Stadtpfarrkirche St. Nikolaus (Bad Ischl)

Kirchengebäude in Bad Ischl
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Die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus ist die römisch-katholische Stadtpfarrkirche der Diözese Linz in der Stadt Bad Ischl. Die Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Bad Ischl.[1]

Chor
Innenansicht

GeschichteBearbeiten

Die älteste urkundliche Erwähnung einer Kirch zu Ischl findet sich 1320. Sie wurde durch den Bischof der Diözese Passau wieder geweiht, sie muss also bereits vorher bestanden haben. Gemäß einer Urkunde von 1344 mussten alle mit Salz beladenen Schiffe, welche den Ort Lauffen bei Ischl passierten, an die Chürchen ze Sand Niclas ze Ischl eine Abgabe entrichten. Der Fluss Traun war zu dieser Zeit eine wichtige Wasserstraße für die Binnenschifffahrt. Die ehemalige Kirche erstreckte sich vom (heute noch existierenden) Turm nach Osten (zur heutigen Sakristei). Auf dem Platz der aktuellen Kirche war der Friedhof angeordnet.[2]

Bad Ischl war ursprünglich ein Teil der Pfarre Bad Goisern und St. Nikolaus daher eine Filialkirche. Als sich die Reformation auch im Salzkammergut ausbreitete und Goisern evangelisch wurde, kam es mit der Pfarrerhebung am 26. Mai 1554 durch Bischof Wolfgang von Passau zur Schaffung der selbständigen Pfarrgemeinde Ischl. Das Recht, dem Bischof einen Priester als Pfarrer vorzuschlagen, besaß die Äbtissin vom Kloster Traunkirchen. Als das Frauenkloster 1573 aufgelöst wurde, übergab der Bischof dieses Präsentationsrecht dem höchsten Beamten im Salzkammergut, dem Salzamtmann von Gmunden. Ab 1577 bis zur Rekatholisierung im Jahr 1600 waren die Pfarrer an der Nikolauskirche evangelisch-lutherisch. Im Zuge der Gegenreformation erhielten von 1622 bis zu ihrer Aufhebung 1773 die Jesuiten das Vorschlagsrecht für die Pfarrbesetzung.[2]

1769/70 wurde die alte Kirche abgerissen, nur der gotische Turm von 1490 blieb bestehen.[3] Zwischen 1771 und 1780 erfolgte die Schaffung des heutigen Sakralbaus. Gegenüber, wo heute eine Bankfiliale steht, befand sich während der Bauzeit eine Notkirche. Den Grundstein legte am 1. Mai 1771 der Abt von Lambach Amandus Schickmayr. Kaiserin Maria Theresia als Herrin des Salzkammerguts, dotierte das Bauprojekt mit 30.000 österreichische Gulden. Die Gesamtbaukosten dürften etwas über 40.000 Gulden betragen haben. Die Weihe zu Ehren des hl. Nikolaus führte am 17. September 1780 Bischof Thomas Johann von Thun und Hohenstein durch. Die Turmuhr wurde 1797 eingesetzt.[2]

Ab den 1820er Jahren wurde Bad Ischl zum vielbesuchten Kur- und Badeort der Hocharistokratie, dadurch fanden sich Spender und Gönner für neue Altäre und kunstvolle Wandmalereien.[2]

Da der Kaiser von Österreich Franz Joseph I. ab 1854 alle Sommer in seiner Kaiservilla verbrachte und dabei jeden Sonntag die 7-Uhr-Messe besuchte, bekam die Nikolauskirche das Prädikat k.k. Hofpfarrkirche verliehen. Die Pfarrer Franz Weinmayr (Amtszeit 1870–1911) und Franz Stadler (Dienstzeit 1911–1936) erhielten von Rom den Titel Päpstlicher Hausprälat, da der Prälat der „niedrigste“ Kirchenrang war, welcher gemäß dem spanischen Hofzeremoniell zur kaiserlichen Tafel zugelassen war.[2]

Zwischen 1874 und 1880 erfolgte eine große Renovierung und Umgestaltung des Kircheninneren. Der Abschluss der umfangreichen Ausgestaltung wurde zum 50. Geburtstag des Kaisers, am 18. August 1880 feierlich begangen. Die 1888 errichtete Orgel wurde zum 80. Kaisergeburtstag (1910) erweitert. Sie ist auch heute noch einer der größten Orgeln in Österreich und die zweitgrößte Orgel in Oberösterreich.[2]

Nachdem in beiden Weltkriegen die Glocken eingefordert wurden, konnte am Christkönigsfest 1948 das C-Moll-Geläute eingeweiht werden. Die 6 Glocken im Ischler Kirchturm (c, es, f, g, b, c) stammen aus der Glockengießerei St. Florian.

