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Romeo Franz

deutscher Musiker und Politiker (Bündnis 90/Die Grünen), MdEP

Romeo Peter Schischo Franz[1] (* 28. Oktober 1966 in Kaiserslautern) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen), Geiger und Pianist sowie Vertreter des traditionellen Sinti-Jazz im Stil von Schnuckenack Reinhardt und Stéphane Grappelli. Im Juli 2018 rückte er als Mitglied ins Europäische Parlament nach,[2] 2019 wurde er direkt wiedergewählt.

Seit 2014 ist Romeo Franz geschäftsführender Direktor der Hildegard-Lagrenne-Stiftung und engagiert sich seit über 20 Jahren in der Bürgerrechtsarbeit zum Thema „Menschen mit Romno-Hintergrund (Sinti und Roma)“.

Leben und MusikBearbeiten

Romeo Franz ist ein Meisterschüler von Schnuckenack Reinhardt, entstammt einer Musikerfamilie und kam deshalb sehr früh mit der Musik in Kontakt. Er genoss mit neun Jahren eine musikalische Ausbildung. Erste öffentliche Auftritte erfolgten mit elf Jahren.

Mit 23 Jahren gründete er seine erste eigene Band, das Romeo Franz Ensemble. In der folgenden Zeit stand Romeo Franz mit vielen Musikern auf der Bühne: Schnuckenack Reinhardt, Biréli Lagrène, Dorado Schmitt, Greetje Kauffeld, Martin Taylor, Joe Bawelino, Jermaine Landsberger, Max von Thun, um einige zu nennen. Ein besonderes Highlight war für Romeo Franz die Einladung, 2007 für Stevie Wonder in München zu spielen.

Im Jahr 1991 gründete sich das Romeo Franz Ensemble mit den Gründungsmitgliedern Romeo Franz, Thomas Stützel, Uli Bund und Lulo Reinhardt. Später kamen Unge Schmidt, Joe Bawelino, Frédéric Schlick und Dunja Blum hinzu, Reinhardt schied aus.[3]

Seit 1998 setzt Romeo Franz sich ehrenamtlich für die Bürgerrechte der Sinti und Roma ein. Von 2003 bis 2013 war er stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes deutscher Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz und Mitglied im Vorstand des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma. 2010 gründete er die Bildungs- und Kulturinitiative der Sinti und Roma, deren Vorsitzender er ist.

Romeo Franz ist Komponist des Violinenstückes Mare Manuschenge, das als akustischer Teil im Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin integriert ist. Er ist Argumentationstrainer gegen rechte Stammtischparolen, besucht Schulen und andere öffentliche Institutionen, um Referate zu Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Sinti und Roma zu halten.

Romeo Franz lebt in Ludwigshafen am Rhein.

Politisches EngagementBearbeiten

Engagement für Sinti und RomaBearbeiten

Romeo Franz engagiert sich sehr intensiv für die Erhaltung der Kultur der deutschen Sinti im Bereich Musik, Lyrik und Sprache. Daraus entstanden Projekte wie z. B.„Rom som – Ich bin ein Mensch“ – Lyrik und Musik der Sinti und Roma, das er gemeinsam mit Anita Awosusi entwickelte. Das Projekt wurde zum zehnjährigen Bestehen des Dokumentations- und Kulturzentrum der Sinti und Roma in Heidelberg von der Bundesregierung als besonderes wertvolles Projekt gelobt. Das Projekt „Paramisi“ – Erzählungen und Lieder der Sinti und Roma ist das jüngste Projekt, das Romeo Franz mit Reinhold Lagrene ausgearbeitet hat.

Romeo Franz ist der Geschäftsführer der 2012 gegründeten Hildegard-Lagrenne-Stiftung, in deren Vorstand Elizabeta Jonuz, Jane Schuch und Daniel Strauß sitzen. Ihr Zweck ist vorrangig, gegen Antiziganismus im Bildungsbereich zu wirken. Kinder, Jugendliche wie auch erwachsene Sinti und Roma werden in ihren Bildungskarrieren finanziell unterstützt. Die Stiftung entwickelt und fördert weiterhin Projekte dazu, unterstützt aber auch vor Ort andere benachteiligte Familien. Die Stiftung nimmt sich auch der Verbesserung der Situation der sich in Deutschland aufhaltenden Roma in ihren europäischen Herkunftsländern an. Wichtiges Prinzip ist, dass das Kapital der Stiftung sowie dessen Verwaltung ausschließlich von Sinti und Roma bestritten werden.[4]

Romeo Franz ist seit 2013 berufenes Mitglied im Rat für die Angelegenheiten der deutschen Sinti und Roma in Baden-Württemberg.[5] 2016 wurde Romeo Franz vom Bundesvorstand des Bündnis 90/Die Grünen zum Beauftragten für Sinti und Roma in Deutschland berufen.

