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Thea Schleusner

deutsche Malerin und Schriftstellerin
Thea Schleusner; Porträtfoto von Minya Diez-Dührkoop

Thea Schleusner (* 30. April 1879 in Wittenberg; † 14. Januar 1964 in Berlin) war eine deutsche Malerin, Illustratorin und Verfasserin von Essays und Reiseimpressionen.

Inhaltsverzeichnis

BiographieBearbeiten

Thea Schleusner, mit Vornamen eigentlich Dorothea, wurde als zweite Tochter des Archidiakonus an der Stadtkirche Wittenbergs Georg Schleusner und seiner Frau Elisabeth (geborene Palmie) am 30. April 1879 in Wittenberg geboren. Aufgewachsen im Haus am Kirchplatz 10, besuchte sie die Wittenberger Mädchenschule in der heutigen Jüdenstraße Wittenbergs. Im Alter von 19 Jahren fasste sie 1898 den Entschluss, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Vermutlich hatte dabei ihr Onkel, der bekannte Maler Charles Palmiè, einen wirksamen Einfluss auf sie ausgeübt.

In Berlin nahm sie dazu eine private Ausbildung bei den Professoren Curt Stoeving, Franz Scarbina und Reinhold Lepsius auf. Als Meisterschülerin der Vorgenannten wendete sie sich nach Paris. Bei diesem zweijährigen Studienaufenthalt wirkte sie an der Pariser Académie Colarossi unter Pinet und Toures und an der Academie Moderne bei Carière. Von ihrer Wohnung im Kloster Sacre Coeur nahm sie Verbindung zu Auguste Rodin, André Gide und Rainer Maria Rilke auf. Im Pariser Louvre ist Thea Schleusner nicht vertreten, wie seit Jahren behauptet wird, sondern im Pariser Musée d’Orsay mit dem Bild "Paysage à la fontaine" von 1910[1].

Eine weitere Studienreise führte sie nach Florenz, Rom und Siena in Italien wo sie Kopien alter Meister anfertigte. Danach reiste sie nach London in England und bekam 1901 -- nach der Rückkehr von ihrer Studienreise -- ein eigenes Schüleratelier. Von 1906 bis 1931 war sie Mitglied des Vereins der Berliner Künstlerinnen und fertigte ab jener Zeit Porträts berühmter Persönlichkeiten der damaligen Zeit wie Ricarda Huch, Albert Einstein, Mary Wigman, Emil Nolde und Friedrich Nietzsche.

Des Weiteren schlossen sich Buchillustrationen an für Tegnérs Fritjofsage, für Billy Wilders Märchen, für Annette von Droste-Hülshoffs Gedichte und Richard Strauss' Salome. Später ging sie zur Glasmalerei für Privatwohnungen und Kirchen über, die in ihrer Farbenglut einmalig waren. Ausstellungen, wie jene im Deutschen Lyceumclub, im Verein Berliner Künstlerinnen und die Ausstellung „Kriegsvisionen“ sowie die handkolorierte Lithographie „Geschichte-Zyklus“ aus dem Jahr 1927 runden das malerische Schaffen der Künstlerin ab.

In den 1920er Jahren begann Thea Schleusner, sich auch schriftstellerisch zu betätigen. Vor allem während ihres längeren Aufenthalts in Schweden 1920 sowie während ihrer Reise nach Indien 1931 und nach Italien 1909 sammelte sie viele Reiseeindrücke, die sie sowohl literarisch als auch künstlerisch auswertete, beispielsweise in dem illustrierten Reisebericht Frühlingstage auf Sizilien, erschienen im 2. Band von Velhagen & Klasings Monatsheften, 40. Jahrgang 1925/1926.

Thea Schleusner gehört als Malerin zur so genannten Verschollenen Generation. Damit wird eine Gruppe von etwa dreißig Künstlern und Künstlerinnen, vorwiegend Expressionisten, bezeichnet, welche vor oder zwischen den beiden Weltkriegen zwar ein Studium absolvierten und auch schon die ersten Erfolge in ihrer künstlerischen Laufbahn verzeichnen konnten, ihr Schaffen aber durch die Maßnahmen des Dritten Reiches und den Zweiten Weltkrieg unterbrechen mussten. Einige der Werke wurden als „entartet“ bezeichnet, einige Künstler verfolgt oder interniert und manche verloren im Zweiten Weltkrieg viele ihrer Werke. Zur Verschollenen Generation gehören auch die Künstler Hans Brass, Edvard Frank, Ivo Hauptmann und Adolf Klingshirn.

Auch Thea Schleusner, deren Werke zu einem großen Teil in einer Bombennacht des Zweiten Weltkriegs vernichtet wurden, setzte ihre künstlerische Arbeit nach 1945 wieder fort. Die allgemeine Hinwendung zur abstrakten Kunst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ließ sie, die mit ihren Werken den Expressionismus weiterentwickelt hatte, dann fast in Vergessenheit geraten.

Inzwischen erfahren die Künstler der Verschollenen Generation, darunter besonders Thea Schleusner, wieder Interesse und die verdiente Anerkennung für ihr herausragendes künstlerisches Schaffen. Um die Wertschätzung der Künstlerin Thea Schleusner und deren künstlerisches Erbe bemüht sich seit 2017 der aus Wittenberg stammende Berliner Fachjournalist und Sachbuchautor Mathias Tietke. Er hat bereits zwei kleine Ausstellungen mit Bildern von Thea Schleusner kuratiert und in seinem Buch "Wittenberg. Alles außer Luther"[2] der Künstlerin einen mehrseitigen Abschnitt gewidmet.

ŒuvreBearbeiten

Ihre frühen Werke wurden zum größten Teil bei den Bombenangriffen auf Berlin im Zweiten Weltkrieg zerstört.

  • "Porträt des Indologen Prof. Dr. Albrecht Weber", 1902, Akademie der Wissenschaften Berlin
  • "Selbstporträt", 1905, Privatsammlung, Berlin
  • "Beweinung Christi nach Botticelli", 1909, Sammlung Mathias Tietke, Berlin
  • "Paysage à la fontaine", 1910, Musée d'Orsay Paris
  • "Bildnis Emil Nolde", 1916, Kunsthalle Kiel
  • "Der 9te November 1918" und weitere 29 frühe Werke im Stadtgeschichtlichen Museum der Lutherstadt Wittenberg
  • „Blutbuchen“ 1930, Sammlung Rolf Schwarze, NRW
  • „Porträt Georg Schleusner“, 1936, Schleusnerstift Lutherstadt Wittenberg
  • „Die Weltenharfe“, Zyklus „Musikalische Compositionen“ 1948, Sammlung Rolf Schwarze, NRW

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. musee-orsay.fr
  2. Wittenberg. Alles außer Luther.Landschaft, Architektur, Technik, Kunst. Mitteldeutscher Verlag 2018, ISBN 978-3-95462-895-7, S. 178–183