Scott Modell 3 3/4

englisches Rennmotorrad

Die Scott Modell 3 3/4[1] von 1911 war ein Rennmotorrad der englischen Scott Motor Cycle Company, das erstmals einen Zweizylinder-Zweitaktmotor als Antrieb hatte. Mit diesem innovativen Motorradmodell gewannen 1912 und 1913 die Fahrer Frank Applebee[2] und Tim Wood die Rennen der Senior-Klasse der Isle of Man TT auf dem Snaefell Mountain Course. Dies waren die ersten Rennerfolge eines Zweitaktmotors im Motorradsport.[3]

Scott 3 3/4 (1913)

GeschichteBearbeiten

Alfred Angas Scott entwickelte 1908 einen Paralleltwin-Zweitaktmotor, der einen Hubraum von 333 cm³ hatte. Das erste Modell hatte luftgekühlte Zylinder, jedoch einen wassergekühlten Zylinderkopf und eine zweifach gelagerte Kurbelwelle.[3] Der Zweitaktmotor wurde durch Ölpumpen getrennt geschmiert.[4] Die Kraft wurde erstmals über ein Zweiganggetriebe mit Fußschaltung und Kettenantrieb auf das Hinterrad übertragen; gestartet wurde mit dem von Scott erfundenen Kickstarter.[3][5]

1911 entwickelte Scott einen komplett wassergekühlten Motor, mit Drehschiebersteuerung,[6] der 1912 einen Hubraum von 532 cm³ hatte; die käufliche Straßenversion hatte eine Leistung von 12 PS bei 3000/min.[7] Der Kühler vor dem geneigten Motor war nach dem System der Thermosiphonkühlung ausgelegt, der Benzintank wurde um das Sattelrohr verlegt. Der Rahmen bestand aus einem Verbund von geraden Rohren – eine Inspiration, die Scott von dem Motorrad Hildebrand und Wolfmüller erhalten hatte;[4] dieser Rahmen wurde bis in die 1930er-Jahre unverändert in den Modellen Scott Super Squirrel und Scott Flying Squirrel verwandt.[5] Die Scott-Vorderradgabel gilt als ein Vorläufer der Telegabel.[8]

Der Tank und die Zylinder des im Wesentlichen schwarz gehaltenen Motorrads waren auffällig in Violett lackiert, der Lieblingsfarbe von Scotts Schwester Alice.[8] Die Scott Motor Cycle Company behielt diese ungewöhnliche Farbkombination auch nach dem Tode des Firmengründers bei.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hugo Wilson: Das Lexikon vom Motorrad. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-01719-9, S. 166.
  2. Frank Applebee, 1912
  3. a b c Helmut Krackowizer: Meilensteine der Motorrad-Geschichte. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, 1987, ISBN 3-613-01141-7, S. 21.
  4. a b Motorrad Revue. Ausgabe 1984/85, S. 60.
  5. a b Roger Hicks: Die internationale Enzyklopädie Motorräder. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-02660-0, S. 442.
  6. L. J. K. Setright: The Guinness Book of Motorcycling. Facts and Feats. 1982, ISBN 0-85112-255-8, S. 28.
  7. Thomas Trapp: Motorrad Oldtimer Katalog. Heel Verlag, 2003, ISBN 3-89880-099-7, S. 141
  8. a b Alan Cathcart in Motorrad Classic. 5/2013, S. 73–78.