Raitz von Frentz

Adelsgeschlecht

Raitz von Frentz ist der Name einer freiherrlichen Familie, die zum deutschen Uradel zählt. Die Raitz von Frentz sind von der im 14. Jahrhundert ausgestorbenen Dynastenfamilie „von Frenz aus dem Hause Limburg zu unterscheiden.

Stammwappen der Raitz von Frentz

GeschichteBearbeiten

Die Raitz von Frentz gehören zu den ältesten Schöffen- und Rittergeschlechtern der Reichsstadt Köln. Die Raitz (Razo) werden mit einem Zeugen des Bischofs Wichfrid von Köln erstmals im Jahr 948 urkundlich genannt. Die sichere Stammreihe beginnt mit einem Ministerialen der Abtei St. Pantaleon zu Köln, 1106–1154. Im Mittelalter stellte die Familie zahlreiche Bürgermeister der freien Reichsstadt Köln und Mitglieder ihres engeren Rats, der so genannten Richerzeche.

Rutger Raitz (II.) war Ritter und Schöffe der freien Reichsstadt Köln. 1321 war er Mitglied des engeren Rats und der Richerzeche. 1320 war er Gesandter der freien Reichsstadt Köln am Hofe des Papst Johannes XXII zu Avignon. Er kaufte den späteren Raitzenhof in der Drankgasse (curia Razonis). In zweiter Ehe heiratete er Ida von Heppendorf, Tochter von Gerhard III von Heppendorf, Edelvogt von Köln, und der Kunigunde von Alpen. Damit war Rutger Raitz (II.) mit einer großen Zahl der rheinischen und westfälischen Dynasten verschwägert. Nach dem Tod von Rutger (II.) heiratete Ida 1330 den Grafen Ruprecht III. von Virneburg. Ihr gleichnamiger Sohn Rutger Raitz (III.) erwarb im Jahre 1347 die bei Quadrath-Ichendorf gelegene Burg und Herrlichkeit Frentz (heute: Schloss Frens) von seinem Stiefvater, dem Grafen Ruprecht III. von Virneburg. Sie war früher im Besitz eines Edelherrengeschlechts von Frenz, das aus dem Stamme der Herzöge von Jülich hervorgegangen war. Von diesem Besitz führte das Geschlecht den Namensbestandteil „von Fren(t)z“. Die Herrschaft Frentz war zunächst ein Allod, d. h. frei und nicht abhängig von einem Lehnsherren, und lag zwischen dem Kurfürstentum Köln und dem Herzogtum Jülich-Cleve-Berg. Anfang des 15. Jahrhunderts geriet die Herrschaft Frentz in die Lehnsabhängigkeit, ein Teil der Herrschaft in die Lehnsabhängigkeit des Kurfürsten von Köln und ein anderer Teil in die Lehnsabhängigkeit des Herzogs von Jülich-Cleve-Berg.

Angehörige der Familie gehörten zur rheinischen Reichsritterschaft. Die Zugehörigkeit zur Reichsritterschaft leitete sich aus dem Besitz mehrerer reichsunmittelbarer Herrschaften ab. Seit 1620 wurden sie auch mit dem Erbkämmeramt des Erzstiftes Köln belehnt.

Im Jahr 1635 wurde die Linie „Raitz von Frentz zu Kendenich und Stolberg“, die 1746 im Mannesstamm ausstarb, in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Die Herrschaft Kendenich kam Anfang des 16. Jahrhunderts durch die Heirat des Robert Raitz von Frentz mit Agnes von Orsbeck zu Kendenich in den Besitz der Raitz von Frentz. Die Burg und Herrschaft Stolberg kam durch die Heirat am 28. September 1648 des Ferdinand Reichsfreiherrn Raitz von Frentz zu Kendenich mit Odilia Maria Freiin von Efferen zu Stolberg, Tochter von Freiherrn Adolf von Efferen und der Gertrud, geborene von Metternich, in den Besitz der Raitz von Frentz.

