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Sepsis

komplexe systemische Entzündungsreaktion des Organismus
Klassifikation nach ICD-10
A40.- Streptokokken-Sepsis
A41.- Sonstige Sepsis
R65.0 Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom [SIRS] infektiöser Genese ohne Organdysfunktion
R65.1 Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom [SIRS] infektiöser Genese mit Organdysfunktion
R57.2 Septischer Schock
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Die Sepsis (altgriechisch σῆψις sēpsis „Fäulnis“) ist eine lebensbedrohliche komplexe systemische Entzündungsreaktion des Organismus als Reaktion auf eine Infektion durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten.

Sepsis ist eine schwere Komplikation von Infektionserkrankungen und kann zum Versagen von Organen führen. Ist bei einer Sepsis die Kreislauffunktion des Organismus eingeschränkt (arterielle Hypotonie, verminderte Organdurchblutung) und kann dies nicht durch die Gabe von intravenöser Flüssigkeit ausgeglichen werden, spricht man vom septischen Schock.

Die Intensivmedizin kann durch vorübergehenden Ersatz oder Unterstützung der Organfunktionen (Beatmung, Nierenersatztherapie, Kreislauftherapie, Gerinnungstherapie) kritische Phasen überbrücken. Trotzdem versterben ca. 25 % der Patienten mit Sepsis und 45 % der Patienten mit schwerer Sepsis trotz maximaler Therapie.[1] Der frühestmögliche Therapiebeginn ist entscheidend für das Überleben.

Sepsis ist eine der häufigsten und kostenintensivsten Erkrankungen im stationären Sektor.[1] Die Weltgesundheitsorganisation erklärte die Erkrankung daher 2017 zu einer der führenden Prioritäten in den Gesundheitssystemen der Mitgliedsstaaten, um Diagnostik, Therapie, Erfassung und Nachsorge von Sepsispatienten zu verbessern.[2][3]

Der umgangssprachlich häufig verwendete Begriff „Blutvergiftung“ ist veraltet und verweist auf im Blut zirkulierende Erreger und deren Toxine.

Inhaltsverzeichnis

EpidemiologieBearbeiten

In Deutschland erkranken nach Berechnungen des Kompetenznetzes Sepsis jedes Jahr etwa 154.000 Menschen an einer Sepsis. Davon sterben ca. 56.000 an den Folgen der Erkrankung (Sterberate: 36 Prozent). Das sind etwa 154 Todesopfer pro Tag, ähnlich viele wie bei Herzinfarkten mit Todesfolge und mehr Opfer als bei der Todesursache Lungenkrebs. Die Sepsis steht damit an dritter Stelle der Todesursachen in Deutschland.[4] In der Todesursachenstatistik wird dies allerdings nicht abgebildet, weil dort nur Grunderkrankungen aufgeführt werden.[5]

Für Europa gibt das Kompetenznetz Sepsis folgende Zahlen an: jährlich 550.000 Erkrankungen, 146.000 Todesfälle, Sterberate 26,5 %. Und weltweit: jährlich 1.500.000 Erkrankungen, 500.000 Todesfälle, Sterberate 33,3 %.[4] Nach Angaben der Deutschen Sepsis-Hilfe sterben weltweit mehr als 1400 Menschen pro Tag an einer schweren Sepsis.[6]

Die Häufigkeit (Inzidenz) der Sepsis hat sich in den USA im Verlauf von Jahrzehnten auf etwa 3 pro 1000 Einwohner und Jahr gesteigert, wobei Frauen etwas seltener betroffen sind.[7]

DefinitionenBearbeiten

Die vielfältigen Vorgänge und Schädigungsmechanismen im Rahmen einer Sepsis machen eine Definition schwer.