Kirchenpatron der Stadtpfarrkirche Bad Ischl ist der hl. Nikolaus. Er wurde als Helfer für Wanderer und Schiffsleute verehrt. Entlang der alten Salzschifffahrtsroute auf der Traun und auch entlang der Donau gibt es etliche weitere Pfarrkirchen, welche den hl. Nikolaus als Patron erwählten.[2]

KirchenbauBearbeiten

Die Größenausmaße der Stadtpfarrkirche Bad Ischl sind: Gesamtlänge 52 Meter, Breite 22 Meter, Kuppelhöhe 20 Meter, Fassungsvermögen für 3.000 Personen, Turmhöhe 72 Meter. Der Außenbereich der Kirche zeigt die einfache Form des Klassizismus. Die an der Außenwand befindliche Statue des Kirchenpatrons trägt die Jahreszahl „1769“. Der riesige schwarze Doppeladler und die lateinische Inschrift über dem Hauptportal (auf Deutsch übersetzt: „Aus Frömmigkeit und Freigiebigkeit der Kaiserin“) geben einen Hinweis auf die maßgebliche Geldgeberin, Kaiserin Maria Theresia.[4]

Die vier Gewölbegürtel, welche auf mächtigen Wandpfeilern ruhen, teilen die Kirche in vier Joche. In das erste Joch beim Haupteingang ist die Empore mit der Orgel eingestellt. Der Altarraum ist von einem Gurtbogen vom Kirchenschiff getrennt und schließt halbkreisförmig. Das große einschiffige und vierjochige Langhaus ist ringtonnengewölbt, der eingezogene einjochige Chor besitzt einen 3/8-Schluss. Der gotische Turm im südlichen Chorwinkel besitzt einen gedrehten achteckigen Spitzhelm.[5]

AusstattungBearbeiten

 
Hochaltar

Die Gewölbefelder, die Gurte, die Fensterleibungen und die seitlichen Wandflächen sind mit Fresken ausgestattet. Von 1874 bis zu seinem Tod 1881 erarbeitete der Kirchenmaler Georg Mader die Fresken. Ein paar Details waren bei seinem Ableben noch nicht fertig, diese vollendeten im Jahr 1882 Albert von Felsenburg und Franz Rubensteiner. Die Ornamente zwischen den Bildern sind von Joseph Thurner. Die Bilder sind charakteristisch für das 19. Jahrhundert und sind der Kunst der Nazarener zuzuordnen.[6]

Die Bilder in der Kirche sind aufeinander abgestimmt und ergeben ein theologisches Programm. Das 1. Joch (über der Musikempore) zeigt Bildnisse der Propheten des Alten Bundes. Das 2. Joch hat als Thema Glaube, das 3. Joch Hoffnung und das 4. Joch Liebe. Neben Motiven der hl. Schrift und aus Heiligengeschichten finden sich auch sechs Szenen aus dem Leben des hl. Nikolaus. Das große Bild der Kommunion war die letzte Arbeit von Georg Mader. Im Altarraum finden sich des Weiteren Bilder der vier Evangelisten und die Darstellung der Sakramente in Lebensbildern. Beim Bild Krankenölung empfängt Erzherzog Franz Carl das Sakrament, dahinter stehen sein Sohn Kaiser Franz Joseph und dessen Frau Elisabeth.[6]