Im Jahr 1512 heiratete Winand Raitz von Frentz die Maria von und zu Schlenderhan, deren Familie im Mannesstamm ausstarb, und begründete die heute noch blühende Linie „Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan“. Durch diese Heirat kam die Herrschaft Schlenderhan in den Besitz der Familie. Seitdem führt diese Linie das vereinigte Wappen der „Raitz von Frentz“ und der „von und zu Schlenderhan“. Die Erhebung dieser Linie in den Reichsfreiherrenstand als „Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan und Kleinenbruch“ erfolgte am 15. Juli 1650.

Am 25. Oktober 1652 wurde die Linie „Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan“ vom Kölner Kurfürsten Maximilian Heinrich mit Odenkirchen und dem damit verknüpften Amt des Erbburggrafen des Erzstiftes Köln belehnt.

Am 11. Juni 1672 erhielt die Familie das Inkolat in Böhmen. Damit verbunden war die Befähigung zum Erwerb landtäflicher Güter, das Recht zur Teilnahme an den Landtagen und zur Bewerbung um Ämter, die den Mitgliedern der Landstände vorbehalten waren.

Der Freiherrenstand wurde am 15. Juni 1826 für Adolf Freiherrn Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan und seinen Vetter Emmerich Joseph Freiherr Raitz von Frentz zu Kellenberg sowie für deren Geschwister durch die preußische Regierung anerkannt.

WappenBearbeiten

 
Das Wappen der Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan

Das Stammwappen zeigt ein durchgehendes goldenes Kreuz auf schwarzem Grund. Die Helmzier des Wappens besteht aus Hals und Kopf eines schwarzen Stieres mit goldenen Hörnern. Die Helmdecken sind schwarz-golden. Das älteste erhaltene Siegel mit dem Kreuzwappen datiert vom 20. Januar 1289 des „Theodericus dictus Raitze miles, civis Colon“ und seiner Söhne.

Das Wappen der Raitz von Frentz wurde jeweils anlässlich der Erhebung zweier Linien in den Reichsfreiherrenstand vermehrt.

Anlässlich der Erhebung der Linie Raitz von Frentz zu Kendenich und Stolberg in den Reichsfreiherrenstand wurde das Wappen dieser Linie 1635 wie folgt bestätigt: Geviert: Feld 1 und 4: Ein durchgehendes goldenes Kreuz auf schwarzem Grund. Feld 2 und 3: In Silber zwei rote Sparren.

Das Wappen der Linie Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan wurde anlässlich ihrer Erhebung in den Reichsfreiherrenstand im Jahr 1650 wie folgt bestätigt: Geviert: Feld 1 und 4: Ein durchgehendes goldenes Kreuz auf schwarzem Grund. Feld 2 und 3: In Silber ein schwarzer Balken, belegt mit 3 goldenen Amseln. Herzschild: Rot-blau geteilt, darüber ein silberner, goldgekrönter Löwe. Der Herzschild wurde anlässlich der Verleihung der Reichsfreiherrenwürde zusätzlich aufgenommen.

Besitzungen (derzeit im Besitz der Familie)Bearbeiten

Herrschaften und Besitzungen (ehemals im Besitz der Familie)Bearbeiten

 
Schloss Frens (Frentz)

