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Als Russland-Fanfare wurde das Fanfarensignal bezeichnet, das im Zweiten Weltkrieg seit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 die Sondermeldungen des Oberkommandos der Wehrmacht im deutschen Radio einleitete.

HerkunftBearbeiten

Das Fanfarensignal wurde dem Werk Les Préludes von Franz Liszt entlehnt.

VerwendungBearbeiten

Zu Beginn des Westfeldzugs war ein Signal benutzt worden, das aus dem Lied Die Wacht am Rhein stammte und auch Frankreich-Fanfare genannt wurde.

Die Russland-Fanfare wurde auch am Ende des Liedes Von Finnland bis zum Schwarzen Meer gespielt. Das Lied war am Morgen des 20. Juni 1941, zwei Tage vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, fertiggestellt worden; Propagandaminister Joseph Goebbels hatte die Erstellung von Text und Melodie persönlich überwacht. Er ordnete auch die Auswahl und Bearbeitung des Liszt-Stückes als Erkennungsmelodie an, bei dem er lyrische Elemente tilgen, den Satz vereinfachen und den Einsatz von Streichern minimieren ließ, um die Rolle der Pauken zu betonen und damit einen „militante[n] Tusch“ zu erreichen. Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS ließ im Sommer 1940 bei Testhörern in mehreren Großstädten die Wirkung messen; „die Einleitung der Proklamation des Führers“ mit den Präludien sei als „sehr wirksam angesehen worden“, auch wenn angemerkt wurde, „die geradezu feierlichen und weihevollen Akkorde“ nähmen dem Horst-Wessel-Lied „die zündende Wirkung“.[1] Die majestätischen Züge der Fanfare sollten die vom Regime intendierte Bedeutung des Feldzugs als welthistorisches Ereignis illustrieren.[2]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Fred K. Prieberg: Musik im NS-Staat. Frankfurt am Main 1982, S. 339 f.
  • Hanns-Werner Heister, Jochem Wolff: Macht und Schicksal. Klassik, Fanfaren, höhere Durchhaltemusik. In: ders., Hans Günter Klein (Hrsg.): Musik und Musikpolitik im faschistischen Deutschland. Frankfurt am Main 1984, S. 123.
  • Volker Mall: Festmusik und Sondermeldungsfanfare. In: Neue Musikzeitung, Nr. 4/1998, S. 24.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Oliver Rathkolb: Zeitgeschichtliche Notizen zur politischen Rezeption des „europäischen Phänomens Franz Liszt“ während der nationalsozialistischen Ara. In: Liszt heute. Bericht über das Internationale Symposium, Eisenstadt 8.–11. Mai 1986 (= Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Bd. 78). Eisenstadt 1987, S. 45–55, hier S. 51 (PDF).
  2. Frank Trommler: Conducting Music, Conducting War. In: Nora M. Alter, Lutz Koepnick (Hrsg.): Sound Matters. Essays on the Acoustics of German Culture. Berghahn, New York 2004, ISBN 1-57181-436-1, S. 65–76, hier S. 71.