Hinter dem Hochaltar sind drei Glasmosaike, die Erzengel Gabriel, Michael und Raphael. Das Bild über dem Hochaltar ist dem hl. Nikolaus gewidmet. Das Werk wurde 1850 von Erzherzog Ludwig in Auftrag gegeben. Das Bild zum linken Seitenaltar (Dreifaltigkeitsaltar) hat ebenfalls Erzherzog Ludwig 1851 beauftragt, das Bild zum rechten Seitenaltar (Marienaltar) finanzierte Erzherzog Franz Carl 1854. Alle drei Bilder stammen von Leopold Kupelwieser.[6]

Am 16. September 1878 wurde mit der Errichtung des neuen Hochaltars nach einem Entwurf des Architekten Michel begonnen. Der weiße Sandstein ist aus Ungarn, die Mensa aus Marmor von der Ischler Burgruine Wildenstein. Für den kostbaren Tabernakel soll Herzog Philipp la Notiere Ferrari maßgeblich gespendet haben. Die beiden silbernen Tabernakeltüren wurden von einem Ischler Goldschmied geliefert. Die weißen Füllungen am Hochaltar sind aus ägyptischen Marmor und ein Geschenk des jüngsten Kaiserbruders Erzherzog Ludwig Viktor von Österreich. Das Material für die Ischler Kirche und für die Wiener Votivkirche wurden aus dem gleichen großen ägyptischen Block entnommen.[7]

Die Kreuzwegstationen im Kircheninneren schuf der aus Meran stammende Bildhauer Sebastian Steiner im Jahr 1895. An drei verdiente Pfarrherren erinnern Gedenktafeln.[6]

OrgelBearbeiten

 
Matthäus-Mauracher-Orgel; 1888

Den ältesten Hinweis auf eine Orgel liefert eine Rechnung über 300 fl. aus dem Jahre 1701, die für eine Reparatur der Orgel gestellt wurde. 1722 schuf Johann Christoph Egedacher ein neues Instrument für 734 fl. 47 xr., das später in die 1780 neu errichtete Kirche übernommen wurde. Der Styrer Orgelbauer Simon Anton Hötzel nahm 1825 eine vollständige […] Umarbeitung und Verbesserung der Orgel im löblichen Gotteshause zu Ischl“ vor, sie hatte dann 17 Register auf zwei Manualen und Pedal.[8]

Die heutige Orgel war 1888 von Matthäus Mauracher errichtet worden, aber anlässlich des 80. Geburtstages des österr. Kaisers wurde sie zwischen 1908 und 1910 erweitert und erhielt den Beinamen Kaiser-Jubiläums-Orgel. Wegen ihrer elektropneumatischen Traktur galt sie vom orgelbautechnischen Standpunkt aus als beste Orgel der Monarchie. Auf der davor noch teils mit Barkerhebeln, teils mit pneumatischer Traktur versehenen Orgel hatte regelmäßig der österr. Komponist Anton Bruckner gespielt, z. B. am 31. Juli 1890, bei der Hochzeit der mit ihm befreundeten Kaisertochter Marie Valerie.[9]

Das Instrument verfügt über 60 Register auf drei Manualen und Pedal und ist damit eine der größten Orgeln des Landes. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektropneumatisch. Das Instrument ist mit einer elektronischen Setzeranlage ausgestattet. Zur Orgel gehörte auch ein Fernwerk, welches sich auf der Mitte der Kirche auf dem Dachboden befand, sich aber nicht erhalten hat. Im Spieltisch ist das Fernwerk angelegt, aber bislang noch nicht realisiert.[10]

I Hauptwerk C–c4
1. Principal 16′
2. Bordun 16′
3. Principal 8′
4. Viola baritona 8′
5. Doppelflöte 8′
6. Gedackt 8′
7. Quintatön 8′
8. Gemshorn 8′
9. Nassat 513
10. Octave 4′
11. Fugara 4′
12. Rohrflöte 4′
13. Quinte 223
14. Octavin 2′
15. Mixtur V 223
16. Fagott 16′
17. Trompete 8′
18. Trompete 4′
II Positiv C–c4
19. Lieblich Gedackt 16′
20. Flötenprincipal 8′
21. Gamba 8′
22. Salicional 8′
23. Philomela 8′
24. Lieblich Gedackt 8′
25. Octave 4′
26. Dolceflöte 4′
27. Geigen Prästant 4′
28. Flautino 2′
29. Quintflöte 223
30. Septime 217
31. Terz 135
32. Mixtur III 2′
33. Cornett V 8′
34. Klarinette 8′
35. Tuba mirabilis 8′
III Schwellwerk C–c4
36. Salizet 16′
37. Geigenprincipal 8′
38. Dolceflöte 8′
39. Aeoline 8′
40. Vox coelestis 8′
41. Konzertflöte 8′
42. Unda maris 8′
43. Traversflöte 4′
44. Dolciana 4′
45. Harmonia aeth. IV 223
46. Oboe 8′


