Hauptmenü öffnen

Der Schwarzwaldkreis war einer von vier Kreisen des Königreichs Württemberg. Er wurde 1818 gebildet und 1924 aufgelöst. „Canzley“ (d. h. Hauptstadt) des Kreises war Reutlingen. Die oberste Behörde des Kreises, genannt „Regierung“, war bis 1905 im Gebäude des ehemaligen Barfüßerklosters, in dem sich heute das Friedrich-List-Gymnasium befindet, untergebracht. Funktional ist der Schwarzwaldkreis in etwa mit einem heutigen Regierungsbezirk zu vergleichen, nicht aber mit einem heutigen Landkreis. Sein ehemaliges Gebiet wurde über alle vier heutigen Regierungsbezirke (Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen) verteilt.

Durch die Unterbringung der „Regierung“ in Reutlingen, wollte man der bis vor kurzem freien Reichsstadt die Zugehörigkeit zu Württemberg schmackhaft machen. Dies war eine Herausforderung, weil Reutlingen damals keine entsprechenden Beamten besaß und sie alle – der „Direktor“ beziehungsweise der Regierungspräsident sowie „Räthe“, „Assessoren“, „Expeditoren“ und „Kanzlisten“ – aus anderen Städten kommen mussten. Das Regierungsgebäude sowie die Wohnung des Regierungspräsidenten musste die Stadt Reutlingen auf eigene Kosten vorbereiten, wobei „jeder unnötiger Aufwand zu vermeiden“ war. In Reutlingen fehlten gleichzeitig Wohnungen entsprechender Klasse, die zudem bezahlbar waren. Die Beamten klagten darüber, so dass die Stadt Reutlingen bereits 1819 aufgefordert werden musste, diese Mängel unverzüglich zu beseitigen – mit der Androhung, dass die „Regierung“ sonst in eine andere Stadt verlegt wird.[1]

Da das ehemalige Klostergebäude mit der Zeit als Regierungssitz nicht mehr ausreichte, wurde ein neues Gebäude in der Bismarckstraße erbaut, fertiggestellt 1905, in dem sich heute das Landratsamt befindet.[1]

Der Schwarzwaldkreis hatte auch ein eigenes Gericht. Es war ein Berufungsgericht, das die Urteile der Amtsgerichte überprüfte. Sein Sitz war Tübingen, was ein Ersatz für das bis 1806 dort befindliche Hofgericht sein sollte. Für das Gericht des Schwarzwaldkreises wurde ein neues Gebäude an der Ecke des Holzmarktes und der Neuen Straße (heutige Adresse Neue Straße 1) erbaut. In dem Gebäude befand sich später des Offizierskasino und 1912 wurde es an privat verkauft und zu einem Handelshaus umgebaut.

Der Schwarzwaldkreis gliederte sich in folgende Oberämter, die in etwa heutigen Landkreisen entsprachen:

Karte des Schwarzwaldkreises
Oberamt Autokennzeichen
Balingen III H
Calw III H
Freudenstadt III H
Herrenberg III H
Horb III H
Nagold III H
Neuenbürg III K
Nürtingen III K
Oberndorf III K
Reutlingen III K
Rottenburg III K
Rottweil III M
Spaichingen III M
Sulz III M
Tübingen III M
Tuttlingen III M
Urach III M

DirektorenBearbeiten

Die Regierung des Schwarzwaldkreises wurde von einem Regierungsdirektor geleitet. Der König konnte ihm den Ehrentitel Regierungspräsident verleihen.

Siehe auchBearbeiten

NachweiseBearbeiten

  1. a b »Regierung« in der Achalmstadt. In: »Tübinger Wochenblatt« 25. Oktober 2018, S. 7.