„Eine Sepsis liegt dann vor, wenn sich innerhalb des Körpers ein Herd gebildet hat, von dem kontinuierlich oder periodisch pathogene Bakterien in den Kreislauf gelangen und zwar derart, dass durch diese Invasion subjektive und objektive Krankheitserscheinungen ausgelöst werden.“

klassische Formulierung von Hugo Schottmüller (1914)[8]

„Sepsis ist die Gesamtheit der lebensbedrohlichen klinischen Krankheitserscheinungen und pathophysiologischen Veränderungen als Reaktion auf die Aktion pathogener Keime und ihrer Produkte, die aus einem Infektionsherd in den Blutstrom eindringen, die großen biologischen Kaskadensysteme und spezielle Zellsysteme aktivieren und die Bildung und Freisetzung humoraler und zellulärer Mediatoren auslösen.“

moderne Definition von Schuster und Werdan (2005)[9]

„Sepsis is defined as life-threatening organ dysfunction caused by a dysregulated host response to infection.“

„Sepsis ist definiert als lebensbedrohliche Organdysfunktion verursacht durch eine fehlregulierte Wirtsantwort auf eine Infektion.“

Mervyn Singer et al. für die Task Force der Society of Critical Care Medicine und der European Society of Intensive Care Medicine: Dritte Internationale Konsensus-Definition der Sepsis und des septischen Schocks (Sepsis-3)[10]

Diagnosekriterien und EinteilungBearbeiten

SIRS, Sepsis, schwere Sepsis, septischer Schock — Definition von 1991Bearbeiten

Auf einer internationalen Konsensuskonferenz in Northbrook wurden im August 1991 Definition und Diagnosekriterien von SIRS, Sepsis, schwerer Sepsis und septischem Schock einheitlich festgelegt.[11][12]

Ein Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS) ist demnach gegeben, wenn zwei Kriterien der untenstehenden Kriteriengruppe II erfüllt sind. Eine Sepsis liegt bei einem zusätzlichen Nachweis einer Infektion vor (I und II). Kommt mindestens eine akute, durch die Sepsis sekundär bedingte Organschädigung hinzu, spricht man von einer schweren Sepsis (I, II und III erfüllt).

Ein septischer Schock ist bei den Kriterien I und II sowie für wenigstens eine Stunde ein systolischer arterieller Blutdruck unter 90 mmHg bzw. ein mittlerer arterieller Blutdruck < 65 mmHg oder notwendiger Vasopressoreinsatz, um den systolischen arteriellen Blutdruck > 90 mmHg oder den arteriellen Mitteldruck > 65 mmHg zu halten, gegeben. Die Hypotonie besteht trotz adäquater Volumengabe und ist nicht durch andere Ursachen zu erklären. Da dies mittlerweile in die Gruppe-III-Kriterien mit aufgenommen wurde, ist der „septische Schock“ als Teilmenge der schweren Sepsis zu betrachten, hat jedoch eine deutlich schlechtere Prognose als die schwere Sepsis in ihrer Gesamtheit.

Diagnosekriterien für SIRS, Sepsis und schwere Sepsis (ACCP/SCCM Konsensus-Konferenz)
I   Nachweis der Infektion
Diagnose einer Infektion über den mikrobiologischen Nachweis oder durch klinische Kriterien
II   Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS): mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt
III   Akute Organdysfunktion/Schwere Sepsis: mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt
  • Hirnschädigung (Enzephalopathie): eingeschränkte Vigilanz, Desorientiertheit, Unruhe, Delirium
  • Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie): innerhalb von 24 Stunden Abfall der Thrombozyten um mehr als 30 % oder Thrombozytenzahl < 100.000/mm³ bei Ausschluss einer Erkrankung des Immunsystems oder einer akuten Blutung
  • Arterielle Hypotension (systolischer arterieller Blutdruck < 90 mmHg oder mittlerer arterieller Blutdruck < 70 mmHg über mindestens eine Stunde trotz adäquater Volumenzufuhr bei Abwesenheit anderer Schockursachen) → Septischer Schock
  • Sauerstoffmangel (Hypoxie): PaO2 < 10 kPa (75 mmHg) oder ein PaO2/FiO2 Verhältnis < 33 kPa (250 mmHg) unter Sauerstoffverabreichung bei Ausschluss einer kardialen oder pulmonalen Vorerkrankung
  • Akutes Nierenversagen: Harnproduktion (Diurese) < 0,5 ml/kg Körpergewicht/h für mindestens zwei Stunden, trotz ausreichender Volumensubstitution, und/oder Anstieg des Serumkreatinins um das Doppelte des lokal üblichen oberen Referenzbereichs
  • Metabolische Azidose: BE < −5 mmol oder Laktat > 1,5-fach im Vergleich zum lokal üblichen Referenzwert