Einzug ins Europäische ParlamentBearbeiten

Seit 2010 ist Romeo Franz Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Für die Bundestagswahl 2013 trat er als Direktkandidat im Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal[6] und an sechster Stelle der Landesliste an, doch schaffte er den Einzug in den Bundestag nicht.

Für die Europawahl 2014 nominierte ihn die Bundesdelegiertenkonferenz der Partei auf den zwölften Listenplatz.[7] Die Partei gewann jedoch mit 10,7 Prozent nur elf der 96 deutschen Mandate, sodass Franz den direkte Einzug verpasste. Erst knapp vier Jahre später, nach dem der Abgeordnete Jan Philipp Albrecht als Minister in die Landesregierung Schleswig-Holsteins unter Daniel Günther berufen wurde und damit sein Mandat im Europaparlament aufgab, konnte Franz im Juli 2018 nachrücken. Im Europaparlament trat Franz der Fraktion Die Grünen/EFA war, für die er Mitglied im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres sowie im Sonderausschuss Terrorismus war. Ebenso war er Mitglied in der Delegation für die Beziehungen zu Israel.[8]

Im November 2018 kandidierte Franz erneut auf dem Bundesdelegiertenkonferenz der Partei für die Europawahlliste. Die Delegierten nominierten ihn für den zehnten Listenplatz.[9] Bei der Europawahl 2019 gewann Bündnis 90/Die Grünen mit 20,5 Prozent der Stimmen 21 der 96 deutschen Mandate, sodass Franz direkt einzog. Wieder als Mitglied der Fraktion Die Grünen/EFA ist er in den neunten Legislaturperiode (2019–2024) Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung sowie stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten sowie für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres.[10]

Fernsehen (Auswahl)Bearbeiten

DiskographieBearbeiten

Romeo Franz EnsembleBearbeiten

  • Fo(u)r Friends (CD, 1994)
  • Golden Earrings (CD, 1996)
  • Volume 2 (CD, 1996)
  • Jazzuny (CD)
  • Hot, Swing and More (CD, 2001)
  • Single CD The World is Waiting for the Sunrise

AndereBearbeiten

  • Lulu Weiss Quartett Gipsy Dreams (LP)
  • Manolito (MC)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alphabetisches Verzeichnis aller Gewählten - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  2. Susanne Höll: Romeo Franz: Der Grüne zieht als erster Sinto ins Europaparlament ein. Er nimmt seine Geige mit. In: sueddeutsche.de. 21. Juni 2018, abgerufen am 27. April 2019.
  3. Romeo Franz Ensemble. In: swing-rfe.de. Archiviert vom Original am 1. September 2010; abgerufen am 27. April 2019.
  4. Die Hildegard Lagrenne Stiftung für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland, Website der Hildegard Lagrenne Stiftung. Archiviert vom Original am 22. Februar 2016; abgerufen am 27. April 2019.
    Petra Čagalj-Sejdi, Kathrin Bast, Romeo Franz: Nur Show oder neue Wege? Kritische Perspektiven auf bisherige Anti-Diskriminierungs- und Empowerment-Politiken. (mp3-Audio, 37:53 Minuten) In: Herbstschule Antiromaismus in Dresden. 26. September 2016, abgerufen am 27. April 2019 (wiedergegeben auf soundcloud.com).
  5. Zusammenarbeit mit den deutschen Sinti und Roma in Baden-Württemberg. Staatsministerium Baden-Württemberg, abgerufen am 27. April 2019.
    Rat für die Angelegenheiten der deutschen Sinti und Roma in Baden-Württemberg. (pdf, 101 kB) Staatsministerium Baden-Württemberg, 6. September 2017, abgerufen am 27. April 2019.
  6. Matthias Kamann: Romeo Franz will erster Sinto im Bundestag werden. In: Die Welt. 7. Juli 2013, abgerufen am 30. Januar 2014.
  7. Deutscher Sinto in Straßburg? In: taz.de. 10. Februar 2014, S. 3, abgerufen am 27. April 2019.
  8. 8. Wahlperiode | Romeo FRANZ | Abgeordnete | Europäisches Parlament. Abgerufen am 7. Juli 2019.
  9. Grüne Europaliste. Abgerufen am 7. Juli 2019.
  10. Home | Romeo FRANZ | Abgeordnete | Europäisches Parlament. Abgerufen am 7. Juli 2019.