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PCC SE

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Rechtsform Europäische Gesellschaft
Gründung 1993
Sitz Duisburg, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • Ulrike Warnecke und Alfred Pelzer (Geschäftsführende Direktoren)[1]
Mitarbeiterzahl 3.389 (31.12.2017)[2]
Umsatz 683,2 Mio. Euro (2017)[3]
Branche Chemie, Energie, Logistik
Website www.pcc.eu

Die PCC SE mit Sitz in Duisburg ist die konzernleitende Holding der PCC-Gruppe, einer international mit rund 3.400 Mitarbeitern (2017) in den Bereichen Chemie, Logistik und Energie tätigen Unternehmensgruppe. Alleinaktionär der Gesellschaft ist Waldemar Preussner, der auch den Vorsitz im Verwaltungsrat innehat. Geschäftsführende Direktoren sind Ulrike Warnecke und Alfred Pelzer.

Inhaltsverzeichnis

UnternehmensgeschichteBearbeiten

HintergrundBearbeiten

1993 wurde die Vorgängergesellschaft der PCC SE, die Petro Carbo Chem Rohstoffhandelsgesellschaft mbH (heute: PCC Trade & Services GmbH), von Waldemar Preussner und Partnern in Duisburg gegründet. 1998 wurde durch Abspaltung die PCC AG geschaffen. Im Februar 2007 erfolgte ein Wechsel der Rechtsform von der AG zur Europäischen Aktiengesellschaft (SE).

Der Konzern ist durch Ankäufe und Beteiligungen an anderen Unternehmen stark gewachsen. 1998 startete die PCC SE als eines der ersten deutschen mittelständischen Unternehmen die eigenständige, bankenunabhängige Begebung von Anleihen im Direktvertrieb. Unternehmensanleihen bilden seitdem das wesentliche Finanzierungsinstrument der Konzernholding.[3][4] Die meisten Standorte der Gruppe liegen seit der Unternehmensgründung in Mittel- und Osteuropa, allen voran in Polen. Seit der Liberalisierung der Märkte in dieser Region ist die PCC dort vor allem als Chemieproduzent und Rohstoffhändler sowie als Logistikanbieter und Betreiber von Kraftwerken tätig. Die PCC erwarb im Rahmen der Privatisierungen von Staatsbetrieben diverse Unternehmen, die in den Folgejahren mit erheblichen Investitionen modernisiert und erweitert wurden.[5][6][7] Mit dieser Expansion ging gleichzeitig der Wandel vom Rohstoffhandelsunternehmen zum diversifizierten Konzern mit starker eigener Produktionsbasis einher.[5] Die weitere Internationalisierung wurde insbesondere durch Investitionen in den USA, Südostasien und Westafrika sowie in Island vorangetrieben.[3]

2017 erzielte die PCC mit ihren rund 80 Tochtergesellschaften in 18 Ländern mit 3.389 Mitarbeitern einen Konzernumsatz von 683,2 Mio. €. Es wurde ein Ergebnis vor Finanzergebnis, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 73,8 Mio € und ein Vorsteuergewinn von 13,6 Mio € erwirtschaftet.[3]

Kennzahlen des PCC-Konzerns gemäß IFRS[8]
2013 2014 2015 2016 2017
Umsatz 624,3 Mio. € 647,3 Mio. € 571,1 Mio. € 568,9 Mio. € 683,2 Mio. €
EBITDA 55,7 Mio. € 39,6 Mio. € 50,8 Mio. € 76,4 Mio. € 73,8 Mio. €
EBT 12,9 Mio. € −7,3 Mio. € 1,2 Mio. € 24,6 Mio. € 13,6 Mio. €
Investitionen 53,5 Mio. € 103,1 Mio. € 160,1 Mio. € 159,3 Mio. € 101,4 Mio. €
Mitarbeiter 2.752 2.896 2.992 3.032 3.389

