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Das Gebäude des Stadtarchivs Leipzig (2016)

Das Stadtarchiv Leipzig dokumentiert die Geschichte Leipzigs mit Belegen seit dem Mittelalter in Form von Urkunden, Akten, Geschäftsbüchern, Zeitungen und Druckschriften, Karten und Plänen sowie Fotos und Postkarten. Es zählt mit seinen Beständen zu den bedeutendsten kommunalen Archiven in Deutschland.[1] Zu seinen Aufgaben gehört auch das Führen der Stadtchronik.

Inhaltsverzeichnis

Lage und EinrichtungBearbeiten

Das Gebäude des Stadtarchivs befindet sich seit 1994 im Osten Leipzigs im Ortsteil Volkmarsdorf, Torgauer Straße 74. Es gehörte bis 1992/93 zur GalvanoTechnik Leipzig GmbH, die nach der Privatisierung 1990 aus dem VEB Galvanotechnik Leipzig hervorgegangen war. Der VEB war durch die Verstaatlichung der seit 1889 hier ansässigen Langbein-Pfanhauser Werke entstanden.

 
Der Lesesaal in der vierten Etage (2016)

In dem für Archivzwecke rekonstruierten Gebäude werden vier Etagen und das Untergeschoss vom Archiv genutzt, während im Erdgeschoss ein Discounter untergebracht ist. Das Stadtarchiv verfügt neben 8000 m² Magazinfläche über einen Vortrags- und einen Seminarraum sowie über zwei Ausstellungsfoyers. Der Lesesaal bietet 36 Arbeitsplätze, acht Lese- und Rückvergrößerungsgeräte sowie zwei Kartentische. Eine moderne Fahrregalanlage ermöglicht eine effektive Ausnutzung der Lagerräume. Zum Archiv gehört eine Buchbinde- und Restaurierungswerkstatt. Die Bildstelle setzt moderne Geräte zur Anfertigung von Kopien für die Benutzer ein.

Wegen Platzmangels ist für die nächsten Jahre ein Umzug in die Halle 12 des Alten Messegeländes vorgesehen. Am 28. November 2016 erfolgte die Grundsteinlegung zum Umbau.[2] 2019 soll das Stadtarchiv im neuen Gebäude eröffnet werden.[3] Mit Stand Januar 2019 verzögert sich der Umzug jedoch[veraltet].

GeschichteBearbeiten

Als erster Vorläufer des Stadtarchivs kann die 1483 unter der Ratsstube angelegte Geheimkammer zur Aufbewahrung von Urkunden, später Aerarium genannt, angesehen werden. 1721 besaß die Ratsverwaltung 15 „Stuben“ genannte Abteilungen mit jeweils eigenen Aufbewahrungsräumen („Beikammern“). Für 1819 bis 1822 wird von einer Neuordnung des nunmehr offenbar zentralen Hauptarchivs durch den Stadtschreiber Heimbach berichtet.

1879 bis 1881 wurden Teile der Bestände des Ratsarchivs in das Untergeschoss des Museums der bildenden Künste am Augustusplatz umgelagert und im Folgenden als Ratsarchiv I bezeichnet. Mit Schaffung der Direktorenstelle für das Archiv und deren Besetzung mit dem Akademiker Gustav Wustmann zum 1. Oktober 1881 gilt dieser Termin als Begründung des Stadtarchivs als wissenschaftliche Einrichtung. Wustmann war zugleich Leiter der Leipziger Stadtbibliothek. Diese Ämterdopplung wurde bis 1945 beibehalten. 1886 wurde das Ratsarchivs I für die allgemeine wissenschaftliche Benutzung geöffnet, wobei für die Akteneinsicht durch Besucher der Lesesaal der Stadtbibliothek zur Verfügung stand.

 
Stadthaus Leipzig, Ort des Stadtarchivs 1924–1994 (2014)

Durch die Eingemeindung Leipziger Vororte um die Jahrhundertwende war das Archiv stark angewachsen. Deshalb zogen 1912 vier geschlossene Bestände des Archivs in das neu errichtete Stadthaus um, wohin 1924 das gesamte Archiv folgte. 1940 fand die Umbenennung von Ratsarchiv zu Stadtarchiv statt. Ab 1933 bezog sich ein großer Anteil der Archivanfragen auf die in der NS-Zeit notwendigen Ariernachweise. Die Benutzung des Archivs für Juden und Ausländer war stark eingeschränkt.

Trotz schwerer Bombenschäden Leipzigs im Zweiten Weltkrieg erlitt das Stadtarchiv kaum Bestandsverluste. 1945 wurde die Personalunion in der Leitung von Stadtbibliothek und Stadtarchiv aufgelöst und der seit 1926 als Archivar angestellte und vor allem mit der Erstellung des Leipziger Häuserbuchs[4] befasste Ernst Müller ausschließlich mit der Leitung des Stadtarchivs betraut.

Zur Betreuung der Stadtchronik wurde 1960 ein Stadtchronist eingestellt. Die erste Bestandsübersicht seit der Gründung des Stadtarchivs wurde 1968 angefertigt, 2003 erschien die erste gedruckte Bestandsübersicht. 1987/1988 hielt die Rechentechnik im Stadtarchiv Einzug.

Im Zusammenhang mit der Rekonstruktion des Rathauskomplexes erfolgte 1994 der Umzug des Archivs in die Torgauer Straße.