Bekannte NamensträgerBearbeiten

  • Henricus Raitz - „Henricus de foro“, Bürgermeister der freien Reichsstadt Köln (1182), Schöffe des Kölner Hochgerichts.
  • Theodericus Raitz, Ritter, Bürgermeister der freien Reichsstadt Köln (1271–1272), Schöffe, dominus, civis Coloniensis.
  • Rutger I. Raitz († 1330), Ritter, Bürgermeister der freien Reichsstadt Köln (1305–1306), Schöffe, Mitglied des engeren Rats der freien Reichsstadt Köln, Gesandter der freien Reichsstadt Köln am Hofe Papst Johannes XXII. zu Avignon. Er kämpfte in der Schlacht bei Worringen (1288).
  • Johann I. Raitz, Ritter, er kämpfte in der Schlacht bei Worringen (1288).
  • Tilman (Dietrich IV.) Raitz, Ritter, er kämpfte in der Schlacht bei Worringen (1288).
  • Rutger II. Raitz, Ritter und Schöffe; 1321 Mitglied des engeren Rats; 1320 Gesandter der freien Reichsstadt Köln am Hofe des Papst Johannes XXII zu Avignon; kjaufte 1299 den späteren Reizerhof in der Drankgasse (curia Razonis); 14. Juli 1325 Amtmann der Richerzeche der freien Reichsstadt Köln.
  • Rutger III. Raitz von Frentz († 1369), Ritter, Bürgermeister der freien Reichsstadt Köln (1341-1342); berühmter Kriegsheld unter König Philipp von Valois, Graf Wilhelm III. von Holland, Herzog von Brabant, König Johann von Frankreich und König Karl V. von Frankreich. Er nahm an insgesamt 35 so genannten "Preussenreisen" (32 Winter und 3 Sommerreisen) teil. Kein anderer Ritter hat an mehr Preussenreisen teilgenommen. Seine Heldentaten werden im Werk von Gelre beschrieben.
  • Rutger (V.) Raitz von Frentz, Ritter des St. Hubertusorden; dieser Orden wurde anlässlich des Siegs in der Schlacht bei Linnich (a. d. Roer) am 3. November 1444 gegründet. In der Schlacht bei Linnich siegte Herzog Gerhard von Jülich und Berg gegen Arnold von Egmond, der sich des Herzogtums Geldern bemächtigte. Rutger (V.) Raitz von Frentz war unter den Helden, die der Herzog nach der Schlacht belohnte mit dem von ihm zum Andenken dieses Tages gestifteten Ritterordens des Hl. Hubertus, an dessen Festtage die Schlacht vorgefallen war.
  • Johann Raitz von Frentz, Dompropst in Lüttich und Domherr in Münster und Speyer.
  • Arnold Raitz von Frentz, Herr zu Diesendorf, Schönau und Martefeld († 1602), Hofmarschall des Kurfürstentum Köln und Amtmann zu Bonn
  • Johann Raitz von Frentz, Komtur der Kommende Ramersdorf des deutschen Ordens (1610–1612)
  • Johann Ebertin Raitz von Frentz (vor 1600–1638), Domherr in Münster, Speyer und Lüttich
  • Johann Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan (vor 1600–1640), Kanzler des letzten Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg, seit 1613 des Herzogs von Jülich-Berg, Dompropst zu Lüttich, Domherr zu Münster und Speyer, fürstlich Pfalz-Neuburgischer Geheimer Rat.
  • Arnold Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan, Haushofmeister des letzten Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg.
  • Johann Dietrich Raitz von Frentz (1600–1675), Domherr in Münster und Speyer
  • Adolf Sigismund Reichsfreiherr Raitz von Frentz zu Kendenich (Reichsfreiherr seit 4. April 1635), Hausmarschall des Kurfürstentum Köln; Landhofmeister des Kurfürstentum Köln (1640–1651), Amtmann zu Hülchrath, seit 1620 mit dem Erbkämmereramt des Erzstiftes Köln belehnt. (vgl. dazu, insbesondere zum Amt als Landhofmeister: *Lutz Jansen: „Schloß Frens - Beiträge zur Kulturgeschichte eines Adelssitzes an der Erft“, Verein für Geschichte und Heimatkunde Quadrath-Ichendorf e.V., Bergheim 2008, Seite 107 m.w.N.; Landschaftsverband Rheinland - LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum: Die Urkunden des Archivs von Schloß Frens - Regesten, Band II: 1566–1649, Inventare nichtstaatlicher Archive 51 - 2011, Seiten 349 ff. m.w.N.)
