Rellswerk

Wasserkraftwerk in der österreichischen Gemeinde Tschagguns

Das Rellswerk ist ein Pumpspeicherkraftwerk der illwerke vkw AG im österreichischen Montafon und gehört zur Werksgruppe „Obere Ill-Lünersee“. Am 28. September 2018 wurde das Rellswerk in Betrieb genommen.[1]

Rellswerk
Baustelle des Kraftwerkes im Rellstal auf 1446 m.
Baustelle des Kraftwerkes im Rellstal auf 1446 m.
Lage
Rellswerk (Vorarlberg)
Rellswerk
Koordinaten 47° 4′ 36″ N, 9° 48′ 6″ OKoordinaten: 47° 4′ 36″ N, 9° 48′ 6″ O
Land OsterreichÖsterreich Österreich
VorarlbergVorarlberg Vorarlberg
Ort Vandans
Gewässer Rellsbach, Lünbach (Vilifaubach), Zaluandabach, Lünersee
Gewässerkilometer km 0,00 (Rellsbach)
Höhe Oberwasser 1460 m
Kraftwerk
Eigentümer illwerke vkw AG
Betreiber illwerke vkw AG
Planungsbeginn 2008 (1980er)
Bauzeit 2014–2017
Betriebsbeginn 2018
Technik
Engpassleistung 10,4 Megawatt
Durchschnittliche
Fallhöhe
441 bis 521 m
Ausbaudurchfluss etwa 2,47 bis 2,6 m³/s
Regelarbeitsvermögen 18 Millionen kWh/Jahr
Turbinen 1
Generatoren 1
Sonstiges
Website www.illwerkevkw.at
Der Kraftwerksschacht bei Gewässerkilometer 6,30 in Bau.
Zusammenfluss und Rechen-/Schieberbauwerke des neuen Kraftwerkes.
illwerke vkw AG
Kraftwerksgruppe Obere Ill-Lünersee
Schematische Darstellung
               
Überleitung vom Brandner Gletscher 2480 m ü. A.
               
Ill-Ursprung (Ochsentaler Gletscher) 2460 m
               
               
               
Zuflüsse
               
Silvretta-Stausee 2030 m
               
Abfluss zu Ill | Lünersee 1970 m
               
Zuflüsse
               
Pumpwerk Kleinvermunt 1670 m
               
Bachüberleitung Fasulbach und Rosanna
               
Stausee Kops 1809 m
               
Obervermuntwerk I 1743 m
               
Überleitung Kops-Vermunt mit Zuflüssen
               
Zuflüsse
               
Vermuntsee 1743 m
               
Obervermuntwerk II 1655 m
               
               
               
Zuflüsse Rells-, Vilifau- und Zaluandabach
               
Speicherbecken Rells 1456 m
               
Rellswerk 1430 m
               
Sperrkammer Salonien 1690 m
               
               
               
               
Kopswerk II  |  Kopswerk I  |  Vermuntwerk 1025 m
               
               
Ausgleichsbecken Partenen 1025 m
               
Rifawerk 1005 m
               
               
Ausgleichsbecken Rifa 1007 m
               
Zuflüsse Garnera-, Vermilbach, Suggadin
               
Lünerseewerk 992 m
               
Pumpwasserkanal Lünerseewerk
               
Latschauwerk 985 m
               
               
Staubecken Latschau 992 m
               
               
               
               
Rodundwerk I  |  Rodundwerk II 645 m
               
Zufluss von Ill
               
Rodundbecken I bis III 645 m
               
Abfluss zur Ill
               
               
Zufluss Alvier
               
Zufluss Meng
               
Walgauwerk 492 m
               
Ausgleichsbecken Walgau 492 m
               
Abfluss zur Ill

GeschichteBearbeiten

Bereits in den 1980er Jahren bestanden Pläne zur Nutzung des Gefälles des oberen Rellsbaches im Rellstal (Vandans, Montafon) bei der Mariahilfkapelle für das Lünerseewerk (Projekt Pumpwerk Vilifau mit 8 MW Pumpleistung).

2006 wurde von einer privaten Gruppe ein Kleinkraftwerk Rells geplant und zur wasserrechtlichen Vorprüfung eingereicht. Dieses Kraftwerk wäre etwa auf eine Leistung von 1 MW ausgelegt worden (somit etwa 3 GWh/Jahr). Das Projekt wurde nicht realisiert.

Am 8. Juli 2009 stellten die Vorarlberger Illwerke beim Amt der Vorarlberger Landesregierung den Antrag auf Genehmigung gemäß § 5 Abs. 1 Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000 (UVP-G 2000) für die Errichtung und den Betrieb des Rellswerkes in Vandans. Am 4. Mai 2010 wurde die entsprechende Genehmigung unter Auflagen erteilt.

