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LebenBearbeiten

Döcker studierte von 1912 bis 1918 Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart und schloss die Diplom-Hauptprüfung mit Auszeichnung ab. 1914 bis 1917 war er als Freiwilliger Soldat im Ersten Weltkrieg. 1921 absolvierte er das zweite Staatsexamen in Stuttgart. 1922 bis 1924 arbeitete er als Assistent bei Paul Bonatz an der Technischen Hochschule Stuttgart, anschließend wurde er mit einer Arbeit über Kleinhaustypenpläne zum Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.) promoviert.

1926 wurde er Mitglied in der Künstlervereinigung Der Ring, 1927 war er Bauleiter der Weißenhofsiedlung in Stuttgart. 1928 wurde er als Mitglied in den Deutschen Werkbund berufen und arbeitete ab dem gleichen Jahr beim Congrès International d’Architecture Moderne (CIAM) mit. In Stuttgart baute er auch das Wohnhaus für den Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf.[1] Das Haus im Bauhaus-Stil wurde schon 1935 umgebaut, 1945 bei einem Bombenangriff bis auf das Untergeschoss zerstört und nach dem Krieg in vollkommen veränderter Form wiederaufgebaut.

Richtungsweisend wurde das 1926–1928 erbaute Bezirkskrankenhaus Waiblingen (abgebrochen 1960). Das einflussreiche Buch „Terrassentyp. Krankenhaus, Erholungsheim, Hotel, Bürohaus, Einfamilienhaus, Siedlungshaus, Miethaus und die Stadt“ erschien 1929. Außerdem war er für den zwischen 1929 und 1931 entstandenen zweiten Bauabschnitt der Wallmersiedlung in Stuttgart-Untertürkheim verantwortlich.

Von 1939 bis 1941 studierte Döcker zudem Biologie an der Technischen Hochschule Stuttgart. 1941 bis 1944 folgte eine Dienstverpflichtung beim Wiederaufbauamt Saarbrücken. 1946 wurde Döcker Generalbaudirektor der Stadt Stuttgart, dieses Amt gab er jedoch 1947 nach Auseinandersetzungen mit Oberbürgermeister Arnulf Klett auf. Er wurde zum Vorsitzenden der Landesgruppe Nordwürttemberg des wiedergegründeten Bundes Deutscher Architekten (BDA) gewählt. 1947 bis 1960 war er Professor für Städtebau und Wiederaufbau an der Technischen Hochschule Stuttgart und Leiter der Architekturabteilung sowie ab 1957 Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 1958 lehrte er an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Im selben Jahr wurde er emeritiert und erhielt am 28. Juli 1958 die Ehrendoktorwürde der Hochschule.

Bauten (Auswahl)Bearbeiten

  • 1920/21: Wohnhaus Fritz Krauter, Plüderhausen, Schwanfeldstr. 11
  • 1922/23: Siedlung Viergiebelweg, Stuttgart (zusammen mit Hugo Keuerleber)
  • 1923: Haus Karl Sebald (Dr. Klien), Stuttgart, Rottannenweg 13
  • 1924: Haus K., Göppingen[2]
  • 1926: Lichthaus Luz, Stuttgart, Königstraße 48[3]
  • 1926/27: Haus Nr. 21 in der Weißenhofsiedlung, Stuttgart, Bruckmannweg 10
  • 1926/27: Haus Nr. 22 in der Weißenhofsiedlung, Stuttgart, Rathenaustraße 9
  • 1926–28: Krankenhaus Waiblingen, Winnender Straße 45
  • 1927: Haus Dr. Gustav Kilpper, Stuttgart, Pischekstraße 72[4]
  • 1927/28: Haus Vetter, Stuttgart, Birkenwaldstraße 169[5]
  • 1927–1929: Krankenhaus Maulbronn
  • 1928: Wohnhaus Dr. Friedrich Wolf, Stuttgart, Zeppelinstraße 43
  • 1929–31: Siedlung im Wallmer, Stuttgart Wallmerstraße 100/112, 116/122, Fiechtnerstraße 23–26, Sattelstraße 47/69
  • 1931: eigenes Wohnhaus, Stuttgart, Hermann-Kurz-Straße 44
  • 1937: Haus Yasu Grosse, Freiburg im Breisgau, Eichhalde 14
  • 1954: Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
  • 1957–67: Wiederaufbau des Katharinenhospitals, Stuttgart (zusammen mit Eisenlohr und Müller)

