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Tambourmajor als Stabführer einer Musikkapelle in Wien (2006)
Tambourmajor (Mitte)
Gunnery Sergeant Benjamin Becker als Drum Major der US-Navy-Band auf dem Roten Platz (2010)
Tambourmajor und Zentrale Militärkapelle des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation (2014)

Ein Tambourmajor (französisch tambour-major, englisch drum major), auch Korpsführer genannt, führt in einem Spielmannszug die Musiker (das „Tambourkorps“) an.[1] Er schreitet bei Umzügen mit gemäßigtem Schritt voran und dirigiert als Stabführer die Musiker, indem er mit einem langen geschmückten Tambourstab – auch kurz Stab oder Küs genannt – weit ausholende Bewegungen vollführt. Auch bei Karnevals- oder Schützenumzügen werden die Trommler (Tambouren) und gegebenenfalls weitere Musiker von einem Tambourmajor dirigiert. Der Begriff stammt aus dem Bereich der Militärmusik.

Wortherkunft und GeschichteBearbeiten

Der Begriff setzt sich zusammen aus französisch tambour („Trommel“ oder „Trommler“) und Major. Ein Tambourmajor ist im Wortsinn der Vorgesetzte der Trommler. Die Bezeichnung als Major ist insofern irreführend, als es sich nicht um den militärischen Rang eines Majors handelt, der zu den Stabsoffizieren zählt. Das Amt des Tambourmajors wurde von einem Unteroffizier ausgeübt,[2] also von einem niedrigeren Dienstgrad.

Vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit war der Tambourmajor der Anführer der Trommler, die den Armeen auf dem Schlachtfeld oder bei Paraden vorausmarschierten. Ursprünglich dirigierte ein Fähnrich die Trommler mit seiner Fahne. Später dirigierte der Tambourmajor mit einem etwa hüfthohen Stab.

Der Tambourmajor in der LiteraturBearbeiten

Der Tambourmajor spielt eine Schlüsselrolle im Drama Woyzeck von Georg Büchner. Dort ist er der Nebenbuhler des Protagonisten Woyzeck und hat eine Affäre mit dessen Freundin Marie, was später zu einem tragischen Mord führt. Der Tambourmajor wird im Werk als eine stolze, kräftige Erscheinung beschrieben.

Die titelgebende Figur im Prosawerk Ideen. Das Buch Le Grand von Büchners Zeitgenosse Heinrich Heine ist ein französischer Tambourmajor. Auf diese greift er später auch in dem Gedicht Der Tambourmajor zurück.[3]

In Lulu von Strauß und Torneys Ballade Tambour Leroi heuert der totgeglaubte französische Dauphin im Ersten Koalitionskrieg als Trommler in der österreichischen Armee an.

LiteraturBearbeiten

  • Walter Transfeldt: Wort und Brauch in Heer und Flotte. 9., überarbeitete und erweiterte Auflage. Spemann, Stuttgart 1986, ISBN 3-440-81060-7.
  • Reinhold Müller, Manfred Lachmann: Spielmann, Trompeter, Hoboist. Aus der Geschichte der deutschen Militärmusiker. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin (Ost) 1988, ISBN 3-327-00852-3.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Tambourmajor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Tambourmajor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Duden online: Tambourmajor
  2. Der Tambourmajor altbasel.ch
  3. Heinrich Heine: Der Tambourmajor