Sepsis-3 — Neue Definition von 2016Bearbeiten

Um dem Verlauf einer Sepsis und insbesondere der Organfunktionseinschränkung im Rahmen einer Sepsis gerecht zu werden, wurde 2016 eine neue Definition der Sepsis empfohlen.[10] Dabei wird die Sepsis als eine lebensbedrohliche Organfunktionseinschränkung durch eine übermäßige Reaktion des Körpers auf eine Infektion definiert. Die Organfunktionseinschränkung soll dabei anhand eines Punktesystems bestimmt werden. Bei diesem Sequential [Sepsis-related] Organ Failure Assessment, kurz SOFA, werden jeweils bis zu 4 Punkte für die Funktionseinschränkung der folgenden Organsysteme vergeben:

  1. Atmung (Horovitz-Quotient, PaO2/FiO2)
  2. Gerinnung (Thrombozytenzahl)
  3. Leber (Bilirubinwert)
  4. Herzkreislauf (Blutdruck bzw. Katecholaminbedarf)
  5. Gehirn (Glasgow Coma Scale)
  6. Niere (Kreatininwert bzw. Urinmenge)

Eine Sepsis wird dann diagnostiziert, wenn es zu einem akuten Anstieg um zwei oder mehr Punkte auf obiger Skala bei gleichzeitig bestätigter oder vermuteter Infektion kommt.[10]

Zusätzlich wurde ein vereinfachter quick SOFA-Score (qSOFA) mit nur drei Kriterien eingeführt, der helfen soll, Patienten außerhalb von Intensivstationen zu identifizieren (z. B. Arztpraxen, Rettungsdienst), da dort Messungen von Blutwerten bzw. Beatmungsparametern meist nicht (sofort) zur Verfügung stehen. Sind zwei der drei folgenden Parameter bei gleichzeitig bestätigter oder vermuteter Infektion erfüllt, so spricht dies für das Vorliegen einer Sepsis mit schlechter Prognose:

  1. Atemfrequenz ≥22/min
  2. eingeschränktes Bewusstsein
  3. systolischer Blutdruck ≤100 mmHg.

PathophysiologieBearbeiten

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Der Sepsis liegt ein Versagen des Immunsystems zugrunde. Pathogenetisch grundlegend ist das Eindringen von Krankheitserregern oder von deren Toxinen in den Kreislauf. Das Resultat dieses Vorgangs hängt von drei Faktoren ab:

  • Zahl, Pathogenität und Virulenz der Erreger
  • Zustand der körpereigenen Abwehrmechanismen
  • Reaktion des Wirtsorganismus

Unter normalen Umständen ist das Immunsystem des Körpers in der Lage, eingedrungene Erreger durch verschiedene Mechanismen in Schach zu halten. Selbst aus zunächst harmlosen infektiösen Entzündungen kann sich aber eine Sepsis entwickeln, wenn eine oder mehrere von folgenden vier Bedingungen vorliegen:

  • Eingeschränkte Immunabwehr
  • Massive Infektion mit vielen oder aggressiven Erregern
  • Eindringen der Erreger in strukturell schlecht geschützte Körperregionen (beispielsweise Bauchhöhle, Gehirn, Lunge)
  • Fehlende Behandlung und schrittweises Überwinden der Immunabwehr

In der Folge kommt es, meist über den Blutkreislauf, zu einer Ausbreitung der Abwehrreaktion auf den gesamten Körper. Die im Falle einer Lokalinfektion sinnvolle Entzündungsreaktion entwickelt sich nun zum eigentlichen Motor der Sepsis. In einer überschießenden Reaktion freigesetzte große Mengen an Überträgerstoffen führen zu einer Entzündung des gesamten Körpers unter anderem mit Schwellungen, Durchblutungsstörungen und Sauerstoffmangel, ohne dass sie der Erregerbekämpfung nützten. Sind einmal lebenswichtige Organe davon betroffen, kann der daraus folgende Verlust ihrer Funktionsfähigkeit schnell zum eigentlichen begrenzenden Faktor für das Überleben der Patienten werden.