  • Ferdinand Reichsfreiherr Raitz von Frentz zu Kendenich, Erbkämmerer, geheimer Rat und seit 1647 auch Oberstallmeister des Erzstiftes Köln.
  • Maria Adriana Raitz von Frentz, Fürstäbstissin der freien Reichsabtei Burtscheid (1614–1616).
  • Anna Raitz von Frentz, Fürstäbtissin der freien Reichsabtei Burtscheid (1616–1639).
  • Henriette (Henrica) Reichsfreiin Raitz von Frentz, Fürstäbtissin der freien Reichsabtei Burtscheid (1639–1674).
  • Johanna Reichsfreiin Raitz von Frentz, Fürstäbtissin der freien Reichsabtei Burtscheid (1675–1676).
  • Winand Hieronymus Reichsfreiherr Raitz von Frentz von und zu Schlenderhan (* 1613), (Reichsfreiherr seit 1650), Erbburggraf des Erzstiftes Köln (seit 1652), Burggraf zu Odenkirchen (seit 1652), Herr zu Schlenderhan, Kellenberg, Hattenheim, Kleinenbroich, Randerath usw.
  • Edmund Hermann Raitz von Frentz zu Kendenich (* nach 1690; † 1721) war Domherr in Münster, Trier, Hildesheim und Worms sowie Stiftsherr in Basel. Er wurde als Sohn des Franz Carl Freiherr Raitz von Frentz zu Kendenich (kurkölnischer Geheimer Rat) und dessen Gemahlin Helena Isabella von Brabeck geboren. Im Jahre 1707 erhielt er durch päpstliche Provision eine Dompräbende in Münster. Er war hier Subdiakon. Eine Teilnahme an den Kapitelssitzungen in Münster ist nicht dokumentiert. Edmund Hermann war auch Domherr in Trier, Hildesheim und Worms sowie Stiftsherr in Basel.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Goth. Frhrl. Tschb. 1848, 1904 (Stammreihe), 1906 (Berichtigung dazu), 1932 (+ Linie Kellenberg) fg., GhdA, Frhrl. Häuser A, Bd. II (1956).
  • Franz von Nagel: Historisch-genealogische Nachrichten über die reichsfreiherrliche Familie Raitz von Frentz zu Schlenderhan. Aachen 1857.
  • Otto Hupp: Münchener Kalender 1914. Buch- und Kunstdruckerei AG, München und Regensburg 1914.
  • Ernst von Oidtman: Ältere Stammreihe und ältere Siegel des Geschlechts Raitz von Frentz. Bonn 1921.
  • Emmerich Leopold Freiherr Raitz von Frentz: Stammreihe, Stellung und Wappen eines tausendjährigen Reichsrittergeschlechts der ehemaligen freien Reichsstadt Cöln. In: Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde. Band 5. Köln 1927, Spalte 145–188.
  • Manfred Groten: Raitz von Frentz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 124 f. (Digitalisat).
  • Andreas Burtscheidt: Edmund Freiherr Raitz von Frentz – Rom-Korrespondent der deutschsprachigen katholischen Presse 1924–1964. Schöningh, 2008, ISBN 3-506-76472-1. Dieses Buch enthält unter anderem eine längere Darstellung der Geschichte der Familie Raitz von Frentz.
  • Raitz von Frentz, Maximilian Franz Joseph: Stamm- und Ahnentafel der am 15. Juli 1900 lebenden Mitglieder der reichsherrlichen Familie Raitz von Frentz, Strassburg 1900
  • Lutz Jansen: "Schloß Frens - Beiträge zur Kulturgeschichte eines Adelssitzes an der Erft", Verein für Geschichte und Heimatkunde Quadrath-Ichendorf e.V., Bergheim 2008
  • Lutz Jansen: "Schlenderhan - Geschichte und Kunstgeschichte eines Rheinischen Adelssitzes, Verein für Geschichte und Heimatkunde Quadrath-Ichendorf e.V., Bergheim 1996
  • Ferdinand Raitz von Frentz-Schlenderhan: Historisch-genealogische Nachrichten über die Reichsfreiherrliche Familie Raitz von Frentz zu Schlenderhan. Hensen, Aachen 1857 (Digitalisat)
  • Landschaftsverband Rheinland - LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum: Die Urkunden des Archivs von Schloß Frens - Regesten, Band I: 1316–1565, Inventare nichtstaatlicher Archive 50 - 2009, Band II: 1566–1649, Inventrate nichtstaatlicher Archive 51 - 2011, Band III: 1650–1797, Inventare nichtstaatlicher Archive 52 - 2012

WeblinksBearbeiten

Commons: Raitz von Frentz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien