Rittmarshausen

Ortsteil von Gleichen

Rittmarshausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Gleichen im Landkreis Göttingen mit 682 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2020).[1] Durch Rittmarshausen fließt die Garte, ein 23 km langer Nebenfluss der Leine.

Rittmarshausen
Einheitsgemeinde Gleichen
Wappen der bis 1973 selbstständigen Gemeinde Rittmarshausen
Koordinaten: 51° 28′ 57″ N, 10° 6′ 12″ O
Einwohner: 682 (1. Jan. 2020)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 37130
Vorwahl: 05508
Karte
Der Ortsteil Rittmarshausen liegt im östlichen Bereich der Gemeinde Gleichen
Rittmarshausen um 1654–58 bei Matthäus Merian
Thieplatz in Rittmarshausen

GeschichteBearbeiten

Die Ersterwähnung Rittmarshausen als Rathmerishusen in einer Urkunde, die auf den Zeitraum zwischen 1118 und 1137 zu datieren ist, stellt sich als eine Fälschung aus dem 13. beziehungsweise beginnenden 15. Jahrhundert dar. Die erste gesicherte Nennung fällt dagegen mit dem Ortsnamen Retmershusen in das Jahr 1318.[2]

1839 wurde das hiesige Amt in das Amt Reinhausen eingegliedert.[3]

1933 entstand in dem leerstehenden Gebäude einer alten Zuckerfabrik zunächst ein Lager des freiwilligen Arbeitsdienstes, welches 1937 renoviert wurde und als Stätte für eine Reihe von studentischen Führungs- und Fachschaftslagern sowie Lehrerfortbildungseminaren diente. Zudem fanden dort Lager für Universitätsdozenten statt. Es stellte das erste reichsweite Dozentenlager und das fünfte auf Reichsebene dar.[4] Nach 1945 diente es als Unterkunft für Vertriebene und Flüchtlinge aus den vormals ostdeutschen Gebieten.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde Rittmarshausen am 1. Januar 1973 ein Ortsteil der neu gebildeten Gemeinde Gleichen.[5]

PolitikBearbeiten

Der Ortsrat setzt sich aus fünf Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Die Wählergemeinschaft Rittmarshausen hat 5 Sitze. (Stand: Kommunalwahl am 11. September 2016)[6]

Ortsbürgermeister von Rittmarshausen ist Chicgoua Noubactep.[7]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Rot zwei übereinander liegende goldene (gelbe) Zinnenbalken; darüber ein golden (gelb) bewehrter silberner (weißer) Sittich.“
Wappenbegründung: Das von Otto Rössler von Wildenhain entworfene Wappen wurde vom niedersächsischen Ministerium des Inneren am 28. September 1948 genehmigt. Der Zinnenbalken entstammt dem Wappen der Herren von Uslar und der Sittich dem der Herren von Berlepsch, welche im Mittelalter großen Einfluss im Ort hatten.[8]

ReligionBearbeiten

 
Marienkirche

Die Marienkirche ist mit einer Heyder-Orgel ausgestattet. Ihre Gemeinde gehört zum Kirchenkreis Göttingen, um die Mitte des 19. Jahrhunderts bildete sie eine Filialkirche von Kerstlingerode. Das heutige Gebäude wurde von der damaligen Gutsherrschaft 1765 erbaut und der Gemeinde übergeben. 1797 schlug ein Blitz in den Kirchturmwer ein, jedoch ohne größere Schäden anzurichten. Knapp 40 Jahre später musste aber sie allerdings von der Kirchenkommission geschlossen werden, das Dach befand sich in einem zunehmend schlechten Zustand, das Balkenwerk war verfault und der Turm hatte sich gesenkt. Erst 1840 fand eine Ausbesserung statt, so dass in jenem Jahr am Sonntag nach Michaelis das Haus neu geweiht werden konnte. Zu den Renovierungsarbeiten zählte unter anderem, dass auf dem mit neuem Schiefer beschlagenem Turm ein Kopf aufgesteckt wurde, in den man Münzen und eine Urkunde gelegt hatte. Weiterhin stützen 4 Säulen im Inneren der Kirche den Turm ab.[9] Eine erneute grundlegende Sanierung wurde 2015–16 durchgeführt. Dabei wurde insbesondere das Dach neu gedeckt und die Innendecke erneuert. In einem zweiten Bauabschnitt wurde das Mauerwerk ausgebessert und die Kirche erhielt – ähnlich wie ursprünglich – wieder einen Außenputz, und zwar in einem sandfarbenen Ton ohne zusätzlichen Anstrich.[10][11]

Die katholische Kapelle in der früheren Zuckerfabrik wurde 1958 geweiht. Ihre Pfarrgemeinde heißt Maria Frieden und gehört zum Bistum Hildesheim. 1997 wurde eine neue Kapelle eröffnet, die Heiliges Kreuz heißt.

RittergutBearbeiten

 
Herrenhaus

Der Gutshof ging 1707 nach vormaligem Besitz der Herren von Kerstlingerode und der Herren von Uslar-Gleichen an Friedrich Wilhelm von Schlitz, der dort neue Gebäude errichten ließ. Das in den Jahren 1714 bis 1716 erbaute Schloss, in dem noch Bauteile aus dem 16. Jahrhundert erhalten sind, war bis 1839 Sitz des Adligen Gerichts Garte und befindet sich noch im Besitz von weiblichen Nachfahren der gräflichen Familie von Schlitz genannt von Görtz und von Wrisberg.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter

  • Christian Lehmann (* 1948), Sprachwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft
  • Werner Schröder (1916–2010), war von 1968 bis 1979 Richter am deutschen Bundessozialgericht

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Rittmarshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Einwohner der Gemeinde Gleichen (Stand 1. Januar 2020), abgerufen am 5. Dezember 2020
  2. Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB). Teil IV. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-494-X, S. 341–343.
  3. Wilhelm van Kempen: Schlösser und Herrensitze in Niedersachsen. 1960, S. 107.
  4. Hans-Joachim Dahms: Einleitung. In: Heinrich Becker, Hans-Joachim Dahms, Cornelia Wegeler (Hrsg.): Die Universität Göttingen unter dem Nationalsozialismus. 2. Auflage. Saur, München 1998, ISBN 3-598-10853-2, S. 50.
  5. Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Kreis Göttingen 20. November 1972 (PDF; 16 kB).
  6. wahlen.kdgoe.de
  7. Ortsrat Rittmarshausen im Bürgerinformationssystem der Gemeinde Gleichen, abgerufen am 11. November 2016
  8. Rundreise durch die Gemeinde Gleichen
  9. Heinrich Lücke: An den Ufern der Garte. Historisches und Literarisches aus der Südostecke des Göttinger Landes. Mecke, Duderstadt 1927, S. 70.
  10. Jörn Barke: Marienkirche in Rittmarshausen soll 2016 verputzt werden. In: Göttinger Tageblatt. 22. August 2015 (goettinger-tageblatt.de), abgerufen am 23. Dezember 2018.
  11. Das Erscheinungsbild wird sich verändern. In: Göttinger Tageblatt. 15. Juli 2016 (goettinger-tageblatt.de ), abgerufen am 23. Dezember 2018.