Von Seiten des Wirtsorganismus wird heute eine initiale Reaktion von Monozyten und Makrophagen als gesichert angesehen. Dabei sind bei septischer Reaktion auf gramnegative Keime vor allem Makrophagen, auf grampositive Keime insbesondere T-Lymphozyten maßgeblich. In der Folge kommt es zur Freisetzung und Wirkung von Zytokinen (Tumor-Nekrose-Faktor (TNF), Interleukinen und Interferonen) und Lipidmediatoren (Thromboxan, Prostaglandine, Leukotriene und plättchenagglutinierender Faktor (PAF)). Direkt ursächlich für die Kreislaufdestabilisation sind unter anderem Gerinnungsstörungen, Hemmung katecholaminsensitiver Rezeptoren, Endothelzellschädigung und eine exzessive NO-Freisetzung.

Zu den häufigsten Infektionsquellen einer Sepsis gehören die Lungenentzündung, Infektionen des Magendarmtrakts und des Urogenitaltrakts, ferner auch Infektionen von Haut- und Weichteilgewebe, des zentralen Nervensystems und sogenannte katheterassoziierte Infektionen.

DiagnostikBearbeiten

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Das SIRS ist die unspezifische Systemreaktion, in deren Zeichen ein Patient zunächst einmal auffällig wird. Werden diese Zeichen gefunden, muss nach einem infektiösen Fokus („Entzündungsherd“) gesucht werden. Gelingt es in einem Untersuchungsverfahren (etwa durch Blutkulturen, Trachealabstrich, Sepsis-PCR usw.), Erreger oder den infektiösen Fokus direkt nachzuweisen, ist damit die Diagnose „Sepsis“ gestellt, die ihrerseits diverse therapeutische Konsequenzen, unter anderem die Wahl des verwendeten Antibiotikums, hat.

Allgemein wird unterschieden zwischen der Patientendiagnostik (prädiktive Biomarker) und der Erregerdiagnostik (Erregeridentifizierung). Zur Diagnosestellung Sepsis ist der Nachweis eines Erregers in Blutkultur, Trachealabstrich oder anderswo erforderlich. Mit Hilfe einer Biomarkeruntersuchung kann die Sepsis früh erkannt werden. Möglichkeiten zur Früherkennung bestehen in der Bestimmung von Procalcitonin (PCT), Interleukin-6 oder Interleukin-8 und LBP (lipopolysaccharidbindendes Protein), wobei IL-6 der Hauptvermittler der Akutphasenreaktion ist und das LBP zur Differenzierung von bakteriellen und viralen Infektionen dient. Bei Neugeborenen fällt die Sepsis (Neugeborenensepsis) oft durch Apathie und Trinkschwäche, blassen Teint und Blutdruckabfall mit kompensatorischer Steigerung der Herzfrequenz (Tachykardie) auf. Zur Diagnosesicherung kann man IL-6 oder IL-8, CRP (C-reaktives Protein) und PCT (Procalcitonin) im Blut bestimmen. Seit einiger Zeit steht auch ein Laborparameter namens Presepsin zur Verfügung.

Die Erregeridentifizierung mittels Sepsis-PCR ist eine neuere Technologie zum Nachweis der auslösenden Bakterien oder Pilze. Es wird unterschieden zwischen der Multiplex-PCR (Identifizierung einer begrenzten Anzahl von Erregern) und der Breitband-PCR (Identifizierung aller Erreger). Der Sepsis-PCR wird großes Potential für die schnelle Sepsisdiagnostik zugetraut. Inzwischen konnte in ersten randomisierten klinischen Studien gezeigt werden, dass die Sepsisdiagnostik mittels Multiplex-PCR im Vergleich zur Blutkultur zu einer schnelleren Erregerdiagnostik bei intensivmedizinischen Patienten nach Operationen [13] und bei Patienten mit Neuropenie führt.[14] In weiteren Studien muss nun gezeigt werden, dass dies mit einem Überlebensvorteil für die Patienten verbunden ist.

