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Schlacht von Aljubarrota
Die Schlacht von Aljubarrota; rechts die siegreichen Portugiesen (aus der Chronik Großbritanniens von Jean de Wavrin)
Die Schlacht von Aljubarrota; rechts die siegreichen Portugiesen (aus der Chronik Großbritanniens von Jean de Wavrin)
Datum 14. August 1385
Ort bei Aljubarrota
Ausgang entscheidender Sieg der Portugiesen
Konfliktparteien

Blason Castille Léon.svg Kastilien-León
Blason pays fr FranceAncien.svg Königreich Frankreich

Armoires portugal 1385.svg Königreich Portugal
Royal Arms of England (1340-1367).svg Königreich England

Befehlshaber

Blason Castille Léon.svg Johann I.

Ordem Avis.svg Johann von Avis
Armas pereira.svg Nuno Álvares Pereira

Truppenstärke
ca. 31.000 Mann ca. 6.500 Mann
Verluste

4.000 Gefallene
5.000 Gefangene
4.000 auf der Flucht gefallen

Weniger als 1.000 Gefallene

Die Schlacht von Aljubarrota war eine entscheidende Schlacht, die am 14. August 1385 zwischen den Armeen König Johanns I. von Kastilien und Johanns von Avis, des späteren Johann I. von Portugal, stattfand und die Unabhängigkeit Portugals sicherte. Sie ist nach der damals zur Abtei von Alcobaça gehörenden Stadt Aljubarrota benannt, in deren Nähe sie stattfand.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Die Rückeroberung der nördlichen Landesteile des heutigen Portugals von den Mauren (Reconquista) wurde zuerst von den Königen von Asturien-León durchgeführt. Auf den Territorien des späteren Portugal entwickelte sich ab 868 in der Gegend um Porto die „erste“ Grafschaft Portucale (Condado Portucalense) mit dynastischer Erbfolge im Bestand des Königreiches Asturien-León, die bis in das Jahr 1070 Bestand hatte.

1095 erhielt Heinrich von Burgund, ein jüngerer Abkömmling der kapetingischen Herzöge von Burgund und Schwiegersohn von Alfons VI., König von Asturien-León, die Grafschaft Portucale erneut als erbliches Lehen. Es begann ein Prozess, in dem sich Portugal langsam aus der Lehnsabhängigkeit von Asturien-León, beziehungsweise später von Kastilien, dem Nachfolgestaat von Asturien-León, löste und so seine Unabhängigkeit erlangte. Dieser Prozess endete mit dem Vertrag von Zamora 1143, der es dem letzten Grafen von Portugal, Alfons Henriques, erlaubte, den Königstitel anzunehmen. Heinrich von Burgund und sein Sohn Alfons Henriques gründeten auch das erste portugiesische Königshaus, das Haus der portugiesischen Burgunderkönige, das das Land bis 1383 beherrschte. Die Könige des benachbarten Kastilien waren gleichwohl bestrebt die alte Lehnshoheit wiederherzustellen und warteten dazu auf eine günstige Gelegenheit.