Offizieller Spatenstich war am 30. Juli 2014.[2]

Unterhalb der Rellser Mariahilfkapelle im Rellstal wurde am 10. Juli 2012 mit den Vorarbeiten begonnen (Bau der Sperrkammern im hinteren Saloniental).

Am 28. September 2018 wurde das Rellswerk in Betrieb genommen.[3]

RellswerkBearbeiten

Die Kraftwerksanlage besteht aus der Wasserbeileitung des Lünbachs (Vilifaubach) und der Zaluandabachfassung (max. 1,5 m3/s), dem Speicherbecken Rells, dem Krafthaus Rells, der Druckrohrleitung Salonien und der Sperrkammer Salonien mit Einbindung in den Taldüker Salonien zur bestehenden Triebwasserführung des Lünerseewerks.

Das Rellswerk wird über die Zentralwarte icc (illwerke vkw control center) in Vandans ferngesteuert betrieben.

KrafthausBearbeiten

Das Krafthaus ist mit vier Tiefgeschossen in den Talboden und im oberen Bereich (Erdgeschoss) in den künstlichen Damm des Speicherbeckens Rells integriert (Schachtkrafthaus, Schachtsohle etwa 1428 m ü. A., Gesamttiefe etwa 15,50 m). Somit ist von Außen lediglich das Zugangsportal sichtbar. Im Krafthaus selbst sind der Motorgenerator, der Transformator und die notwendigen elektrotechnischen sowie sonstige erforderliche Nebenanlagen untergebracht.

Im ersten Tiefgeschoss befinden sich die 20-kV-Anlage, die Leittechnik sowie Büro- und Sozialräume; im zweiten Tiefgeschoss der Motorgenerator samt Steuerungstechnik, ein Batterieraum und die Haustechnikanlage; im dritten Tiefgeschoss die Pumpenspirale, der Pumpen-Kugelschieber, Steueranlage, Hydraulikaggregat etc; im vierten Tiefgeschoss sind die Zulaufleitung, die Absperrklappe sowie die Lenzpumpe untergebracht.[4]

Das Rellswerk pumpt im Pumpbetrieb das im Becken Rells zwischengespeicherte Wasser in den Lünersee.

Technische DatenBearbeiten

Diese hier wiedergegebenen Daten basieren auf der vorläufig geplanten Variante vor dem Einbau und der Prüfung der Komponenten:

  • ungeregelte vertikalachsige Pumpturbine (3-stufige / 1-flutige Pumpturbine):
    • Turbinennennleistung 10,4 MW,
    • Mechanische Leistung 9,34 MW
    • Pumpennennleistung 13,2 MW,
    • aufgenommene Motorleistung 13,75 MW
  • Anfahrzeit aus Stillstand Turbinenbetrieb und Pumpbetrieb etwa 60 s,[5]
  • Drehzahl (konstant) 1000/min,
  • Wasserdurchfluss (Pumpe bzw. Turbine) etwa 2,47 bis 2,6 m3/s,
  • Netto-Nutzfallhöhe 454,50 m,
  • Netto-Förderhöhe 527,70 m,
  • maximale Förderhöhe etwa 540 m,

Leitungen, TransformationBearbeiten

Über ein bestehendes 8 km langes Erdkabel (20-kV-Leitung) vom Rodundwerk I in Vandans über einen 20-MVA-Netzkuppeltrafo (110-kV-Netz) bis zur Trafostation im Rellstal erfolgt die Netzanbindung des Rellswerkes.

Aufgrund des jahreszeitlich schwankenden Netzverbrauches im Bereich Vandans, Tschagguns und Golm ist der Leistungsanschluss des Rellswerkes an den Transformator des Rodundwerks beschränkt.

Hydraulische DatenBearbeiten

Speicherbecken RellsBearbeiten

Das ovale, nierenartige Speicherbecken Rells wird etwa 90 m nordöstlich des Zusammenflusses des Zaluandabaches und des Lünbaches (Vilifaubaches) zum Rellsbach auf ca. 1450 m.ü.A. rechts des Rellsbaches liegen und aus homogenen Schüttdämmen[6] mit einer wasserseitigen Oberflächendichtung (Foliendichtung) bestehen. Auslaufbauwerk und das talseitig daran anschließende Krafthaus werden sich auf der östlichen Seite des Speicherbeckens befinden.

