Prosencephalon

großer Bereich des Gehirns von Wirbeltieren

Das Prosencephalon oder Vorderhirn ist ein großer Bereich des Gehirns von Wirbeltieren, der schon während der frühen Embryogenese angelegt wird.

Stadien in der Embryogenese des Gehirns: Das vordere Neuralrohr entwickelt sich zunächst zu den Anlagen des Prosencephalon, Mesencephalon und Rhombencephalon (linke Bildhälfte, ungefähr 5. Woche). Anschließend differenziert das Prosencephalon in Telencephalon und Diencephalon (siehe rechte Bildhälfte), die sich danach weiter differenzieren (nicht illustriert).

In der frühen Hirnentwicklung bilden sich am vorderen Ende des Neuralrohrs drei Bläschen, von denen das am weitesten rostral gelegene als Prosencephalon bezeichnet wird. Während sich die hinteren Hirnabschnitte relativ früh weiter entwickeln, ist das Vorderhirn im zweiten Monat nach der Befruchtung noch ein dünnwandiges Bläschen. Im dritten Entwicklungsmonat bildet sich eine Furche, der Sulcus telodiencephalicus, der die spätere Untergliederung des Proecenphalons in das Endhirn (Telencephalon) und das Zwischenhirn (Diencephalon) andeutet. In diesem Stadium lassen sich am Endhirn bereits die Anlage des Riechkolbens und am Zwischenhirn die der Hypophyse erkennen.[1]

Die Zusammenfassung von Telencephalon und Diencephalon zum Prosencephalon ergibt sich neben den funktionellen Beziehungen also aus der Embryologie sowie der Stammesgeschichte. Bei Chordatieren entsteht das Gehirn aus den vorderen Anteilen des Neuralrohrs. Sie bilden – als kennzeichnende Merkmale – Hirnbereiche, in denen die vor der Mundbucht angelegten chemorezeptiven (des Geruchssinns, olfaktorisch) und photorezeptiven (des Gesichtssinns, optisch) Fernsinnesorgane repräsentiert werden, im Telencephalon bzw. im Diencephalon.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Frotscher, Werner Kahle, Frank Schmitz: Taschenatlas Anatomie, Band 3: Nervensystem und Sinnesorgane. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-13-242269-8