TherapieBearbeiten

Die schwere Sepsis mit Organbeteiligung und der septische Schock erfordern Behandlungsmethoden der Intensivmedizin. Die Therapie muss hier schon vor dem definitiven Erregernachweis innerhalb von einer Stunde nach Diagnosestellung eingeleitet werden, da jede verstrichene Zeit die Überlebenswahrscheinlichkeit verringert.

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Gesicherte (evidenzbasierte) Methoden sind:

  1. (Chirurgische) Sanierung des Fokus
  2. Antibiotika (intravenös und hochdosiert): initial breite Abdeckung nach Verdacht (kalkulierte Therapie bei bekanntem Infektionsherd, empirische Therapie mit Breitspektrum-Antibiotika bei unbekanntem Infektionsherd); nach Vorliegen eines Antibiogramms (Resistenzprüfung) ggf. Wechsel auf eine spezifischere Antibiotikatherapie. Alle 48 bis 72 Stunden Neubewertung der antibiotischen Therapie anhand klinischer und mikrobiologischer Kriterien.
  3. Volumenzufuhr zur Einstellung eines ZVD > 8–12 mmHg[15][16] und Einstellung eines arteriellen Mitteldrucks auf ≥ 65 mmHg. Falls die Volumensubstitution alleine nicht ausreicht, ist frühzeitig eine Therapie mit Vasopressoren und/oder positiv inotropen Substanzen zu erwägen (Noradrenalin, Vasopressin); (Dobutamin[15][17]).[15][16] Die zentralvenöse Sauerstoffsättigung (wenn gemischtvenös nicht zur Verfügung steht) soll auf mindestens 70 % eingestellt bzw. gehalten werden.[15]
  4. Optimale Hb-Konzentration mit Hämatokrit > 24–30 % (Hb 8–10 g/dL) ggf. Gabe von Erythrozytenkonzentraten.[16]
  5. Beatmung mit Tidalvolumen von 6 ml/kg Körpergewicht[15] (Lungenprotektion). Strategie des Open-Lung-Konzepts mit Einstellung des PEEP oberhalb des Inflektionspunktes[18] mit Vermeidung der closing-volume-Wirkung.

Weitere Therapieempfehlungen:

  1. Eine Reihe von klinischen Untersuchungen belegt, dass Cortisol in Stressdosierung die Ansprechbarkeit auf Katecholamine verbessern und die Therapiedauer signifikant senken kann. Die Therapie soll innerhalb von 24 h nach Diagnosestellung „septischer Schock“ begonnen werden, wenn trotz ausreichender Volumensubstitution Katecholamine (in steigenden Dosierungen) benötigt werden, um einen adäquaten Blutdruck aufrecht zu halten. Die Therapie wird ausschleichend beendet, sobald keine Katecholamine mehr benötigt werden. Auf Grund neuerer Studiendaten[19][20] wird der Einsatz von Cortisol mit den damit verbundenen Komplikationen inzwischen kritisch gesehen. Nach den aktuellen deutschen Leitlinien zur Sepsis kann der Einsatz „bei Patienten mit einem therapiefraktären septischen Schock, die trotz Volumentherapie und Vasopressorentherapie in hoher Dosis nicht zu stabilisieren sind, als Ultima Ratio-Therapie erwogen werden.“[21]

Häufige Nebenwirkungen sind ein erhöhter Insulinbedarf (steroidinduzierter Diabetes mellitus) und Pseudoaldosteronismus mit Hypernatriämie (>150 mmol/l) und erhöhtem Kaliumbedarf (>240 mmol/d). Bei der Korrektur der hyperglykämischen Stoffwechsellage sollte eine zu starke Blutzuckersenkung vermieden werden. Der Blutzuckerzielbereich sollte zwischen 150 und 200 mg/dl gehalten werden.[22][23]

Die jeweiligen Organbeteiligungen bei der schweren Sepsis erfordern oft unterstützend organersetzende Maßnahmen. Dazu gehören die Beatmungstherapie, Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) und Nierenersatzverfahren.

Fachgesellschaften und ForschungsbereicheBearbeiten

Obwohl die Sepsis für viele Facharztgruppen ein relevantes Problem ist, wird Sepsis von keiner Medizindisziplin als Schwerpunktaufgabe begriffen. 2007 fand in München der 17th European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases gemeinsam mit dem 25th International Congress of Chemotherapy (ECCMID und ICC) statt. Wie schon in den Jahren zuvor war der ECCMID der bedeutendste Kongress zum Thema Infektionskrankheiten in Europa.