  • Längsausdehnung in südwest-nordöstlicher Richtung etwa 140 m,
  • größte Breite etwa 90 m,
  • Stauziel 1456,0 m.ü.A.,
  • Absenkziel 1449,0 m.ü.A.,
  • Dammkrone 1457,0 m.ü.A.,
  • maximale Dammhöhe etwa 14,4 m,
  • befahrbare Dammkrone in etwa 4 m Breite,
  • Speicherbeckensohle 1453,6 bis 1447,1 m.ü.A.,
  • Grundablass am südöstlichen tiefsten Sohlpunkt des Beckens auf 1447,1 m.ü.A. in den Rellsbach,[7]
  • Dammkubatur (Stützkörper) etwa 32.000 m3.
  • Gesamtinhalt (Beckenvolumen) 45.350 m3,
  • Nutzinhalt 44.000 m3,
  • Oberfläche des Beckens bei Stauziel beträgt etwa 9.880 m2
  • schwallfreie Hochwasserentlastung über die Dammkrone bei 1456,0 m.ü.A. in den Rellsbach,
  • Zu- und Abfluss
    • schnellste Füllung des Speicherbeckens bei maximalem natürlichem Zulauf und Pumpbetrieb: 3 Stunden,
    • Füllung des Speicherbeckens nur durch natürlichen Zulauf: 8 Stunden,
    • schnellste Leerung des Speicherbeckens bei maximalem Zulauf: 11 Stunden,
    • schnellste Leerung des Speicherbeckens ohne natürlichen Zulauf bis zum Absenkziel: 5 Stunden,
    • Maximale Pumpleistung vom Speicherbecken in den Lünersee: 174.000 m3/Tag.

Oberhalb des talauswärtigen Beckenendes liegt das Tannlegertobel. Zum Schutz vor Muren wird ein Schutzwall oberhalb des Beckens errichtet (aus etwa rund 7.000 m3 natürlichem Schüttmaterial).

Druckrohrleitung SalonienBearbeiten

Vom Krafthaus Rells bis zum bestehenden Taldüker Salonien (Sperrkammer Salonien) wird eine erdverlegte Druckrohrleitung für die Triebwasserführung mit einer Länge von ca. 2310 m erstellt (mittlere Steigung 11 %). Die Rohrleitung wird mit einem Durchmesser von maximal 1,2 m ausgeführt und mit 1,2 m überdeckt, so dass diese Frostsicher verlegt ist.

  • Bemessungsdruck etwa 72 bar (Becken Rells),
  • schräge Länge Druckrohrleitung etwa 2310 m,
  • Höhendifferenz 258,50 m.

Die bisher dem Ökosystem über den oberen Teil des Rellsbachs zur Verfügung stehenden 22,9 Millionen m3 Wasser/Jahr wird für den Rellsbach auf eine Dotierwasserabgabe von 72 l/s reduziert. Somit auf etwa 5,9 Millionen m3 Wasser/Jahr, die im Rellsbach als Dotierwasser bzw. als Überlauf verbleiben.[8] „Für die bestehende Rellsbachfassung (unterer Teil des Rellsbaches) bedeutet dies, dass anstatt derzeit 27,5 Millionen m3/Jahr nur mehr 10,5 Mio. m3/Jahr eingezogen werden können.“[9]

Staubecken LatschauBearbeiten

Bislang wurde auf etwa 1000 m.ü.A. durch einen Überleitungsstollen der bestehenden unteren Rellsbachfassung Wasser in das Staubecken Latschau eingeleitet. Zukünftig wird dieses Wasser überwiegend von der oberen Rellsbachfassung vom Lünersee über die Triebwasserführung des Lünersees in das Staubecken Latschau abgearbeitet.

WeblinksBearbeiten

Commons: Rellswerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Illwerke/VKW nimmt Rellswerk in Betrieb auf ORF-Vorarlberg vom 28. September 2018, abgerufen am 28. September 2018
  2. Vorarlberger Nachrichten vom 31. Juli 2014, D1.
  3. Illwerke/VKW nimmt Rellswerk in Betrieb auf ORF-Vorarlberg vom 28. September 2018, abgerufen am 28. Septemeber 2018
  4. Zur Aufrechterhaltung eines Notbetriebes verfügt das Kraftwerk über ein Notstromaggregat mit etwa 150 kW um den Grundablassschütz, den Einlaufschützen, die Lenzpumpen etc. weiter betreiben zu können.
  5. Es ist keine rasche Umschaltung zwischen Pump- und Turbinenbetrieb vorgesehen, weswegen auf ein Wasserschloss verzichtet wurde.
  6. Dammschüttmaterial ist das aus der Seitenmoräne der abzutragenden Südböschung gewonnene Schüttgut.
  7. Gemäß UMWELTVERTRÄGLICHKEITSPRÜFUNG Rellswerk Vorarlberger Illwerke AG, S. 23, ist eine etwa jährliche Entleerung des Speicherbeckens über die Grundablassleitung durchzuführen.
  8. Umweltverträglichkeitsprüfung Rellswerk Vorarlberger Illwerke AG, S. 44.
  9. UMWELTVERTRÄGLICHKEITSPRÜFUNG Rellswerk Vorarlberger Illwerke AG, S. 81.