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St. Martini (Hildesheim)

Kirchengebäude in Hildesheim
St. Martini, Turm und Chor
St. Martini, Langhaus
Portiunkula-Kapelle

St. Martini ist eine ehemalige Franziskaner-Klosterkirche in Hildesheim. Sie steht unmittelbar westlich der Ummauerung des Doms und ist heute Teil des Roemer- und Pelizaeus-Museums.

GeschichteBearbeiten

Die Niederlassung des 1210 gegründeten Franziskanerordens in Hildesheim entstand auf Initiative von Bischof Konrad II., der um 1240 dafür das Grundstück stiftete. Die ersten Franziskaner waren bereits 1223 nach Hildesheim gekommen, als der Obere der nach Deutschland entsandten Brüder, Johannes de Plano Carpini, mit der Erlaubnis Bischof Konrads erstmals in der Stadt predigte. Eine erste Unterkunft fanden sie im Nikolaihospital am Godehardkloster. 1245 gab es beim Kloster, das zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) gehörte, bereits ein Studium für den Ordensnachwuchs, mehrfach fand in Hildesheim das Provinzkapitel der Saxonia statt, so 1321 und 1402. Am 6. Oktober 1261 starb Bruder Konrad, der von der Bevölkerung pater sanctus („heiliger Vater“) genannt wurde und Gegenstand von Legenden wurde. Mehrere Mitglieder des Konvents waren Weihbischöfe im Bistum Hildesheim, so gegen Ende des 14. Jahrhunderts Heinrich von Halle, der im Anschluss auch Weihbischof in den Bistümern Brandenburg, Magdeburg und nach 1403 im Bistum Halberstadt war, ferner 1436 Johannes Winkelmann und ab 1502 der frühere Provinzial der Saxonia, Ludwig von Siegen (oder Segen). Guardian Hermann Etzen († zwischen 1465 und 1470) wurde durch verschiedene theologische Werke bekannt.[1]

Anders als die meisten anderen Klöster in Hildesheim wurde der Franziskanerkonvent während der Reformation nach 1542 aufgelöst. Die Büder wurden 1544 der Stadt verwiesen und gingen ins Kölner Franziskanerkloster, nur einige Alte konnten bleiben; die beiden letzten verzichteten 1556 auf den Besitz der Klostergebäude. Nach der Zerstörung der Johanneskirche 1547 wurde St. Martini lutherische Pfarrkirche. Pastor dort wurde Konrad Lüdekke, der letzte Guardian des Franziskanerklosters, der protestantisch geworden war und heiratete.[2]

1632 kehrten einige Franziskaner auf Fürsprache des Domkapitels gegenüber dem Stadtrat zurück, mussten das Kloster jedoch aufgrund der Normaljahrsbestimmung des Westfälischen Friedens 1649 (?) wieder verlassen.[3] Die Kirche wurde wieder lutherisch. Als 1857 St. Michael wieder als Kirche in Gebrauch genommen wurde, wurde die Martinipfarrei mit der Michaelispfarrei vereinigt. Kirche und Kapelle wurden profaniert. Der Museumsverein kaufte die Gebäude und baute sie zu Ausstellungszwecken um. Am 22. März 1945 wurde St. Martini durch Spreng- und Brandbomben bis auf die Umfassungsmauern und den Turm zerstört. Die Portiunkula-Kapelle blieb fast unversehrt erhalten.

Bis Ende der 1970er-Jahre wurden im Bereich der Kapelle Figur- und Steinfragmente aus der Trümmerbeseitigung der Bombardierungen im II. Weltkrieg gelagert. Von Studenten der damaligen Fachhochschule Hildesheim/Holzminden wurden unter Jürgen Lagemann die Fragmente sortiert und katalogisiert. Unter anderem wurden Teile der Roland-Figur des Brunnens vor dem Rathaus gefunden. Gut erhaltene Steinfragmente wurden teilweise in späteren Bauvorhaben integriert.

Von 1953 bis 1973 unterhielten die Franziskaner der Schlesische Provinz in Hildesheim das Antonius-Schülerheim und blieben anschließend noch bis 1987 als Seelsorger in dem Gebäude an der Alfelder Straße. 1988 kamen drei Brüder für einige Jahre als Seelsorger an die Heilig-Kreuz-Kirche.[4]

GebäudeBearbeiten

Das heutige Erscheinungsbild der Klosterkirche ist das Ergebnis einer längeren Baugeschichte. Die vierjochige frühgotische Hallenkirche mündet im Osten in einen zweistufigen rechteckigen Chor, an dessen Nordseite der schlanke quadratische, in den beiden Obergeschossen achteckige Turm angefügt ist; dessen Fialen-Krone ist der einzige Schmuck des Baus.

An der Südseite der Kirche sind Teile der ehemaligen Klosterbebauung erhalten; an diese schließt sich die 1490 vollendete Portiunkula-Kapelle an.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Stephan Gutowski: Die Minderbrüder in Hildesheim. In: Dieter Berg (Hrsg.): Franziskanisches Leben im Mittelalter. Studien zur Geschichte der rheinischen und sächsischen Ordensprovinzen. Werl 1994, S. 111–145.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 21.39.43.59.101.139.141.161.189.225.
  2. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 291.295.303.
  3. Lt. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 351 wurden die Brüder bereits 1634 verdrängt, um die Kirche ausschließlich für lutherisache Gottesdienste zu nutzen.
  4. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 611.623.627.ö

Koordinaten: 52° 8′ 56″ N, 9° 56′ 40″ O