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Typenpläne für Kleinwohnungen: generelle Lösungen für Einzel-, Doppel-, Reihen- und Mietshäuser in verschiedenen Himmelslagen und Geländen, Stuttgart: Industrie-Verl.- u. Dr. Ges. [1924]
  • Zur Münsterplatzbebauung in Ulm a. D. In: Neubau, 1925, S. 45–47.
  • Siedlung am Weißenhof in Stuttgart. In: Die Baugilde, 1925, S. 634–635, S. 645–46.
  • Zum Bauproblem der Zeit. In: Die Form, Jg. 1, 1925/26, Heft 4, S. 61–75 (Digitalisat).
  • Das flache Dach auf der Werkbund-Ausstellung. In: Das neue Frankfurt, Jg. 12, 1927, S. 170–171.
  • Kurze Betrachtungen über Bauen von heute. In: Bau und Wohnung: die Bauten der Weißenhofsiedlung in Stuttgart errichtet 1927 nach Vorschlägen des Deutschen Werkbundes im Auftrag der Stadt Stuttgart und im Rahmen der Werkbundausstellung "Die Wohnung", Stuttgart: Wedekind 1927, S. 39–48.
  • Die Erweiterung, der Um- und Neubau von Krankenhäusern. In: Die Baugilde, 1928, S. 1725–1728.
  • Der neue Bau. In: Bauwelt, Jg. 28, 1928, S. 49–56.
  • Terrassentyp: Krankenhaus, Erholungsheim, Hotel, Bürohaus, Einfamilienhaus, Siedlungshaus, Miethaus u. die Stadt, Stuttgart: Wedekind 1929.
  • Frankfurt und Karlsruhe für den Architekten. In: Die Bauzeitung vereinigt mit "Süddeutsche Bauzeitung" München, Jg. 26, 1929, Heft 51, 21. Dezember 1929, S. 521–526.
  • Stuttgart – die schöne und moderne Stadt! In: Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur, Jg. 4, 1932, S. 233–246.
  • Hg.: 42 Wohnhäuser von 8000 bis 30000 RM, Stuttgart: Hoffmann [1932].
  • Der Neuaufbau zerstörter Stadtgebiete, Stuttgart: Forschungsgemeinschaft Bauen und Wohnen 1950 (Veröffentlichung der Forschungsgemeinschaft Bauen und Wohnen; 8).

LiteraturBearbeiten

  • Friederike Mehlau-Wiebking: Richard Döcker. Ein Architekt im Aufbruch zur Moderne. Vieweg, Braunschweig, Wiesbaden 1989, ISBN 3-528-08725-0.
  • Dieter Kimpel, Dietrich Worbs (Hrsg.): Richard Döcker 1894–1968. Ein Kolloquium zum 100. Geburtstag. Stuttgart 1996, ISBN 3-926269-20-0.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Kienzle, Dirk Mende: "Her mit dem hellen, gesunden, wohnlichen Eigenheim!" Dr. Friedrich Wolf Stuttgart Zeppelinstraße 43 (= Spuren. Nr. 2). 2. Auflage. Deutsche Schillergesellschaft, Marbach 1992, ISBN 3-928882-50-3.
  2. Abbildungen und kurze Beschreibung durch den Architekten in: Innendekoration, Jg. 39, 1928, September, S. 358–365 (Digitalisat)
  3. D.: Lichthaus LUZ Stuttgart. In: Die Bauzeitung vereinigt mit "Süddeutsche Bauzeitung" München. Band 24, Nr. 52, 30. Dezember 1927, S. 473–476.
  4. Abbildungen und kurze Beschreibung durch den Architekten in: Innendekoration, Jg. 39, 1928, September, S. 350–358 (Digitalisat)
  5. E.: Ein neuzeitliches Eigenheim. Architekt Regierungs-Baumeister Dr.-Ing. Richard Döcker, Stuttgart. In: Die Bauzeitung. Vereinigt mit "Süddeutsche Bauzeitung" München, Jg. 26, Heft 21, 25. Mai 1929, S. 219–221.