Polylatrie

kultisch-religiöse Verehrung einer Vielzahl von Gottheiten und transzendenter Mächte

Polylatrie (von altgriechisch πολύς polýs „viel“ und altgriechisch λατρεία latreía, deutsch ‚Gottesdienst‘) beschreibt die kultisch-religiöse Verehrung einer Vielzahl von Gottheiten und transzendenter Mächte.[1] Die Polylatrie steht der Monolatrie gegenüber. Der Begriff „Latrie“ leitet sich vom altgriechischen λατρεία, latreía ab und steht von seiner Wortherkunft in Verbindung mit dem Wort für Dienstbarkeit oder auch Knechtsdienst. Die Polylatrie ist die aktive rituelle Verehrung mehrerer Gottheiten. Der Begriff „Polytheismus“ hingegen legt den Fokus auf den Glaube an die Existenz vieler Götter. Nach Rüpke (2007) [2] geht es in der „latreiologischen Perspektive“ um die Legalität der Verehrung oder Anbetung eines oder mehrerer Gottheiten. In der „ontologischen Perspektive“ geht es um die grundsätzlichen Fragen nach der Existenz und dem Wesen der Gottheiten, die durch die Begriffe Monotheismus und Polytheismus beschrieben werden. Ein Beispiel: In polytheistische Glaubenssystemen wird angenommen, dass es viele Götter oder Göttinnen gibt. Verehrt ein Polytheist nur einen dieser vielen Götter wird diese Aspekt mit dem Begriff „Monolatrie“ beschrieben. In der römisch-katholischen Kirche wird gelehrt, dass es nur einen Gott gibt, aber den Gläubigen wird die Verehrung der Jungfrau Maria und der Heiligen angeboten, was an einem polylatrischen Akt der Religionsausübung erinnern kann.

LiteraturBearbeiten

  • Johannes Woyke: Götter, ’Götzen’, Götterbilder. Aspekte einer paulinischen ’Theologie der Religionen’. (= Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft. Beiheft 132). de Gruyter, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-11-018396-X, (zugleich Dissertation, Tübingen 2004), S.  164–165
  • Peter von Bohlen: Die Genesis, historisch-kritisch erläutert. Bornträger, Königsberg 1835, S. CV (Einleitung) (Volltext [1] auf archive.org)
  • Jörg Rüpke: Wie funktioniert Polytheismus? Götter, Bilder, Reflexionen. Mediterraneo antico XV, 1–2, 2012, S. 233–246 ([2] auf academia.edu)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klaus Koch: Šaddaj: Zum Verhältnis zwischen israelitischer Monolatrie und nordwest-semitischem Polytheismus. Vetus Testamentum, Vol. 26, Fasc. 3 (Jul., 1976), S. 299-332
  2. Jörg Rüpke: Gruppenreligionen im römischen Reich: Sozialformen, Grenzziehungen und Leistungen. Mohr Siebeck, Tübingen 2007