PCC SE

Unternehmen

Die PCC SE mit Sitz in Duisburg ist eine mit mehr als 3300 Mitarbeitern (2021) in den Bereichen Chemie, Logistik und Energie tätige Unternehmensgruppe. Gründer und Alleinaktionär der Gesellschaft ist Waldemar Preussner.

PCC SE

Rechtsform Europäische Gesellschaft
Gründung 1993
Sitz Duisburg, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Peter Wenzel (Vorstandsvorsitzender), Ulrike Warnecke und Alfred Pelzer (Vorstandsmitglieder)[1][2]
Mitarbeiterzahl 3.311 (31. Dezember 2021)[3]
Umsatz 980 Mio. Euro (2021)[4]
Branche Chemie, Energie, Logistik
Website www.pcc.eu

UnternehmensgeschichteBearbeiten

HintergrundBearbeiten

1993 wurde die Vorgängergesellschaft der PCC SE, die Petro Carbo Chem Rohstoffhandelsgesellschaft mbH (heute: PCC Trade & Services GmbH), von Waldemar Preussner und Partnern in Duisburg gegründet. 1998 wurde durch Abspaltung die PCC AG geschaffen. Im Februar 2007 wurde die Rechtsform von der AG zur Europäischen Aktiengesellschaft (SE) gewechselt.

Der Konzern ist durch Ankäufe und Beteiligungen an anderen Unternehmen stark gewachsen. 1998 startete die PCC SE als eines der ersten deutschen mittelständischen Unternehmen die eigenständige, bankenunabhängige Begebung von Anleihen im Direktvertrieb. Unternehmensanleihen bilden seitdem das wesentliche Finanzierungsinstrument der Konzernholding.[4][5] Die meisten Standorte der Gruppe liegen seit der Unternehmensgründung in Mittel- und Osteuropa, allen voran in Polen. Seit der Liberalisierung der Märkte in dieser Region ist die PCC dort vor allem als Chemieproduzent und Rohstoffhändler sowie als Logistikanbieter und Betreiber von Kraftwerken tätig. Die PCC erwarb im Rahmen der Privatisierungen von Staatsbetrieben diverse Unternehmen, die in den Folgejahren mit erheblichen Investitionen modernisiert und erweitert wurden.[6][7][8] Mit dieser Expansion ging gleichzeitig der Wandel vom Rohstoffhandelsunternehmen zum diversifizierten Konzern mit starker eigener Produktionsbasis einher.[6] Die weitere Internationalisierung wurde insbesondere durch Investitionen in den USA, Südostasien und Westafrika sowie in Island vorangetrieben.[4][8]

2021 erzielte die PCC mit ihren rund 70 Beteiligungen in 17 Ländern einen Konzernumsatz von 980 Mio. €. Das Unternehmen erwirtschaftete ein Ergebnis vor Finanzergebnis, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 197,5 Mio. € und ein Vorsteuerergebnis von 91,7 Mio. €.[4]

Kennzahlen des PCC-Konzerns gemäß IFRS[9]
2017 2018 2019 2020 2021
Umsatz 683,2 Mio. € 779,2 Mio. € 767,5 Mio. € 716,8 Mio. € 979,6 Mio. €
EBITDA 73,8 Mio. € 105,3 Mio. € 99,0 Mio. € 83,8 Mio. € 197,5 Mio. €
EBT 13,6 Mio. € 41,5 Mio. € 19,3 Mio. € −38,4 Mio. € 91,7 Mio. €
Investitionen 101,4 Mio. € 168,6 Mio. € 163,5 Mio. € 66,6 Mio. € 110,9 Mio. €
Mitarbeiter (zum 31.12.) 3.389 3.476 3.583 3.176 3.311

AkquisitionenBearbeiten

2000–2008: Akquisition von Anteilen an polnischen Güterverkehrsunternehmen bis zur Bündelung dieser Aktivitäten im Unternehmensverbund PCC Logistics, der zum größten privaten Güterbahnbetreiber des Landes und 2009 an die Deutsche Bahn AG veräußert wurde.[6][10][11]

2002–2010: Die PCC erwarb sukzessive Anteile eines bedeutenden polnischen Chemieproduzenten, der heutigen PCC Rokita SA. Sie ist seitdem die größte Tochtergesellschaft des Konzerns.[6]

2006: Durch die Übernahme eines Geschäftsbereichs der Rütgers Organics Corporation entstand die PCC Chemax, Inc. in Piedmont, South Carolina, USA.[6]

2009: Akquisition der heutigen PCC Silicium S.A. in Zagórze (Polen), die über einen Quarzit-Steinbruch verfügt. Dieser bildet die Rohstoffbasis der Siliziummetall-Anlage der PCC in Island.[6]

2015–2018: Die PCC Rokita SA gründete mit dem thailändischen Polyole- und Polyurethane-Produzenten IRPC Polyol Company Ltd. ein Gemeinschaftsunternehmen und übernahm bis 2018 insgesamt 50 Prozent des Joint-Venture-Partners.[6][12]

