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Das Palace ist ein ehemaliges Kino in St. Gallen, das heute als Konzert- und Diskussionslokal verwendet wird. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.[1]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Vorgeschichte als KinoBearbeiten

Der aus Zürich-Oerlikon stammende Elektromonteur Jules Schulthess liess anfangs der 1920er-Jahre am Blumenbergplatz das «Cinema Palace Theater» errichten. Architekt des Hauses war der jüdische Architekt Moritz «Moses» Hauser. Der Bau mit Garderobe, Foyer und Balkon ist entsprechend der Bauweise der 1920er-Jahre wuchtig, aber elegant.

Das Cinema Palace wurde am 25. März 1924 mit einer Galavorstellung eröffnet. Es lief der Film «Das Karussell im Prater», dazu tanzte Hedy Pfundmayr, die erste Solotänzerin an der Wiener Staatsoper. Am 16. März 1930 zeigte Schulthess im Palace den ersten Tonfilm in St.Gallen, «Sonny Boy, The Singing Fool». 1983 kaufte der Schweizer Kinomagnat Franz Anton Brüni das Palace. Als es die Stadt St. Gallen 2003 erstand, war es mit einem Servitut belegt, wonach darin kein Kinobetrieb mehr stattfinden darf. Der Stadtrat rief einen Ideenwettbewerb für die künftige Nutzung aus.[2]

Wiedereröffnung als KonzertlokalBearbeiten

Die Siegerprojekte hätten einen kostenintensiven Umbau des Gebäudes vorgesehen, den das Stadtparlament der Stadt St.Gallen ablehnte. Der Stadtrat stellte darauf den ehemaligen Betreibern des Konzertlokals Frohegg in St.Gallen und des Hafenbuffets Rorschach sowie von Klang und Kleid für zwei Jahre zur Verfügung: Statt über lange Kulturkonzepte wollten sie das Programm über einen Probebetrieb entwickeln.[3]

Am 27. Oktober 2006 wurde das Palace, anknüpfend an die Eröffnung 1924, mit einer Wiener Soiree mit Musikerinnen und Musikern aus Wien wieder eröffnet.[4] An den nächsten beiden Abenden spielte der alternative Countrysänger Digger Barnes und aus New York die Band Grizzly Bear.

Mit einem für die Ostschweiz einzigartigen Programm entwickelte sich das Palace rasch zu einem Konzertlokal, das über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus Beachtung fand. 2008 konnte das Palace saniert werden, auf den Probebetrieb folgte die definitive Betriebsbewilligung.[1] Für den Betrieb erhält das Palace von Stadt und Kanton St.Gallen einen jährlich wiederkehrenden Kredit.[5] In den folgenden Jahren wurde der Betrieb professionalisiert, gleichzeitig sicherte sich das Palace einen festen Platz in der Ostschweizer Kulturlandschaft.

HeuteBearbeiten

ProgrammBearbeiten

Das Palace spürt mit einem vielseitigen Musikprogramm popkulturelle Strömungen, interessante Nischen und überraschende Klänge auf. Das Musikprogramm ist stets am Puls der Zeit und will zukünftige Entwicklungen in der Musikszene vorwegnehmen. Überraschendes und Experimentelles hat im Programm genauso einen Platz wie Populäres. Die musizierenden Gäste kommen von nah und fern. Es gelingt dem Palace immer wieder, Bands zu engagieren, die den Nerv der Zeit treffen. Bands wie the xx, Courtney Barnett, Future Islands, Caribou, Young Fathers, Mac de Marco, u.v.m. spielten ihre ersten Auftritte in der Schweiz im Palace. Am meisten auf der Palace-Bühne standen Stahlberger, Jeffrey Lewis und Andreas Spechtl (Ja, Panik).[6]

Jeden Dienstagabend hält die Erfreuliche Universität ihre Vorlesungen ab, am Fuss des Rosenbergs mit seiner Wirtschaftsakademie. Die Erfreuliche Universität entwickelte sich zu einem wichtigen städtischen Diskussionsort. Die Themen reichen von Verkehrsplanung über die Medienkrise bis zum Weltuntergang – und immer wieder geht es um eine fortschrittliche Migrationspolitik. Die Erfreuliche Universität hat während 10 Jahren jede Saison ein neues Banner gehisst, u. a. gestaltet von den Künstler_innen André Butzer, Michaela Melián, Peter Kamm, Jutta Koether, Albert Oehlen, Cosima von Bonin, Klaudia Schifferle, Roberto Ohrt und Andy Hope.