  • Deutsche Antisepsis Stiftung
  • Deutsche Sepsis-Gesellschaft
  • Center for Sepsis Control and Care (CSCC)
  • Europäische Gesellschaft für Intensivmedizin (ESICM)
  • Internationales Sepsis-Forum (ISF)
  • Forschungsbereich „Infektionen und Sepsis“ im Genomforschungsnetz
  • Österreichische Sepsis-Gesellschaft

Siehe auchBearbeiten

Bei der Abklärung folgender Krankheiten (bzw. Syndrome) ist auch an eine Sepsis zu denken:

LiteraturBearbeiten

  • Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 36–40.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Sepsis – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Deutsche Sepsis-Hilfe – Die international erste und bis dato einzige Anlaufstellen für Sepsis-Betroffene, -angehörige und -hinterbliebene ist. Der gemeinnützige Verein informiert laiengerecht und zu allen Fragen bei/nach Sepsis. Für Hilfesuchende wurde zudem ein Info-Telefon eingerichtet.
  • Deutsche Sepsis-Gesellschaft – Die medizinische Fachgesellschaft zielt auf ein besseres Verständnis in der Öffentlichkeit und in der Medizin. Sie publizierte u. a. die Leitlinien zu Sepsis, organisiert Weiterbildungen, wie auch den Internationalen Sepsis-Kongress in Weimar und informiert über das Krankheitsbild der Sepsis.
  • SepNet Studiengruppe – Die Studiengruppe kann als Weiterführung des Kompetenznetzwerkes Sepsis (SepNet) angesehen werden. Sie führt medizinische Studien zur Diagnose und Therapie der Sepsis durch.
  • Center for Sepsis Control and Care (CSCC) Das integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum zu Sepsis, welche durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.
  • Hintergrundinformation Sepsis. BdW, 10. Januar 2009

