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Schürmann Architekten (Münster)

Dynastie von Architekten
Die Bahn des Laoshan-Velodroms wurde von Ralph Schürmann für die Olympischen Spiele 2008 geplant
Ralph Schürmann schraubt das Denkmal-Schild an die von seinem Großvater erbaute Radrennbahn Bielefeld, die im August 2012 in die Denkmalliste eingetragen wurde.

Schürmann Architekten (Schuermann Architects) ist ein Architekturbüro in Münster, das seit drei Generationen von Mitgliedern der Familie Schürmann betrieben wird. Spezialität des Büros ist die Planung Bau von Radrennbahnen.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der Gründer des Architektenbüros, Clemens Schürmann (1888–1957), war vor seiner Zeit als Architekt aktiver Radrennfahrer (Sprinter) und zählte zu seiner Zeit zur Spitzenklasse, so dass er genau wusste „Was er für Wen und zu Welchem Zweck“ baute, und „man kann fast behaupten, daß es kaum noch bemerkenswerte Bahnen in der Welt gibt, die nicht den ‚Schürmann-Stempel‘ tragen [und] ‚Tempel‘ geworden sind, denen man heute allseitige Bewunderung zukommen läßt“.[1] Die von ihm Anfang der 1950er Jahre geplante Radrennbahn Bielefeld wurde im August 2012 in die Denkmalliste eingetragen.[2]

Ihm folgten in der Leitung des Büros 1950 sein Sohn Herbert (1925–1994) sowie 1985 sein Enkel Ralph Schürmann (* 1953). Die Planung der Radrennbahnen basiert weiterhin auf den Erkenntnissen von Clemens Schürmann, die inzwischen in ein selbstgeschriebenes Computerprogramm eingeflossen sind.[3]

So plante Clemens Schürmann 1932 die Radrennbahn im Stadio Nazionale del PNF in Rom, auf der im selben Jahr die Bahnweltmeisterschaften ausgetragen wurden und der Kölner Albert Richter den Titel bei den Amateur-Sprintern errang. Die Bahn wurde später ab- und als Vigorelli-Bahn in Mailand wieder aufgebaut und erhielt den Beinamen pista magica. Rund 60 Jahre später planten Herbert und Ralph Schürmann das Radstadion Köln, dessen Bahn 1996 wiederum nach Richter benannt wurde.[4]

Der erfolgreiche Dortmunder Radrennfahrer Walter Schürmann (Deutscher Amateur-Straßenmeister 1949) ist nicht mit der Familie Schürmann aus Münster verwandt. Auch gibt es keine verwandtschaftlichen Beziehungen zur Familie des Architekten Joachim Schürmann.

BeschreibungBearbeiten

Seit 1925 hat das Büro über 140 Radrennbahnen weltweit geplant, u. a. Radrennbahnen für neun Olympische Spiele (Berlin 1936, Rom 1960, Mexico 1968, München 1972, Seoul 1986, Barcelona 1992, Peking 2008, Rio 2016 und Tokio 2020), die Vigorelli-Bahn in Mailand, die Bahn im Berliner Velodrom und diejenige im World Cycling Centre des Weltradsportverbandes Union Cycliste Internationale (UCI) im schweizerischen Aigle sowie das Radstadion Köln. Letzte Bauten waren die Bahn im Velodrom von Guangzhou in China für die Asienspiele 2010, im Izu Velodrome im japanischen Izu, das Wettkampfstätte der Olympischen Sommerspiele 2020 wird, sowie die Piste im Sir Chris Hoy Velodrome in Glasgow für die Commonwealth Games 2014 und dem Vélodrome National in Saint-Quentin-en-Yvelines in der Nähe von Paris, in dem die UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2015 ausgetragen wurden.

SchriftenBearbeiten

  • Ralph Schürmann, Gerhard Voß: Velodromes. 1988.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schürmann Architekten (Münster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Werner Scharch: Bahnradrennsport. Teningen 1977, S. 42
  2. Neue Westfälische v. 14. August 2012
  3. Markus Kampmann: Der münsterische Architekt Ralph Schürmann plant und baut Radrennstrecken / Mit Großvater Clemens fing alles an. In: wn.de. 6. August 2016, abgerufen am 11. August 2018.
  4. Renate Franz: Der vergessene Weltmeister. Das rätselhafte Schicksal des Radrennfahrers. Covadonga, 2007, ISBN 978-3-936973-34-1, S. 179 f.