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Peter Rentzel (Jurist)

deutscher Jurist und Hamburger Senator

Peter Rentzel (* 1610 in Hamburg; † 8. Novemberjul./ 18. November 1662greg.[1] ebenda) war ein deutscher Jurist und Hamburger Ratsherr.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und FamilieBearbeiten

Rentzel war ein Sohn des Hamburger Oberalten und Ratsherrn Hermann Rentzel (1576–1657) und ein Enkel des Ratsherrn Peter Rentzel († 1618)[2]. Sein Bruder Hermann Rentzel (1612–1683)[3] war ebenfalls Oberalter und seine Schwester Anna Rentzel war mit dem Ratsherrn Lucas von Spreckelsen (1602–1659) verheiratet.

Am 20. Juni 1647 heiratete er Anna Maria Twestreng († 1678), Tochter des Oberalten und Ratsherrn Joachim Twestreng (1587–1647)[4]. Die Ehe blieb kinderlos.

Leben und WirkenBearbeiten

 
Portal des Spinnhauses mit den Wappen Rentzel und Twestreng

Nach seiner Schulbildung studierte Rentzel Jurisprudenz an der Universität Rostock[5] und der Universität Leiden. Dort hielt er 1634 unter dem Vorstand des Professors Nicolaas Dedel eine Disputation. Danach wechselte er an die Universität Basel und schloss dort sein Studium am 27. November 1640 als Lizenziat beider Rechte ab.

In Hamburg ließ sich Rentzel als Advokat nieder und wurde am 22. Februar 1658, am Tag der Petri Stuhlfeier, zum Ratsherrn gewählt. Als solcher übernahm er 1660 die Prätur und 1662 die Verwaltung der Hamburger Bank.[6]

Ein Streit mit dem Ratsherrn Nicolaus von der Fechte († 1660)[7], der gemeinsam mit Rentzel Prätor war, soll zu dessen frühem Tod im Jahr 1660 geführt haben. Danach soll Rentzel immer ernsthafter geworden sein und unglücklich gelebt haben. Seine frühere richterliche Tätigkeit brachten ihn daher auf den Gedanken, seine Schuld durch eine Stiftung für Straftäter zu sühnen.[8] In seinem Testament stiftete er, neben Mahlzeiten für das Waisenhaus und Gasthaus[9][10] auch das Hamburger Spinnhaus.[11][12][13][14]

In der Hauptkirche Sankt Katharinen befindet sich ein Porträt von Rentzel.[15][16]

Nach ihm wurde im Jahr 1899 die Rentzelstraße in den Hamburger Stadtteilen Rotherbaum und St. Pauli, sowie die Rentzelstraßenbrücke, die diese beiden Stadtteile verbindet, benannt.[17]