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Carolin Fleischmann, Daniel O. Thomas–Rueddel, Michael Hartmann, Christiane S. Hartog, Tobias Welte, Steffen Heublein, Ulf Dennler, Konrad Reinhart: Hospital Incidence and Mortality Rates of Sepsis: An Analysis of Hospital Episode (DRG) Statistics in Germany From 2007 to 2013 (11.03.2016). Hrsg.: Deutsches Ärzteblatt. Jg. 113, Nr. 10, doi:10.3238/arztebl.2016.0159.
  2. Improving the prevention, diagnosis and clinical management of sepsis. Abgerufen am 18. April 2018 (britisches Englisch).
  3. Konrad Reinhart, Ron Daniels, Niranjan Kissoon, Flavia R. Machado, Raymond D. Schachter: Recognizing Sepsis as a Global Health Priority — A WHO Resolution. In: New England Journal of Medicine. Band 377, Nr. 5, 28. Juni 2017, S. 414–417, doi:10.1056/nejmp1707170.
  4. a b Die Sepsis: Dritthäufigste Todesursache sepsis-hilfe.org, abgerufen am 11. März 2016. Vgl. auch rechts die Erläuterungen zur Statistik.
  5. Sepsis-Therapie: Infektion außer Kontrolle faz.de, 7. Januar 2011.
  6. Informationen zur Sepsis: Prominente Sepsis-Opfer sepsis-hilfe.org, abgerufen am 11. März 2016.
  7. G. S. Martin, D. M. Mannino u. a.: The epidemiology of sepsis in the United States from 1979 through 2000. In: The New England Journal of Medicine. Band 348, Nummer 16, April 2003, S. 1546–1554. doi:10.1056/NEJMoa022139.
  8. H. Schottmüller: Verhandlungen des 31. Deutschen Kongresses für Innere Medizin. Band 31, 1914, S. 257–280.
  9. H. P. Schuster, U. Müller-Werdan: Definition und Diagnose von Sepsis und Multiorganversagen. In: K. Werdan, H. P. Schuster (Hrsg.): Sepsis und MODS. Verlag Springer, 2005, ISBN 978-3-540-00004-4, Seite 4. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  10. a b c Mervyn Singer, Clifford S. Deutschman, Christopher Warren Seymour, Manu Shankar-Hari, Djillali Annane, Michael Bauer, Rinaldo Bellomo, Gordon R. Bernard, Jean-Daniel Chiche, Craig M. Coopersmith, Richard S. Hotchkiss, Mitchell M. Levy, John C. Marshall, Greg S. Martin, Steven M. Opal, Gordon D. Rubenfeld, Tom van der Poll, Jean-Louis Vincent, Derek C. Angus: The Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3). In: JAMA. 315, 2016, S. 801, doi:10.1001/jama.2016.0287
  11. R. C. Bone, R. A. Balk u. a.: Definitions for sepsis and organ failure and guidelines for the use of innovative therapies in sepsis. The ACCP/SCCM Consensus Conference Committee. American College of Chest Physicians/Society of Critical Care Medicine. In: Chest. Band 101, Nummer 6, Juni 1992, S. 1644–1655, ISSN 0012-3692. PMID 1303622. (Review).
  12. Vgl. AWMF-Leitlinie Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge (Stand 2010) und geplante Neufassung Stand (2016).
  13. S. Tafelski, I. Nachtigall, T. Adam, S. Bereswill, J. Faust, A. Tamarkin, T. Trefzer, M. Deja, E. A. Idelevich, K. D. Wernecke, K. Becker, C. Spies: Randomized controlled clinical trial evaluating multiplex polymerase chain reaction for pathogen identification and therapy adaptation in critical care patients with pulmonary or abdominal sepsis. In: The Journal of international medical research. Band 43, Nummer 3, Juni 2015, S. 364–377, doi:10.1177/0300060514561135
  14. E. A. Idelevich, G. Silling, Y. Niederbracht, H. Penner, M. C. Sauerland, S. Tafelski, I. Nachtigall, W. E. Berdel, G. Peters, K. Becker: Impact of multiplex PCR on antimicrobial treatment in febrile neutropenia: a randomized controlled study. In: Medical microbiology and immunology. Band 204, Nummer 5, Oktober 2015, S. 585–592, doi:10.1007/s00430-014-0385-7
  15. a b c d e Andreas Meier-Hellmann: Was ist gesichert an den neuen Sepsis-Medikamenten? In: Anästh Intensivmed Band 45, 2004, S. 81–96.
  16. a b c A. Sablotski u. a.: Aktuelle Konzepte zur Reduktion der Mortalität bei schwerer Sepsis und Multiorganversagen. In: Anästh Intensivmed. Band 44, 2003, S. 263–272.
  17. E. Hüttemann, K. Reinhart: Pathogenese, Pathophysiologie der Sepsis als Grundlage der Therapie. In Eckart, Forst, Burchardi (Hrsg.): Intensivmedizin. 2004, Verlag ecomed, ISBN 3-609-20177-0
  18. A. Sablotzki u. a.: Sepsis – Die Behandlung: Tun wir das Richtige zur richtigen Zeit? In: Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung. Band 1, 2004, S. 212.
  19. C. L. Sprung, D. Annane u. a.: Hydrocortisone therapy for patients with septic shock. In: The New England Journal of Medicine. Band 358, Nummer 2, Januar 2008, S. 111–124. doi:10.1056/NEJMoa071366
  20. R. Beale, J. M. Janes u. a.: Global utilization of low-dose corticosteroids in severe sepsis and septic shock: a report from the PROGRESS registry. In: Critical care. Band 14, Nummer 3, 2010, S. R102. doi:10.1186/cc9044
  21. Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis: 1. Revision der S-2k Leitlinien der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e. V. (DSG) und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) In: Ger Med Sci. Band 8, 2010, Doc14.
  22. Sepsis: Intensive Insulintherapie ohne Überlebensvorteil. In: Deutsches Ärzteblatt. Januar 2010
  23. D. Annane u. a.: Corticosteroid treatment and intensive insulin therapy for septic shock in adults: a randomized controlled trial. In: JAMA: the journal of the American Medical Association. Band 303, Nummer 4, Januar 2010, S. 341–348. doi:10.1001/jama.2010.2
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