ProjektinvestitionenBearbeiten

2005: Beginn des Engagements der PCC im Kraftwerkssegment erneuerbarer Energien durch die Gründung des Joint Ventures PCC DEG Renewables GmbH mit der KfW-Tochter DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH. Die Anfangsfinanzierung betrug 8 Mio. €. Zwischen 2009 und 2014 wurden fünf Kleinwasserkraftwerke in Südosteuropa in Betrieb genommen.[6]

2012: Die PCC SE und ihr langjähriger Partner, die russische JSC Shchekinoazot, legten mit dem Joint Venture OOO DME Aerosol die Basis für ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von 20 Mio. € zur Herstellung von hochreinem Dimethylether (DME). Der Baubeginn war 2017, die Inbetriebnahme erfolgte im Dezember 2018.[6][13]

2013: Baubeginn einer Produktionsanlage für hochreine Monochloressigsäure (MCAA). Die Anlage wurde von der PCC MCAA Sp. z o.o. Ende 2016 in Betrieb genommen.[14][15]

2012–2018: In mehrjährigen Verhandlungen wurde die Finanzierung des Baus einer Siliziummetall-Produktionsanlage in Island durch die Projektgesellschaft PCC BakkiSilicon hf sichergestellt. Es war das mit einem Investitionsvolumen von rund 265 Mio. € größte Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte. Der Baubeginn war im September 2015, der Produktionsstart erfolgte im Mai 2018.[6] Die Anlage nahe der Kleinstadt Húsavík produziert Siliziummetall als wesentlichen Rohstoff vor allem für die chemische Industrie. Da das Werk auf deutscher Anlagentechnik basiert und seine Erzeugnisse von rohstoffpolitischer Bedeutung für die deutsche Wirtschaft sind, wurde das Projekt durch Finanzierungsinstrumente des Bundes gefördert. Zum Anlagenbetrieb wird ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen genutzt (vor allem Geothermie).[16]

BörsengängeBearbeiten

2009: Teilbörsengang der PCC Intermodal S.A. (internationale Containerlogistik) an der Warschauer Wertpapierbörse. Die PCC SE blieb weiterhin Mehrheitsaktionär.[6] 2018 übernahm die PCC SE Anteile von Minderheitsgesellschaftern an dem Unternehmen und nahm es durch ein Delisting wieder von der Börse.[17]

2012: Börsengang des Tenside-Herstellers PCC Exol SA an der Warschauer Börse. Die PCC SE bleibt mit rund 86 Prozent der Anteile Mehrheitsaktionär.[6]

2014: Börsengang der größten PCC-Konzerngesellschaft PCC Rokita SA an der Warschauer Börse. Die PCC SE bleibt mit rund 84 Prozent der Anteile Mehrheitsaktionär.[6]

VeräußerungenBearbeiten

2008: Verkauf der Rokita-Agro an den israelischen Agrochemieproduzenten Makhteshim Agan Industries (heute Adama).[6]

2009: Der polnische Unternehmensverbund PCC Logistics wird an die Deutsche Bahn verkauft und in DB Schenker Rail Polska (heute DB Cargo Polska) umbenannt.[11]

2010: Verkauf des Energieversorgers PCC Energie an die spanische Nexus Energía[6]

2015: Verkauf des polnischen Telekommunikations- und Datacenteranbieters 3Services Factory an einen Investmentfonds.[18]

KonzernstrukturBearbeiten

ChemiesparteBearbeiten

Hauptumsatzträger des Konzerns ist mit einem Anteil von rund 83 Prozent die Chemiesparte mit den fünf Segmenten Polyole, Tenside, Chlor, Spezialchemie (u. a. Phosphor-Derivate und Alkylphenole) und Konsumgüter, die 2021 einen Umsatz von 809,1 Mio. € erzielte.[4] Die Produktion erfolgt vor allem in Polen. Bedeutendste Spartengesellschaft ist die PCC Rokita SA mit Sitz in Brzeg Dolny, u. a. Osteuropas führender Hersteller von Polyether-Polyolen, den Grundstoffen von PU-Schaumstoffen etwa für Matratzen, und ein bedeutender Chlorproduzent. Die PCC Exol SA mit Sitz in Brzeg Dolny ist der einzige Hersteller von Tensiden in Polen.[19] Die wichtigste Handelsgesellschaft ist die PCC Trade & Services GmbH mit dem Rohstoffhandel, dem ursprünglichen Stammgeschäft der PCC. Die größte Beteiligung im Konsumgütersegment ist die PCC Consumer Products Kosmet, ein polnischer Hersteller u. a. von Haushaltsreinigern, Waschmitteln und Körperpflegeprodukten.