AkquisitionenBearbeiten

2000–2008: Akquisition von Anteilen an polnischen Güterverkehrsunternehmen bis zur Bündelung dieser Aktivitäten im Unternehmensverbund PCC Logistics, der zum größten privaten Güterbahnbetreiber des Landes und 2009 an die Deutsche Bahn AG veräußert wurde.[5][9][10]

2002–2010: Die PCC erwarb sukzessive Anteile eines bedeutenden polnischen Chemieproduzenten, der heutigen PCC Rokita SA. Sie ist seitdem die größte Tochtergesellschaft des Konzerns.[5]

2006: Durch die Übernahme eines Geschäftsbereichs der Rütgers Organics Corporation entstand die PCC Chemax, Inc. in Piedmont (South Carolina, USA).[5]

2009: Akquisition der heutigen PCC Silicium S.A. in Zagórze (Polen), die über einen Quarzit-Steinbruch verfügt. Dieser bildet die Rohstoffbasis der Siliziummetall-Anlage der PCC in Island.[5]

2015–2018: Die PCC Rokita SA gründete mit dem thailändischen Polyole- und Polyurethane-Produzenten IRPC Polyol Company Ltd. ein Gemeinschaftsunternehmen und übernahm bis 2018 insgesamt 50 Prozent des Joint-Venture-Partners.[3][11]

ProjektinvestitionenBearbeiten

2005: Beginn des Engagements der PCC im Kraftwerkssegment erneuerbarer Energien durch die Gründung des Joint Ventures PCC DEG Renewables GmbH mit der KfW-Tochter DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH. Die Anfangsfinanzierung betrug 8 Mio. €. Zwischen 2009 und 2014 wurden fünf Kleinwasserkraftwerke in Südosteuropa in Betrieb genommen.[5]

2012: Die PCC SE und ihr langjähriger Partner, die russische JSC Shchekinoazot, legten mit dem Joint Venture OOO DME Aerosol die Basis für ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von 20 Mio. € zur Herstellung von hochreinem Dimethylether (DME). Die Inbetriebnahme ist für 2018 vorgesehen.[5]

2013: Baubeginn einer Produktionsanlage für hochreine Monochloressigsäure (MCAA). Die Anlage wurde von der PCC MCAA Sp. z o.o. Ende 2016 in Betrieb genommen.[12]

2012–2018: In mehrjährigen Verhandlungen wurde die Finanzierung des Baus einer Siliziummetall-Produktionsanlage in Island durch die Projektgesellschaft PCC BakkiSilicon hf sichergestellt. Es ist das mit einem Investitionsvolumen von rund 265 Mio. € größte Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte. Der Baubeginn war im September 2015, der Produktionsstart erfolgte im Mai 2018.[3] Die Anlage nahe der Kleinstadt Húsavík produziert Siliziummetall als wesentlichen Rohstoff vor allem für die chemische Industrie. Da das Werk auf deutscher Anlagentechnik basiert und seine Erzeugnisse von rohstoffpolitischer Bedeutung für die deutsche Wirtschaft sind, wurde das Projekt durch Finanzierungsinstrumente des Bundes gefördert. Zum Anlagenbetrieb wird ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen genutzt (vor allem Geothermie).[13]

BörsengängeBearbeiten

2009: Börsengang der PCC Intermodal S.A. (internationale Containerlogistik) an der Warschauer Wertpapierbörse. Die PCC SE ist mit rund 77 Prozent der Anteile (Stand 31.12.2017) weiterhin Mehrheitsaktionär.[5]

2012: Börsengang des Tenside-Herstellers PCC Exol SA an der Warschauer Börse. Auch hier bleibt die PCC SE mit rund 86 Prozent der Anteile (Stand 31.12.2017) Mehrheitsaktionär.[5]

2014: Börsengang der größten PCC-Konzerngesellschaft PCC Rokita SA an der Warschauer Börse. Die PCC SE bleibt mit rund 84 Prozent der Anteile (Stand 31.12.2017) Mehrheitsaktionär.[3]

