. Auf dem Nordgerüst wurde daraufhin die neue Brücke gebaut, welche anschließend in nur 10 Stunden und 20 Minuten auf die Position der alten gedrückt wurde. Dabei wurde das alte Tragwerk auf das südseitige Hilfsgerüst geschoben. Das Verschieben der Brückentragwerke mit einem Gesamtgewicht von 1600 t sorgte für großes Aufsehen, weit über Österreichs Grenzen hinaus.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Trisannabrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Helmut Wenzel: Bahnbrücke ringt Experten noch heute Respekt ab. Hrsg.: ImstLokal - Nachrichten aus dem Bezirk Imst. 12. Januar 2019, S. 38.

Koordinaten: 47° 6′ 58,6″ N, 10° 29′ 31,3″ O