Eine solche Gelegenheit für Kastilien bot sich 1382/83. Der damalige portugiesische König Ferdinand I., der Schöne, war nach dem Tod seiner Söhne ohne legitimen männlichen Nachkommen, mit seinem Tode würde also das Haus Burgund in Portugal aussterben. Das kastilische Königshaus war damals durch familiäre Bande eng mit dem portugiesischen Königshaus verknüpft[1] und erhoffte sich gute Chancen, dass ihm auch die portugiesische Krone zufiele. Ferdinand, der mit Kastilien im Krieg lag, versuchte erfolglos seine einzige erbberechtigte Tochter Beatrix mit einem englischen Prinzen zu verheiraten, um die Unabhängigkeit Portugals gegenüber Kastilien auch über seinen Tod hinaus zu erhalten. Nach der Niederlage gegenüber Kastilien blieb ihm 1382 jedoch nichts anderes übrig, als durch Verheiratung seiner Tochter Beatrix mit dem kastilischen König Johann I. Frieden zu schließen. Die Heirat von Beatrix mit dem kastilischen König, die am 13. Mai 1383 stattfand, zementierte die kastilischen Erbansprüche auf den portugiesischen Thron. Zwar erreichte Ferdinand I. die Zusage, dass Portugal nach seinem Tode zunächst durch einen Regenten regiert werden solle bis ein zukünftiger Sohn der Beatrix alt genug sein würde, um den Thron zu übernehmen. Und sollte Beatrix keine Kinder haben, so sollte Portugal zwar an Kastilien fallen, aber dauerhafte Autonomie genießen. Es scheint allerdings fragwürdig, ob die kastilische Besitznahme nicht das dauerhafte Ende der portugiesischen Unabhängigkeit bedeutet hätte. Portugal wäre damit womöglich letztendlich zu einer spanischen Provinz geworden, vielleicht mit einer gewissen kulturellen Eigenständigkeit, vergleichbar etwa dem heutigen Galicien.

Am 22. Oktober 1383 verstarb dann Ferdinand I. Die Regentschaft wurde zunächst von Ferdinands Witwe, Leonore Teles de Menezes, und deren Liebhaber, dem pro-kastilischen galicischen Grafen von Ourém geführt. Das portugiesische Volk aber misstraute Kastilien und den von kastilischer Seite gemachten Autonomieversprechen und nach nur sechs Wochen kam es zu einem Aufstand, der so genannten Portugiesische Revolution von 1383. Die Witwe Ferdinands wurde aus Lissabon verjagt, ihr Liebhaber getötet. Johann von Avis, Großmeister des Ritterordens von Avis und Halbbruder des verstorbenen Ferdinands, übernahm die Führung des Aufstandes. Johann von Avis war zwar über seinen Vater, König Peter I., ebenfalls Abkömmling der Burgunderkönige, konnte jedoch formal keine Erbansprüche auf den Thron erheben, da er unehelich geboren war.

Johann I. von Kastilien sah den Sturz der Witwe Ferdinands richtigerweise als unmittelbare Bedrohung seiner Machtansprüche. Er marschierte daraufhin mit einem großen Heer in Portugal ein. Er bekam dabei Unterstützung von Frankreich, weil Portugal ein Verbündeter Englands war. Johann von Avis wurde daraufhin vom portugiesischen Adelsparlament, den Cortes, in Coimbra zum Verteidiger und König des Vaterlandes erklärt. Er bekam dabei die Unterstützung von England, die ein letztes Mal durch diesen Krieg versuchen wollte, die französisch-freundlichen Trastamaras vom kastilischen Thron zu vertreiben und somit die kastilische Flotte zu neutralisieren, die Frankreich unterstützte und England bedrohte.

Die SchlachtBearbeiten

Die Schlacht von Aljubarrota am 14. August 1385 fiel in eine entscheidende Phase der kastilisch-portugiesischen Auseinandersetzung. Nachdem er 1384 die Belagerung Lissabons aufgeben musste, zog König Johann I. von Kastilien im nächsten Jahr erneut seine Truppen zusammen, um nochmals zu versuchen, Portugal zu erobern und seine Ansprüche auf den portugiesischen Thron durchzusetzen. Dabei bekam er militärische Hilfe von den Franzosen, die ihm ihre Kavallerie zur Verfügung stellte. Den Portugiesen war aber bewusst, was Johann I vorhatte und bereiteten sich ebenfalls auf die kommende Invasion vor. Dabei bekamen sie Hilfe von den Engländern, die den Portugiesen ihre Bogenschützen zur Verfügung stellte.

