Hauptmenü öffnen

Protozoeninfektion

Infektion durch Einzeller
Klassifikation nach ICD-10
B50 Malaria tropica durch Plasmodium falciparum
B51 Malaria tertiana durch Plasmodium vivax
B52 Malaria quartana durch Plasmodium malariae
B53 Sonstige parasitologisch bestätigte Malaria
B54 Malaria, nicht näher bezeichnet
B55 Leishmaniose
B56 Afrikanische Trypanosomiasis
B57 Chagas-Krankheit
B58 Toxoplasmose
B59 Pneumozystose
B60 Sonstige Protozoenkrankheiten, anderenorts nicht klassifiziert
B64 Nicht näher bezeichnete Protozoenkrankheit
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Unter einer Protozoeninfektion, auch Protozoonose genannt, versteht man das aktive oder passive Eindringen von Protozoen (tierischen Einzellern) in einen Organismus, deren dortige Vermehrung und die darauf folgende Reaktion des Organismus in Form einer Erkrankung. Wenn mindestens eines der drei Merkmale fehlt, spricht man von einer Infestation.

Inhaltsverzeichnis

InfektionswegeBearbeiten

Manche Protozoen werden über verunreinigte Nahrung aufgenommen, weil sie zunächst oder ausschließlich den Darm befallen. Auch verseuchte Toiletten sind per Tröpfcheninfektion häufige Übertragungswege, insbesondere bei Trichomonas-Arten.

Andere werden in tropischen Ländern durch Insektenstich übertragen und befallen zunächst Zellen im Blut. Von dort aus können sie dann ihre verschiedenen anderen Zielorgane erreichen. Trichomonas vaginalis wird nicht nur durch Geschlechtsverkehr übertragen. Es befällt Zellen in der Schleimhaut des Urogenitalbereichs und gelegentlich auch den Darm.

Zur allgemeinen Systematik möglicher Infektionswege siehe Infektion und Infektionsweg.

DiagnoseBearbeiten

Zur Diagnose weist man bei Toxoplasma gondii spezifische Antikörper nach. Damit lässt sich dann auch der Immunstatus des Patienten bestimmen. Die meisten Protozoen können aber einfach in einer Probe der betroffenen Körperflüssigkeit (Stuhl, Blut, Vaginalsekret) unter dem Mikroskop erkannt werden. Dazu macht man einen Ausstrich auf ein Glasplättchen und fügt eine geeignete Färbung hinzu (meist Giemsafärbung). Auf komplizierte und langwierige immunologische und molekulargenetische Nachweismethoden (ELISA, PCR) wie bei Virusinfektionen und vielen bakteriellen Infektionen kann man bei diesen relativ großen und teilweise beweglichen Lebewesen also meist verzichten.

Gefährliche ProtozoenBearbeiten

Toxoplasma gondii kann das ungeborene Kind schädigen, wenn die Erstinfektion während der Schwangerschaft erfolgt. Zur Diagnose wird der Immun-Titer bestimmt und notfalls mit Antibiotika behandelt.

Tropische Protozoen können unbehandelt auf Dauer zu Organschäden führen.

PräventionBearbeiten

Zur Prävention empfiehlt sich Hygiene bzw. die Abwehr der entsprechenden Insekten mittels Moskitonetzen, Moskitokerzen und Repellentien.

TherapieBearbeiten

Zur Therapie eignet sich bei vielen Protozoen Metronidazol, deutlich wirksamer ist Tinidazol.[1]

Bei Plasmodien (Malaria) richtet sich die Therapie nach der infizierenden Spezies. Während ehemals wirksame Medikamente wie Chloroquin aufgrund von Resistenzentwicklungen an Bedeutung verlieren, stellt heute eine Artemisinin-basierte Kombinationstherapie in den meisten Fällen die wirksamste Behandlungsform dar.[2]

Infektionen des Menschen durch Protozoen nach ÜbertragungswegBearbeiten

Infektionen der Haustiere durch ProtozoenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tindamax Website der Mission Pharmacal Company, abgerufen am 22. März 2013.
  2. World Health Organization: Guidelines for the treatment of malaria. Third ed. Geneva 2015, ISBN 978-92-4154912-7.
  Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!