Sarnaismus ist eine Naturreligion aus Indien. Sarna sind heilige Haine in der hinduistischen Traditionen der Chota-Nagpur-Plateau-Region in den Staaten Jharkhand, Bihar, Assam, und Chhattisgarh.[1] Dem lokalen Glauben zufolge wohnt eine Gram deoti oder Dorfgottheit im Sarna, wo zweimal im Jahr Opfer dargebracht werden. Ihr Glaubenssystem wird auchSarna Dharma genannt.[2]

EtymologieBearbeiten

Sarna bedeutet „Hain“ und ist etymologisch mit dem Namen des Salbaums verwandt.

TheologieBearbeiten

Die Anhänger des Sarnaismus glauben an eine Dorfgottheit als Beschützer des Dorfes, die als Gaon khunt, Gram deoti, Dharmes, Marang Buru, Singbonga oder mit anderen Namen von verschiedenen Stämmen bezeichnet wird, und verehren sie.[3] Die Anhänger glauben auch an Dharti ayo oder Chalapachho Devi, die Muttergöttin, die mit der Erde oder der Natur identifiziert wird, und verehren sie.

Anbetungsstätten und RitenBearbeiten

Sarna ist ein Ort der Anbetung, ein heiliger Hain in Chotanagpur. Er wird bei den Kudumi Mahato auch gram than, unter den Santal Jaher than oder Jaher gar genannt und ist in Dörfern zu finden. Im heiligen Hain stehen Sal-Bäume. Die Zeremonien werden von der gesamten Dorfgemeinschaft bei einer öffentlichen Versammlung unter aktiver Beteiligung von Dorfpriestern, pahan und Assistenten Pujar in Chotanagpur durchgeführt. Der Priester wird bei den Santal Naike genannt. Der Sthal besteht in der Regel aus mehreren Bäumen wie Sal, mahua, Neem und Banyan.

Das wichtigste Fest des Sarnaismus ist Sarhul, ein Fest, bei dem die Gläubigen ihre Vorfahren verehren. Während des Festes bringt der Pahan drei Wassertöpfe zum Sarna. Wenn der Pegel der Wassertöpfe sinkt, glaubt man, dass der Monsun ausbleiben wird, bleibt er jedoch gleich, wird der Monsun wie üblich kommen. Die Männer bringen dann „Sakua“-Blumen und Blätter dar.[4]

DemographieBearbeiten

Staat Bevölkerung
1. Jharkhand 4.223.500
2. West Bengal 2.512.331
3. Bihar 1.349.460
4. Chhattisgarh 768.910
5. Odisha 478,.317
Summe 7.800.000 bis 9.300.000
Quelle: Volkszählung in Indien 2011[5]

Geschichte und StatusBearbeiten

Als Folge des westlichen Kolonialismus und des westlichen Imperialismus in Asien wurden von westlichen christlichen Missionaren im kolonialen Indien mehrere Versuche der Indoktrination und Zwangsbekehrung durchgeführt, die ein Jahrhundert lang andauerten und in den Stammesgebieten des Chota Nagpur Region zu interreligiösen Konflikten führten. Auf die Ankunft der ersten deutschen protestantischen Missionare im Jahr 1845 folgten römisch-katholische Missionare; der Konflikt zwischen christlichen und nicht-christlichen Stammesangehörigen wurde 1947–1948 deutlich, als die Britischen Kolonialherren Indien verließen.[6]

Die National Commission for Scheduled Tribes (NCST) hat vorgeschlagen, der Sarna-Religion eine eigene Kategorie im Religionscode des Volkszählung in Indien zuzuweisen.[7] Mehrere Stammesorganisationen und christliche Missionare fordern einen eigenen Zählungscode für den Sarnaismus.[8][9] Der damalige indische Minister für Stammesangelegenheiten, Jual Oram, erklärte 2015 dass die Stammesangehörige Hindus seien.[10]

Die katholische Kirche in Indien, angeführt von der katholischen Erzdiözese Ranchi und den katholischen Bischöfen von Jharkhand, hat einen eigenen Religionscode für die Stammesbevölkerung unterstützt. Die frühere BJP-geführte Regierung hatte ein Anti-Konversionsgesetz eingeführt, da sie die Kirche der Zwangskonversion und der Aneignung von Land der Stammesangehörigen beschuldigte.[11] Am 12. November 2020 verabschiedete das Parlament Jharkhands einstimmig eine von der Regierung unter Chief Minister Hemant Soren (JMM) eingebrachte Resolution, in der die Aufnahme der Sarna als eigene Religion bei die Volkszählung 2021 gefordert wurde und sandte diese an die Zentralregierung zur Genehmigung.[12][13]

OrganisationenBearbeiten

  • Akhil Bharatiya Sarna Dharam (ABSD)
  • All India Sarna Dharam Mandowa (AISDM)
  • Kherwal Saonta Semled (KSS)

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

BücherBearbeiten

  • Kishor Vidya Niketan: The Spectrum of Tribal Religion in Bihar: A study of continuity & change among the Oraon of Chotanagpur. 1988.
  • Phatik Chandra Hembram: Sari-Sarna (Santhal religion). Mittal Publications, 1988, ISBN 81-7099-044-0.

ZeitschriftenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Religious Complexity in Northeastern South Asia. In: GeoCurrents. Abgerufen am 21. Oktober 2021.
  2. James Minahan: Ethnic Groups of South Asia and the Pacific: An encyclopedia (= Ethnic Groups of the World). ABC-CLIO, 2012, ISBN 978-1-59884-659-1.
  3. Amit Jha: Contemporary Religious Institutions in Tribal India. 2009, ISBN 978-0-557-09053-2 (Google Books).
  4. Malini Srivastava: The Sacred Complex of Munda Tribe. In: The Anthropologist. Band 9, Nr. 4, 1. Oktober 2007, ISSN 0972-0073, S. 327–330, doi:10.1080/09720073.2007.11891020.
  5. Fewer minor faiths in India now, finds Census; number of their adherents up. In: The Indian Express. 1. August 2016, abgerufen am 12. Juni 2021 (englisch).
  6. Tribals torn apart by religion, The Hindu. 014.
  7. ST panel for independent religion status to Sarna. In: The Times of India. 6. Februar 2011, abgerufen am 2. Dezember 2022 (en-IN).
  8. Santosh K. Kiro: Delhi demo for Sarna identity. In: The Telegraph. 2013 (Online).
  9. Pranab Mukherjee: Tribals to rally for inclusion of Sarna religion in census. In: The Times of India. 30. März 2013 (Online).
  10. All tribals are Hindus, no need for Sarna code: RSS, Times of India, 1. Mai 2015.
  11. Church writes to Hemant demanding Sarna code for tribals, Telegraph India, 19. September 2020.
  12. Jharkhand Assembly passes resolution on Sarna Code. In: The Hindu. 12. November 2020, abgerufen am 2. Dezember 2022 (en-IN).
  13. Animesh Bisoee: Tribals from nine states seek Sarna code in 2021 census. In: The Telegraph. 25. September 2021 (Online).