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Stiftung Familienunternehmen
Zweck: Interessenvertretung und Forschungsförderung
Vorsitz: Brun-Hagen Hennerkes, Rainer Kirchdörfer
Geschäftsführung: Stefan Heidbreder
Bestehen: seit 2002
Sitz: München
Website: www.familienunternehmen.de

Die Stiftung Familienunternehmen ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in München. Sie unterhält zwischen dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor in Berlin das „Haus des Familienunternehmens“.[1] Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Bedeutung und Leistung dieser Unternehmen in Deutschland im öffentlichen Bewusstsein zu verankern und fördert die Forschungsarbeit im Feld der Familienunternehmen, veröffentlicht jährlich mehrere wissenschaftliche Studien und sieht sich selbst als Ansprechpartner für Politik und Medien.

Geschichte und AufbauBearbeiten

Der Rechtsanwalt Brun-Hagen Hennerkes gründete die Stiftung 2002. Hennerkes ist Mitglied in Aufsichtsgremien zahlreicher Familienunternehmen und gehört dem Vorstand der Stiftung an. Ein Kuratorium aus 38 Mitgliedern, in erster Linie Gesellschafter führender Familienunternehmen, überwacht die Stiftungsarbeit. Dem Kuratorium gehören u. a. folgende Personen an: Simone Bagel-Trah, Karl Friedrich von Hohenzollern, Detlef Prinz, Nicola Leibinger-Kammüller, Wilhelm Freiherr von Haller, Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell und Hans-Peter Friedrich. Außerdem existiert ein wissenschaftlicher Beirat.

Ziele und ArbeitBearbeiten

Hennerkes vertritt die Überzeugung, es mangle in Deutschland an einem angemessenen Bewusstsein für die Bedeutung und den besonderen Charakter von Familienunternehmen – und dies obwohl Familienunternehmen rund 58 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland stellten und mehr als die Hälfte des Umsatzes der deutschen Wirtschaft generierten.[2] Trotzdem seien immer wieder wichtige Gesetze vorrangig an den Regeln und Interessen börsennotierter Konzerne im Streubesitz orientiert.[3] In den letzten Jahren sei es der Stiftung aber gelungen, die Bedeutung der Familienunternehmen in Medien und Politik stärker zu verankern.[4] In Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Zeitung hat die Stiftung das sogenannte „Hauptstadtgespräch“ ins Leben gerufen. Dies fand zwischen 2012 und 2014 statt. Jährlich veranstaltet die Stiftung in Berlin zudem einen „Tag des deutschen Familienunternehmens“. 2016 redeten dort Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Frank-Walter Steinmeier, seinerzeit Außenminister. In den Vorjahren waren u. a. der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder und der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück zu Gast. Regelmäßig richtet die Stiftung mit dem Entrepreneurs-Club an verschiedenen Orten Deutschlands Karrieretage aus, auf denen junge Fach- und Führungskräfte auf Unternehmer und ihre Personalchefs treffen.[5] Einer der Schwerpunkte der Stiftung ist die Förderung der wissenschaftlichen Forschung über Familienunternehmen. Sie unterstützt z. B. das Wittener Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke[6], das Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen an der Zeppelin Universität[7] und die Forschungsstelle für Familienunternehmen an der Universität Bayreuth sowie das Institut für Familienunternehmen – Ostwestfalen-Lippe (iFUn).[8]

Bekannt wurde die Stiftung insbesondere durch ihren vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erarbeiteten Länderindex[9], für den die Standortqualität für Familienunternehmen in 18 OECD-Ländern geprüft wird. Regelmäßig lässt die Stiftung „die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“ ermitteln, u. a. hat das ifo Institut erstmals den Beitrag der Familienunternehmen zum Ertragsteueraufkommen geschätzt.[10]

Als Beispiel für die mangelhafte Berücksichtigung der Bedürfnisse der Familienunternehmen wertet die Stiftung die Einführung der internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS. Dieser bevorzuge die am angloamerikanischen Bilanzrecht orientierten Großkonzerne.

Eine weitere Studie des ifo Instituts hat die Entwicklung der Einkommensungleichheit in Deutschland untersucht. Deren Ergebnisse wurden in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ kontrovers diskutiert zwischen Marcel Fratzscher, Präsident des DIW, und Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, sowie Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

KritikBearbeiten

In der Presse wurde die Frage aufgeworfen, inwieweit sich der Status der Gemeinnützigkeit mit der Lobbyarbeit für geringere Steuern bzw. die Aufrechterhaltung von Steuervorteilen bei der Erbschaftsteuer verträgt.[11]

In September 2017 berichtete der Journalist Rico Grimm im Online-Magazin Krautreporter über die Beeinflussung von Politikern durch die Stiftung im Rahmen der Novellierung des Erbschaftssteuerrechts 2016.[12]

LobbyControl beschreibt die Stiftung als sehr intransparent. Im Gegensatz zur Selbstdarstellung deutet laut LobbyControl vieles "darauf hin, dass es vor allem die Reichen und Superreichen sind, die sich [in der Stiftung Familienunternehmen] organisiert haben." Zum Beispiel sitzen im Kuratorium kaum Vertreter mittelständischer Unternehmen, sondern Superreiche.[13]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jan Dams: "Verteilungsgerechtigkeit": Lammert fordert höhere Steuern für Spitzenverdiener. In: welt.de. 8. März 2012, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  2. https://www.familienunternehmen.de/media/public/pdf/publikationen-studien/studien/Die-volkswirtschaftliche-Bedeutung-der-Familienunternehmen-2019_Stiftung_Familienunternehmen.pdf Stiftung Familienunternehmen (Hrsg.), ZEW, ifm Mannheim (2019), "Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen" abgerufen am 3. Mai 2019
  3. Brun-Hagen Hennerkes, Die Familie und ihr Unternehmen, Frankfurt/M. 2004
  4. Lars Schatilow (Zeppelin University), Strategie oder Zufall: Kommunikation mit der Politik, in Equa-Stiftung (Hg.) Gesellschafterkompetenz, Bonn 2011
  5. http://www.jobmesse-radar.de/messen/karrieretag-familienunternehmen, abgerufen am 21. Dezember 2012
  6. Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) an der Universität Witten / Herdecke, abgerufen am 2. Februar 2018
  7. Zeppelin Universität Friedrichshafen, abgerufen am 2. Februar 2018
  8. Universität Bielefeld, abgerufen am 2. Februar 2018
  9. Länderindex Familienunternehmen, 6. Auflage, München 2017, abgerufen am 2. Februar 2018
  10. Der Beitrag der Familienunternehmen zum Steueraufkommen in Deutschland. Entwicklung der Steuern von Einkommen und Ertrag, abgerufen am 2. Februar 2018
  11. Stiftungen: Ein gemeiner Nutzen. Bonner General-Anzeiger. Abgerufen am 6. September 2015.
  12. Wie reiche Familien die Erbschaftsdebatte manipulieren. Krautreporter, 21. September 2017, abgerufen am 24. September 2017.
  13. Christina Deckwirth: Erbschaftssteuer: Wer sind die Lobbyisten der Reichen? LobbyControl, 21. September 2016, abgerufen am 28. August 2019 (deutsch).