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Ronald Augustin

niederländisches Mitglied der Rote Armee Fraktion

Ronald Augustin (* 20. November 1949 in Amsterdam) ist ein ehemaliges Mitglied der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF). Er wird der ersten Generation der RAF zugerechnet. Von 1973 bis 1980 verbüßte er eine Freiheitsstrafe.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Ronald Augustin entstammt einer niederländisch-deutschen Familie. Nach der Realschule machte er eine Lehre als Grafiker. Schon in seiner Jugend beteiligte er sich an Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Ab 1967 arbeitete er in der Redaktion verschiedener Alternativzeitschriften in Holland und England.[3] Von London zog er 1969 nach West-Berlin, wo er sich 1971 der RAF anschloss.[3] Am 24. Juli 1973 wurde er im Zug von Utrecht nach Hamburg festgenommen und am 24. April 1975 bei einem Prozess in Bückeburg wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Urkundenfälschung und Vergehen gegen das Waffengesetz zu insgesamt siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, die auf sechs Jahre zusammengezogen wurden.[4][5] Des Weiteren erhielt Augustin eine sechsmonatige Beugehaft wegen Aussageverweigerung im Prozess gegen Bernhard Braun und Irmgard Möller sowie mehrere Ordnungsstrafen in anderen Verfahren.[6][7]

Nach Aufenthalten in den Gefängnissen von Köln, Wittlich und Stammheim war Augustin ab Mai 1974 in der Justizvollzugsanstalt Hannover inhaftiert, wo er bis zu seiner Entlassung am 7. März 1980 die meiste Zeit in Einzelhaft verbrachte.[8] Augustin beteiligte sich an mehreren Hungerstreiks. Im dritten Hungerstreik der inhaftierten RAF-Mitglieder wurde ihm auf Anordnung des niedersächsischen Justizministeriums vom 14. bis zum 18. Oktober 1974 das Wasser entzogen.[9] Die Maßnahme wurde erst aufgehoben, als die anderen Gefangenen aus Solidarität in den Durststreik traten.[10]

Der Prozess gegen ihn fand in einer eigens gebauten Mehrzweckhalle in der Justizvollzugsanstalt Bückeburg statt, als „Generalprobe“ für den Prozess gegen Baader, Ensslin, Meinhof, Meins und Raspe.[11] Zu seinen Verteidigern zählten die Rechtsanwälte Pieter Bakker Schut, Klaus Croissant, Kurt Groenewold und Hans-Christian Ströbele.[12]

Augustin hat im Internationalen Institut für Sozialgeschichte ein Archiv zur RAF zusammengestellt.[13]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Joachim Kalz: Zielscheibe Mensch. tredition, 2008, ISBN 9783868501063, S. 25. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. Christiane Schlötzer: Die RAF-Legende vom Verräter – Verfolgt vom bleiernen Schatten. In: sueddeutsche.de. 19. Mai 2010, abgerufen am 1. Januar 2015.
  3. a b B. van der Steen: Interview met Ronald Augustin Oral History, Universiteit van Leiden, Januar 2004
  4. LG Osnabrück, Urteil vom 24. April 1975
  5. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. April 1975
  6. OLG Stuttgart, Beschluss vom 3. August 1976
  7. LG Heidelberg, Beschluss vom 24. Juli 1978
  8. Klaus Croissant u. a. (Hrsg.): Politische Prozesse ohne Verteidigung? Wagenbach Verlag, West-Berlin 1976, S. 33–34
  9. Auf der Kippe. In: Der Spiegel. Nr. 45, 1974 (online).
  10. Pressemitteilung und Akten zum Wasserentzug bei Ron Augustin
  11. Presse zu den Prozessen – Social History Portal. In: socialhistoryportal.org. Abgerufen am 1. Januar 2015.
  12. Presse zu den Prozessen – Social History Portal. In: socialhistoryportal.org. Abgerufen am 1. Januar 2015.
  13. Rote Armee Fraktion Collection (Memento vom 27. September 2012 im Internet Archive)