Seit 1995 erscheint in zweijährigem Rhythmus ergänzt durch Sonderbände die Schriftenreihe des Leipziger Stadtarchivs Leipziger Kalender.

DirektorenBearbeiten

BeständeBearbeiten

 
Der Leipziger Stadtbrief von 1165

Die Bestände des Archivs gliedern sich in kommunales und nichtkommunales Archivgut. Ersteres enthält Urkunden und Akten der Stadtverwaltung und städtischer Einrichtungen und Betriebe. Die mehr als 4000 Urkunden überdecken die Zeit vom Leipziger Stadtbrief von ca. 1165 als Gründungsurkunde der Stadt bis 1854. Akten und Geschäftsbücher umfassen 10.000 laufende Meter.

Nichtkommunale Archivalien beziehen sich auf nichtstädtische Leipziger Betriebe, auf Gesellschaften und Vereine sowie Nachlässe. Dazu kommt das große Gebiet der Sammlungen. Die Fotosammlung enthält über 125.000 Fotos und Postkarten zu Architektur, Wirtschaft, Bildung, Kultur sowie kommunalen Angelegenheiten der Stadt Leipzig aus der Zeit um 1870 bis zur Gegenwart und die Kartensammlung mehr als 75.000 Karten und Pläne aus der Zeit um 1530 (Stadtbefestigungen) bis zur Gegenwart.

Die Zeitungssammlung mit Presseerzeugnissen von 1730 an umfasst Tageszeitungen und periodisch, z. B. wöchentlich erscheinende Zeitungen. Von den über 50 Titeln ist der überwiegende Teil in Leipzig erschienen. Die amtlichen Druckschriften als weiterer Sammlungsteil beinhalten Gesetz- und Verordnungs- und Amtsblätter, beginnend 1482.

Eine Übersicht über den Gesamtbestand des Leipziger Stadtarchivs enthält ein Sonderband der Schriftenreihe Leipziger Kalender.[5]

Die Bibliothek des Archivs umfasst ca. 8.000 Bände vornehmlich zur Leipziger Stadtgeschichte, der sächsischen Landesgeschichte und den Archiv- und Hilfswissenschaften.

AufgabenBearbeiten

Die Hauptaufgabe des Archivs besteht in der Pflege des Archivguts. Dazu zählen die Bestandserhaltung, die Bestandsergänzung, die Erschließung des Bestands und seine Auswertung. Die Bestandserhaltung besteht vornehmlich in der Beseitigung von Schäden an der Substanz des Archivguts, zum Beispiel durch Papierzerfall. Mit der Restaurierung geschädigter Archivalien betraut das Stadtarchiv Leipzig im Wesentlichen Fremdfirmen. Mehr als 90 % der finanziellen Aufwendungen zur Bestandserhaltung gingen 2005 an diese.[6] Bestandsergänzungen geschehen hauptsächlich durch Zusammenarbeit mit städtischen Einrichtungen und Eigenbetrieben, aber auch durch Schenkungen und Ankäufe. Die Erschließung des Archivguts erfasst den wesentlichen Informationsgehalt der Archivalien und sichert durch eine entsprechende Ordnung und Verzeichnisse einen optimalen Zugang für die Nutzer. Die Auswertung des Archivgutes geschieht entweder durch den Nutzer direkt im Lesesaal oder die Beantwortung seiner schriftlichen Anfragen durch das Archiv.

Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Öffentlichkeitsarbeit. Das Archiv organisiert Vorträge, Führungen und Seminare und gestaltet Ausstellungen. Die Herausgabe der Schriftenreihe Leipziger Kalender gehört ebenfalls dazu. Das Stadtarchiv führt auch die Tageschronik der Stadt Leipzig von 1945 bis zur Gegenwart, die ab 1989 in digitaler Form vorliegt und im Lesesaal oder auf der Website des Archivs eingesehen werden kann.

Das Stadtarchiv pflegt eine rege Zusammenarbeit mit zahlreichen Leipziger Institutionen, wie zum Beispiel dem Leipziger Geschichtsverein, mit dem sie Jahrestagungen zu verschiedenen Themen der Stadtgeschichte organisiert, dem Verein Pro Leipzig bei der Herausgabe von Stadtteilstudien und den Leipziger Museen bei Ausstellungsgestaltungen.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stadtarchiv Leipzig. In: Website der Stadt Leipzig – Archive in Leipzig. Abgerufen am 19. April 2016.
  2. Neues Domizil für Stadtarchiv in Halle 12 der Alten Messe geplant. In: Website der Stadt Leipzig. Abgerufen am 19. April 2016.
  3. Neues Domizil für Leipzigs Gedächtnis. In: Leipziger Amtsblatt. Nr. 22, 10. Dezember 2016, S. 1.
  4. Ernst Müller: Die Häusernamen von Alt-Leipzig. (Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs, 15. Band). Leipzig 1931, Reprint Ferdinand Hirt 1990, ISBN 3-7470-0001-0
  5. Übersicht über die Bestände des Stadtarchivs Leipzig. Sonderband Leipziger Kalender 2002/1, Leipziger Universitätsverlag, 2002 (online) (Memento vom 25. April 2016 im Internet Archive)
  6. 125 Jahre Stadtarchiv, S. 26


Koordinaten: 51° 20′ 49″ N, 12° 25′ 10″ O