III Fernwerk C–c4
Vox angelica 8′
Äolsharfe 8′
Fernflöte 8′
Viola 4′
Piccolo 2′
Vox humana 8′
Pedal C–c4
47. Kontrabaß 32′
48. Principalbaß 16′
49. Violon 16′
50. Subbaß 16′
51. Stillgedacktbaß 16′
52. Quintbaß 1023
53. Octavbaß 8′
54. Baßflöte 8′
55. Gedecktbaß 8′
56. Cello 8′
57. Pedal-Cornett III 8′
58. Octave 4′
59. Posaune 16′
60. Trompete 8′
  • Koppeln: I/I (Superoktavkoppel), II/I (auch als Sub- und Superoktavkoppel), III/I, III/II (auch als Superoktavkoppel), III/III (Superoktavkoppel), I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: Feste Kombinationen (p, mf, f, ff, pleno), Absteller, Freie Kombinationen

LiteraturBearbeiten

  • Ischler Heimatverein (Hrsg.): Bad Ischl Heimatbuch 2004. Rudolf Wimmer Verlag, Bad Ischl 2004, ISBN 3-900998-70-1.
  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch Oberösterreich. 3. Auflage. Anton Schroll & Co, Wien 1958.
  • Johann Hammerl (Hrsg.): Kaiserjubiläumsorgel Bad Ischl [Festschrift zur Orgelweihe 1993], Gmunden 1993.
  • Leo Reiter: Aus der Geschichte der Ischler Orgeln. In: Johann Hammerl (Hrsg.): Kaiserjubiläumsorgel Bad Ischl [Festschrift zur Orgelweihe 1993], Gmunden 1993, S. 7–10.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dekanat Bad Ischl/Dekanatshomepage@1@2Vorlage:Toter Link/dioezese-linzold.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Homepage der Diözese Linz, abgerufen am 6. September 2014
  2. a b c d e f g Katholisches Stadtpfarramt Bad Ischl (Hrsg.): Kirchenführer Pfarrkirche zum hl. Nikolaus in Bad Ischl. Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 182. 6. Auflage. St. Peter, Salzburg 2013, S. 1–6.
  3. Ischler Heimatverein (Hrsg.): Bad Ischl Heimatbuch 2004. Rudolf Wimmer Verlag, Bad Ischl 2004, ISBN 3-900998-70-1, S. 548.
  4. Ischler Heimatverein (Hrsg.): Bad Ischl Heimatbuch 2004. Rudolf Wimmer Verlag, Bad Ischl 2004, ISBN 3-900998-70-1, S. 563.
  5. Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch Oberösterreich. 3. Auflage. Anton Schroll & Co, Wien 1958, S. 35.
  6. a b c d Katholisches Stadtpfarramt Bad Ischl (Hrsg.): Kirchenführer Pfarrkirche zum hl. Nikolaus in Bad Ischl. Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 182. 6. Auflage. St. Peter, Salzburg 2013, S. 7–15.
  7. Ischler Heimatverein (Hrsg.): Bad Ischl Heimatbuch 2004. Rudolf Wimmer Verlag, Bad Ischl 2004, ISBN 3-900998-70-1, S. 570.
  8. Leo Reiter: Aus der Geschichte der Ischler Orgeln. In: Johann Hammerl (Hrsg.): Kaiserjubiläumsorgel Bad Ischl [Festschrift zur Orgelweihe 1993], Gmunden 1993, S. 7.
  9. Informationen zur Geschichte der Orgel
  10. Informationen zur Orgel

WeblinksBearbeiten

Commons: Stadtpfarrkirche (Bad Ischl) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 42′ 42″ N, 13° 37′ 23″ O