Ralph von Merle

normannischer Baron, Kreuzfahrer

Ralph von Merle (auch Ranulf de Merlay, lat. Radulphus de Merlo; frz. Raoul du Merle; * vor 1114; † 1152 in Tripolis) war ein normannischer Baron und Kreuzritter.

Er entstammte einer normannischen Adelsfamilie[1] aus der Baronie Merle-Raoul, die zwischen Argentan und L'Aigle gelegen war.[2] Er war der Sohn des dortigen Herren Wilhelm I. von Merle.[3][4] Er wird erstmals urkundlich erwähnt, als er zusammen mit seinem Vater dem Kloster St. Cuthbert in Durham einige Ländereien vermachte.[5] Er bestätigte die Schenkung nach dem Tod seines Vaters am Fest des Heiligen Cuthbert (20. März) des Jahres 1129.[6][3]

Im Januar 1138 gründete er das Kloster Newminster nahe dem zu seinem Besitz gehörenden Morpeth.[7]

Später, spätestens mit dem Zweiten Kreuzzug, gelangte er ins Heilige Land. Im Königreich Jerusalem wurde er mit einer Burg belehnt, die nach ihm "le Merle" genannt wurde.

Er war einer der Kandidaten, die Fürstin Konstanze von Antiochia nach dem Tod ihres ersten Gatten Raimund von Poitiers 1149 von König Balduin III. von Jerusalem zur Ehe vorgeschlagen, aber abgewiesen wurden.[8] Der Chronist Wilhelm von Tyrus lobt Ralph in diesem Zusammenhang als einen Mann von hohem Adel, sehr kriegserfahren und von seltener Weisheit.[9]

1152 begleitete er den Grafen Raimund II. von Tripolis zu einem Ausritt. Bei ihrer Rückkehr wurde Raimund II. am Südtor der Stadt Tripolis von einer Gruppe Assassinen überfallen und erdolcht. Ralph von Merle und ein weiterer Ritter wurden im folgenden Gefecht ebenfalls niedergemacht. Die Mörder entkamen, die Hintergründe der Tat wurden nie geklärt.[10]

Er hinterließ einen Sohn, Fulko I. von Merle († um 1180),[11] der wahrscheinlich in Europa zurückgeblieben war.[3] Die Burg Merle im Heiligen Land war jedenfalls spätestens 1187 an den Templerorden übergegangen.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. Paul Roger: La noblesse de France aux croisades. Derache u. a., Paris u. a. 1845, S. 200.
  2. Vgl. François-Alexandre Aubert de La Chenaye-Desbois: Dictionnaire de la noblesse. Band 13: Malestroit – Montagnac. 3. Auflage, Schlesinger frères, Paris 1868, S. 688.
  3. a b c Vgl. François-Alexandre Aubert de la Chenaye-Desbois: Dictionnaire de la noblesse. Band 13: Malestroit – Montagnac. 3. Auflage, Schlesinger frères, Paris 1868, S. 689.
  4. Vgl. André de Moura: 40 000 ancêtres du comte de Paris (1908–1999). Band 2. 2007, 33-566, (pdf, 2.681KB (Memento des Originals vom 13. Juni 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/stella.phpnet.org).
  5. Vgl. Roger Dodsworth, William Dugdale: Monasticon Anglicanum. Band 1. Hodgkinsonne, London 1655, S. 48 f.
  6. Vgl. Roger Dodsworth, William Dugdale: Monasticon Anglicanum. Band 1. Hodgkinsonne, London 1655, S. 49.
  7. Vgl. Roger Dodsworth, William Dugdale: Monasticon Anglicanum. Band 1. Hodgkinsonne, London 1655, S. 800 f.
  8. Vgl. Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. Sonderausgabe in einem Band ohne Quellen- und Literaturangaben, 28.–32. Tausend der Gesamtauflage. C. H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39960-6, S. 636.
  9. Vgl. Wilhelm von Tyrus: Historia rerum in partibus transmarinis gestarum. Buch 17, Kapitel 19.
  10. Vgl. Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. Sonderausgabe in einem Band ohne Quellen- und Literaturangaben, 28.–32. Tausend der Gesamtauflage. C. H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39960-6, S. 637 f.
  11. Vgl. André de Moura: 40 000 ancêtres du comte de Paris (1908–1999). Band 2. 2007, 31-680