Das Musik- und Vortragsprogramm wird mit Partyreihen und humoristischen Unterhaltungsabenden ergänzt. Während fünf Jahren widmete sich die «Rap History» jeden Monat einem Jahr in der Geschichte des Hip-Hop. Die beliebte Soul- und Funk-Tanznacht «Soul Gallen» lockt jeden Monat hunderte Besucher_innen ins Palace, während sich bei der Vortragsreihe «Worst Case Szenarios» alles um schlechte Kunst dreht. Die Verbindung von Konzert- und Diskussionslokal ist in dieser Form schweizweit einzigartig.[7]

AssociationBearbeiten

Der Verein Association Palace bildet die Trägerschaft des Konzertlokals. Durch eine breite Abstützung soll der Betrieb, aber auch das Bündnis für eine offensive Kultur und ein öffentliches Stadtleben gestärkt werden. Der Verein beschäftigt rund 50 Mitarbeitende, hinzu kommen zahlreiche Freiwillige. Über betriebliche und programmatische Fragen wird in den zuständigen Gruppen gemeinschaftlich entschieden. Das Palace ist ein offenes Haus, in dem Menschen mit Leidenschaft für unerhörte Töne und Ideen zusammenkommen und solidarisch zusammenarbeiten.[8]

KritikBearbeiten

Wegen seines auch politisch geprägten Programms geriet das Palace auch in die Kritik. So reichte die Stadtparlamentarierin Jennifer Deuel (FDP) einen Vorstoss mit dem Titel «Wem gehört eigentlich das Palace?» ein. Sie wollte wissen, welches Ziel die Veranstalter mit den Diskussionen in der Erfreulichen Uni verfolgen und ob es sinnvoll sei, eine politisch derart aktive Lokalität mit Finanzleistungen der Stadt zu unterstützen.[9] Der Stadtrat beschied ihr darauf, eine Einmischung in das Programm kultureller Investitionen werde nur mit Zurückhaltung ausgeübt.[10]

PreiseBearbeiten

2007 erhielt die Erfreuliche Universität einen Förderpreis der Stadt St.Gallen.[11] 2012 wurde das Palace mit dem Förderpreis der St.Gallischen Kulturstiftung ausgezeichnet.[12]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Minimalglanz fürs Palace – St.Galler Tagblatt Online. In: tagblatt.ch. Abgerufen am 26. Januar 2016.
  2. Geschichte des Cinema Palace - "Früher" Website des Palace. Abgerufen am 26. Januar 2016.
  3. Betriebskonzept Palace vom 3. März 2006, vorgestellt an der Medienkonferenz Website der Stadt St. Gallen. Abgerufen am 26. Januar 2016.
  4. Programm des Palace vom Oktober 2006 Website des Palace. Abgerufen am 26. Januar 2016.
  5. Kulturkonzept 2009 der Stadt St. Gallen Website der Stadt St. Gallen. Abgerufen am 26. Januar 2016.
  6. Palace St.GallenPalace St.Gallen - Portrait. Abgerufen am 12. September 2018.
  7. Palace St.GallenPalace St.Gallen - Portrait. Abgerufen am 12. September 2018.
  8. Palace St.GallenPalace St.Gallen - Portrait. Abgerufen am 12. September 2018.
  9. Einfache Anfrage von Jennifer Deuel Website des Stadtparlaments. Abgerufen am 26. Januar 2016.
  10. Palace für Stadtrat nicht «zu links» Artikel des Toggenburger Tagblattes vom 11. August 2010. Abgerufen am 26. Januar 2016.
  11. Ein Preis mit Auftrag (Memento vom 3. Februar 2016 im Internet Archive) Artikel des St. Galler Tagblattes vom 24. November 2007. 24.November 2007.
  12. Kulturpreise für Palace, Poetry-Slam und Orchester Artikel des St. Galler Tagblattes vom 19. April 2012. Abgerufen am 26. Januar 2016.