Selektierer

Begriff der Wildbiologie

Als Selektierer[1][2] (die ursprüngliche, inzwischen als missverständlich geltende Bezeichnung „Konzentratselektierer“ geht auf Reinhold Hofmann zurück)[3][4] bezeichnet man in der Wildbiologie neben den Raufutterfressern und den Mischtypen einen Hauptäsungstyp von wiederkäuendem Schalenwild. Rund 40 % aller Wiederkäuer zählen zu den Selektierern.

Reh bei der Nahrungsaufnahme

Die Nahrung von Selektierern ist arm an Pflanzenfasern und Zellulose, dafür aber reich an leicht verdaulichen Nährstoffen wie Zucker, Stärke und Proteinen. Diese Nahrung findet das Wild hauptsächlich in Blättern, Blüten, Kräutern, Trieben, Knospen, Eicheln und Früchten.

Die Pansen von Selektierern sind von geringerer Größe als bei vergleichbaren Arten mit anderen Äsungstypen, da sie weniger grobe Äsungsteile zum Wiederkäuen zu sich nehmen, das zudem häufiger aber kürzer durchgeführt wird. Auch findet im Magen eine schnellere Gärung statt. Die Geschwindigkeit der Verdauung gestattet keine schwerverdauliche Nahrung mit hohen Zelluloseanteilen, daher werden sehr gezielt leicht verdauliche Pflanzenbestandteile zu sich genommen. Durch die starke Selektion aus dem Nahrungsangebot nehmen Selektierer häufiger als vergleichbare Arten Nahrung zu sich, wobei acht bis zwölf Äsungsperioden täglich üblich sind.

Selektierer richten verstärkt Wildschäden in der Forstwirtschaft und der Landwirtschaft an, da ihr spezifisches Nahrungsspektrum bevorzugt junge Baumtriebe und frische Feldfrüchte umfasst. Auch Blumenpflanzungen in Parks und Gärten werden von Selektierern häufig als Nahrungsangebot wahrgenommen, wenn sie gut und gefahrlos für das Wild zugänglich sind.

Beispiele für Selektierer sind europäische Arten wie Rehwild (Capreolus capreolus) und Elche (Alces alces), weiter auch außereuropäisch Kleiner Kudu (Tragelaphus imberbis), Giraffe (Giraffa camelopardalis) und Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Andreas König, Martina Scheingraber, Juliane Mitschke: Energiegehalt und Qualität der Nahrung von Rehen (Capreolus capreolus) im Jahresverlauf in unterschiedlich geprägten Habitaten. Hrsg.: Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan. Forstliche Forschungsberichte München, Nr. 215. Freising 2016, ISBN 3-933506-46-8, S. 5 (tum.de [PDF]).
  2. Die Ernährung der Rehe. In: Wildtierportal Bayern. Archiviert vom Original am 9. Dezember 2018; abgerufen am 9. Dezember 2018.
  3. Marcus Clauss: Artgerechte Fütterung der Wildtiere - was ist fachlich vertretbar? In: Lehr- und Forschungszentrum für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein (Hrsg.): Bericht über die 16. Österreichische Jägertagung 2010 zum Thema Wildbewirtschaftung verständlich vermitteln - Schwerpunkt: Fütterung und Abschussplanung. Irdning 2010, ISBN 978-3-902559-39-5, S. 27 ff., doi:10.5167/uzh-31354 (bundesforste.at [PDF]).
  4. Juliane Münnich: Intrinsische Innervation im Pansen von Wiederkäuern verschiedener Ernährungstypen. Leipzig, Univ., Diss., 2009, S. 7 f. (d-nb.info [PDF]).