Am Abend des 13. August 1385 kamen die kastilischen Truppen in Leiria an. Die Schlacht sollte am folgenden Tag stattfinden. Sie dauerte nur etwas mehr als 30 Minuten.[2] Die Kastilier waren den Portugiesen zahlenmäßig weit überlegen, zudem war die kastilische Armee besser ausgerüstet. Trotzdem gelang es den Portugiesen, Kastilien während der Schlacht vernichtend zu schlagen, was besonders dem militärisch-taktischen Genie des Nuno Álvares Pereira und der militärischen Hilfe Englands zu verdanken war. Erneut bewies sich die defensive, englische Taktik, die Nuno Alvares Pereira auf dem Schlachtfeld anwendete, als überlegen gegenüber der offensiven, französischen Taktik so wie sie bereits während der Schlacht von Crecy und der Schlacht von Poitiers mit vollem Erfolg angewendet wurde. Die Kastilier wurden dann auf diese Weise systematisch dezimiert und geschlagen.

Als dann die kastilische Fahne schließlich von den portugiesischen Truppen erobert wurde, kam es daraufhin zu einem panikartigen Rückzug von Seiten der kastilischen Truppen.[3] Auf der Flucht wurden dann genauso viele Soldaten Kastiliens getötet wie während der Schlacht. Zusätzlich wurden auch bei diesem Ereignis Tausende von Kastiler gefangengenommen. Ganze militärische Einheiten wurden ausgelöscht und viele Mitglieder des hohen Adels in Kastilien gehörten auch zu den Toten, darunter auch der Admiral von Kastilien Juan Fernández de Tovar. Wegen dieser Katastrophe war das Königreich Kastilien zwei Jahre lang in Trauer wegen der toten Soldaten und der toten Adligen.

 
Schematische Schlachtordnungen bei der militärischen Auseinandersetzung von Aljubarrota

BedeutungBearbeiten

Mit dem portugiesischen Sieg war die Unabhängigkeit Portugals dauerhaft gesichert und die kastilischen Ansprüche gegenüber Portugal bis auf Weiteres abgewehrt. Für Johann von Avis machte sie den Weg frei, sich als Johann I. zum König krönen zu lassen. Er begründete so die Herrschaft des Hauses Avis, die Portugal bis 1580 regieren sollte. Zum Andenken an die Schlacht wurde von Johann nahe dem Schlachtfeld das Kloster Batalha gegründet, das von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Die Schlacht trug auch zum temporären Frieden während der ersten Phase des Hundertjährigen Krieges bei, da er Frankreich die Grenzen ihrer offensiven Möglichkeiten gegenüber England zeigte. Da Portugal wegen der Kriege erschöpft war und England keine weiteren Fortschritte in seinem Vorhaben erreichen konnte den kastilischen Thron zu bekommen, weil sie keine Unterstützung mehr dafür in Kastilien gewinnen konnte, gaben sie ebenfalls ihr Bemühen auf, den Krieg gegen Frankreich und Kastilien, der für sie ungünstig verlief, fortfahren zu wollen. Auch Kastilien war aufgrund der Niederlage in Portugal kriegsmüde geworden. So kam es später zum temporären Frieden zwischen den beiden Gegnern, wobei England die meisten Besitztümer in Frankreich aufgeben musste.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • De Oliveira Marques, D.: Historia de Portugal, vol. 1, Lisboa, Presença, 1997.
  • Lopes, Fernão Crónica de D.: João I, vol. 1, s. l., Civilização, imp. 1994.
  • Aljubarrota, João Gouveia Monteiro: 1385: a batalha real, Lisboa, Tribuna da História, imp. 2003.

Anmerkungen und EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der Vater König Johanns I. von Kastilien und die Großmutter König Ferdinands von Portugal waren Geschwister, auch die Mutter König Ferdinands war eine kastilische Prinzessin.
  2. Filters: Group: Portugal, Burgundian (Alfonsine) Kingdom of Jeff Moran’s History Atlas. Abgerufen am 30. August 2018 (englisch).
  3. La Batalla de Aljubarrota Geo-Historia. Abgerufen am 29. August 2018 (spanisch).