LogistiksparteBearbeiten

Die Sparte Logistik wird von der PCC Intermodal S.A. dominiert, einem führenden privaten Logistikdienstleister in Osteuropa mit insgesamt fünf eigenen Kombiverkehrsterminals in Polen und Deutschland zur Containerverladung zwischen Schienen- und Straßentransport. Linienverbindungen bestehen unter anderem zwischen den polnischen Inlandterminals der PCC an die Seehäfen in Deutschland und den Benelux-Ländern.[19][20]

EnergiesparteBearbeiten

In der Energiesparte werden die konventionellen Kraftwerke der PCC-Gruppe geführt. Zudem projektiert und betreibt sie im Geschäftsfeld erneuerbarer Energien eine Reihe umweltfreundlicher Kleinwasserkraftwerke in Nordmazedonien und Bosnien-Herzegowina.[19]

Sparte Holding/ProjekteBearbeiten

Diese Sparte erbringt konzernübergreifende Dienstleistungen etwa in den Bereichen Informationstechnik und Finanzen. Darüber hinaus steuert sie Großprojekte wie den Bau einer Produktionsanlage für Siliziummetall in Island, die 2018 in Betrieb genommen wurde.[19]

Gesellschaftliches EngagementBearbeiten

Das Unternehmen ist Namensgeber des PCC-Stadions, in dem der VfB Homberg spielt. Das soziale Engagement der PCC SE umfasst unter anderem 2019 bis 2022 die Unterstützung des Vereins Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V. bei der Hilfe für obdachlose Menschen[21] und 2018 des Deutschen Kinderschutzbunds in Duisburg bei einer Anlaufstelle für junge Mütter.[22]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Konzernführung
  2. PCC mit neuer Führungsstruktur. In: CHEManager. 27. August 2021, abgerufen am 15. Februar 2022.
  3. PCC SE Finanzinformationen. Abgerufen am 13. Mai 2022.
  4. a b c d e PCC-Konzern Geschäftsbericht 2021. (PDF; 7,1 MB) PCC SE, abgerufen am 13. Mai 2022.
  5. Mit Schaum, Shampoo und stillen Reserven. In: WirtschaftsWoche 27 2017, Seite 89. 30. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2018.
  6. a b c d e f g h i j k l m n o PCC SE Geschäftsbericht 2018, S. 22–31, Meilensteine der PCC-Geschichte. (PDF; 10,5 MB) PCC SE, abgerufen am 21. Februar 2020.
  7. PCC-Anleihen sind etwas für Zinssammler. In: faz.net. 2. Juni 2006, abgerufen am 19. Juni 2018.
  8. a b PCC setzt auf Kontinuität und unternehmerische Freiheit. In: CHEManager. 6. Juni 2019, abgerufen am 21. Februar 2020.
  9. Geschäftsberichte des PCC-Konzerns 2017-2021. Abgerufen am 13. Mai 2022.
  10. Polnische Eisenbahn aus Duisburg. In: welt.de. 26. Februar 2007, abgerufen am 2. Juli 2017.
  11. a b Verkauf der PCC Logistics an die Deutsche Bahn vollzogen. In: presseportal.ch. 22. Juli 2009, abgerufen am 19. Juni 2018.
  12. PCC Rokita gründet Joint Venture in Thailand. In: process.vogel.de. 19. Januar 2015, abgerufen am 19. Juni 2018.
  13. PCC startet Produktion von Dimethylether in Aerosol-Qualität. In: CHEManager. 7. Januar 2019, abgerufen am 21. Februar 2020.
  14. PCC-Konzern Quartalsbericht 4/2016. (PDF; 1,0 MB) PCC SE, abgerufen am 19. Juni 2018.
  15. PCC baut hochmoderne Produktionsanlage für die Spezialchemikalie MCAA. In: CHEManager. 31. August 2018, abgerufen am 21. Februar 2020.
  16. Isländische Traumfabrik. In: CHANCEN, KfW-Magazin für Entscheider, Frühling/Sommer 2016, S. 54. Abgerufen am 19. Juni 2018.
  17. PCC INTERMODAL (Resolution No. 913/2018). In: GPW Warschauer Wertpapierbörse. 10. September 2018, abgerufen am 21. Februar 2020 (englisch).
  18. PCC-Konzern Quartalsbericht 2/2015. (PDF; 2,4 MB) PCC SE, abgerufen am 19. Juni 2018.
  19. a b c d PCC-Konzern Geschäftsbericht 2020. (PDF; 6,0 MB) PCC, abgerufen am 15. Februar 2022.
  20. PCC Intermodal eröffnet erste Relation nach Österreich und Ungarn. In: Österreichische Verkehrszeitung Heft 25–26/2016. 6. Juli 2016, abgerufen am 19. Juni 2018.
  21. Die PCC unterstützt Verein Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V. bei Hilfe für obdachlose Menschen. Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V., 27. Januar 2020, abgerufen am 21. Februar 2020.
  22. Ein Pluspunkt für Duisburger Mütter. In: nrz.de. 3. Dezember 2017, abgerufen am 3. April 2018.