WerkeBearbeiten

  • Disputationes de iurisdictione et de mixtis finium regundorum actionibus. Leiden 1634.
  • Dissertatio inauguralis de quaestionibus miscellaneis. Basel 1640.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Buek nennt als Sterbedatum den 11. November 1662 (vgl. Literatur).
  2. Arnold Christian Beuthner: Rentzel, Peter, Raths-Herr. In: Hamburgisches Staats- und Gelehrten-Lexicon worin die Nahmen, das Leben und die Verdienste derjenigen Männer geist- und weltlichen Standes angeführet werden, welche von der heilsamen Reformation bis auf gegenwärtige Zeit, in dieser weltberühmten Stadt und derselben Gebiete, ein ansehnliches Ehren-Amt, oder eine hohe Würde bekleidet sich durch Schriften berühmt gemacht, daselbst gebohren und in der fremde beforderung erhalten, bereits aber das Zeitliche gesegnet haben. Christian Wilhelm Brandt, Hamburg 1739, OCLC 46285036, S. 298 (Digitalisat auf den Seiten der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg [abgerufen am 10. März 2015]).
  3. Friedrich Georg Buek: Hermann Rentzel. In: Die Hamburgischen Oberalten, ihre bürgerliche Wirksamkeit und ihre Familien. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1857, OCLC 844917815, S. 109–110 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 10. März 2015]).
  4. Friedrich Georg Buek: Joachim Twestreng. In: Die Hamburgischen Oberalten, ihre bürgerliche Wirksamkeit und ihre Familien. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1857, OCLC 844917815, S. 73–74 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 10. März 2015]).
  5. Eintrag im Rostocker Matrikelportal (abgerufen am 10. März 2015).
  6. Johann Albert Fabricius: Banco-Herren. In: Memoriarum Hamburgensium Volumen Sextum. Cui praemittuntur memoria saecularis instauratorum divino beneficio ante ducentos annos in hac urbe sacrorum evangelicorum, nec non spectatissimi tribunorum collegii ante duorum saeculorum spatium constituti. Felginers Witwe, Hamburg 1730, OCLC 470918828, S. 114 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 10. März 2015]).
  7. Friedrich Georg Buek: Nikolaus von der Fechte. In: Die Hamburgischen Oberalten, ihre bürgerliche Wirksamkeit und ihre Familien. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1857, OCLC 844917815, S. 99 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 10. März 2015]).
  8. Otto Beneke: Ein unheilvolles Landgericht. In: Hamburgische Geschichten und Denkwürdigkeiten. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1856, OCLC 837867979, S. 226–233 (Digitalisat im Internet Archive [abgerufen am 10. März 2015]).
  9. Friedrich Georg Buek: Gasthaus. In: Die Hamburgischen Oberalten, ihre bürgerliche Wirksamkeit und ihre Familien. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1857, OCLC 844917815, S. 454–456 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 10. März 2015]).
  10. Johann Martin Lappenberg, Hermann Gries: Peter Rentzel. In: Die milden Privatstiftungen zu Hamburg. Zweite umgearbeitete und veränderte Ausgabe. W. Mauke’s Söhne, Hamburg 1870, OCLC 845783823, S. 187, Nr. 312 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 10. März 2015]).
  11. Nicolaus Staphorst: „Spinnhauß-Ordnung von Anno 1669. 12 Maji. Erster Theil. Von der Fundation dieses Hauses“. In: „Historia Ecclesiæ Hamburgensis Diplomatica, das ist: Hamburgische Kirchen-Geschichte, aus Glaubwürdigen und mehrentheils noch ungedruckten Urkunden, so wol Kaiserlichen, Königlichen, Fürstlichen, Gräflichen, etc. als auch Päbstlichen, Erz-Bischöflichen, Bischöflichen und andrer beider Geistlicher als Weltlicher Personen respective Gnaden- Freiheits- und Bestätigungs-Briefen, Concessionen, Indulten, Stiftungen, Vermächtnüssen, Verordnungen, Statuten, Verträgen, Contracten, Vergleichungen und andern dergleichen vielfältigen Schriften, Gesammelt, beschrieben und in Ordnung gebracht“. „Des Ersten Theils Vierter Band, darin die Geschichten des funffzehenden Jahrhunderts enthalten sind“. Theodor Christoph Felginers Wittwe, Hamburg 1731, OCLC 643633206, S. 755–756 (Digitalisat auf den Seiten der Bayerischen Staatsbibliothek [abgerufen am 10. März 2015]).
  12. Johann Anton Rudolph Janssen: Die Kirche im Spinnhause. In: Ausführliche Nachrichten über die sämmtlichen evangelisch-protestantischen Kirchen und Geistlichen der freyen und Hansestadt Hamburg und ihres Gebiethes, sowie über deren Johanneum, Gymnasium, Bibliothek, und die dabey angestellten Männer. Hamburg 1826, OCLC 311617453, S. 177 (Digitalisat auf den Seiten der Bayerischen Staatsbibliothek [abgerufen am 10. März 2015]).
  13. Wilhelm Louis Meeder: Geschichte von Hamburg, vom Entstehen der Stadt bis auf die neueste Zeit. Zweiter Theil. Johann Jacob Siegmund Wörmer jun., Hamburg 1839, OCLC 832601882, S. 288–289 (Digitalisat bei Google Books [abgerufen am 10. März 2015]).
  14. Friedrich Georg Buek: Vom ehemaligen Spinnhause. In: Hamburgische Alterthümer. Beitrag zur Geschichte der Stadt und ihrer Sitten. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1859, OCLC 46305396, S. 138–141 (Digitalisat auf den Seiten der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg [abgerufen am 10. März 2015]).
  15. Theodor Anckelmann: Inscriptiones Antiquißimæ & celeberrimæ Urbis Patriæ Hamburgensis. Christian Liebezeit, Hamburg 1706, OCLC 159904516, S. 49, Nr. CLVII (Digitalisat auf den Seiten der Bayerischen Staatsbibliothek [abgerufen am 10. März 2015]).
  16. Günther Grundmann (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg. Bearbeitet von Renata Klée Gobert in Verbindung mit Peter Wiek. Band 3. Innenstadt. Die Hauptkirchen St. Petri, St. Katharinen, St. Jacobi. Christian Wegner Verlag, Hamburg 1968, DNB 455661316, OCLC 185758484, S. 142.
  17. Rentzelstraße (Südteil) im kommentierten Strassenverzeichnis des Stadtteils St. Pauli von Ingolf Goritz (abgerufen am 10. März 2015).