VeräußerungenBearbeiten

2008: Verkauf der Rokita-Agro an den israelischen Agrochemieproduzenten Makhteshim Agan Industries (heute Adama).[5]

2009: Der polnische Unternehmensverbund PCC Logistics wird an die Deutsche Bahn AG verkauft und in DB Schenker Rail Polska (heute DB Cargo Polska) umbenannt.[10]

2010: Verkauf des Energieversorgers PCC Energie GmbH an die spanische Nexus Energía S.A.[5]

2015: Verkauf des polnischen Telekommunikations- und Datacenteranbieters 3Services Factory S.A. an einen internationalen Investmentfonds.[14]

KonzernstrukturBearbeiten

Der Konzerngeschäftsbericht 2017 nennt 48 vollkonsolidierte Beteiligungen der PCC SE in den vier Sparten Chemie, Logistik, Energie und Holding/Projekte.[3]

ChemiesparteBearbeiten

Hauptumsatzträger des Konzerns ist mit einem Anteil von rund 86 Prozent die Chemiesparte mit den fünf Segmenten Polyole, Tenside, Chlor, Spezialchemie (u. a. Phosphor-Derivate und Alkylphenole) und Konsumgüter, die 2017 einen Umsatz von 587,9 Mio. € erzielte.[3] Die Produktion erfolgt vor allem in Polen. Bedeutendste Spartengesellschaft ist die PCC Rokita SA mit Sitz in Brzeg Dolny, u. a. Osteuropas führender Hersteller von Polyether-Polyolen, den Grundstoffen von PUR-Schaumstoffen etwa für Matratzen, und ein bedeutender Chlorproduzent. Die PCC Exol SA mit Sitz in Brzeg Dolny ist der einzige Hersteller von Tensiden in Polen.[3] Die wichtigste Handelsgesellschaft ist die PCC Trade & Services GmbH mit dem Rohstoffhandel, dem ursprünglichen Stammgeschäft der PCC. Die größte Beteiligung im Konsumgütersegment ist die PCC Consumer Products Kosmet, ein polnischer Hersteller u. a. von Haushaltsreinigern, Waschmitteln und Körperpflegeprodukten.

LogistiksparteBearbeiten

Die Sparte Logistik wird von der PCC Intermodal S.A. dominiert, einem führenden privaten Logistikdienstleister in Osteuropa mit insgesamt fünf eigenen Kombiverkehrsterminals in Polen und Deutschland zur Containerverladung zwischen Schienen- und Straßentransport. Linienverbindungen bestehen unter anderem zwischen den polnischen Inlandterminals der PCC an die Seehäfen in Deutschland und den Benelux-Ländern.[3][15]

EnergiesparteBearbeiten

In der Energiesparte werden die konventionellen Kraftwerke der PCC-Gruppe geführt. Zudem projektiert und betreibt sie im Geschäftsfeld erneuerbarer Energien eine Reihe umweltfreundlicher Kleinwasserkraftwerke in der Republik Mazedonien und in Bosnien-Herzegowina.[3]

Sparte Holding/ProjekteBearbeiten

Diese Sparte erbringt konzernübergreifende Dienstleistungen etwa in den Bereichen Informationstechnik und Finanzen. Darüber hinaus steuert sie Großprojekte wie den Bau einer Produktionsanlage für Siliziummetall in Island, die 2018 fertiggestellt wurde.[3]

Gesellschaftliches EngagementBearbeiten

Das Unternehmen ist Namensgeber des PCC-Stadions, in dem der Frauenfußball-Bundesligist MSV Duisburg (vormals FCR 2001 Duisburg) und der VfB Homberg spielen. Das soziale Engagement der PCC SE umfasst unter anderem die Unterstützung des Deutschen Kinderschutzbunds in Duisburg bei einer Anlaufstelle für junge Mütter[16] sowie der Hilfsorganisation AOHM Amani Orphans´ Home Mbigili für Aidswaisen in Tansania.[17]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Konzernführung
  2. PCC SE Konzernstruktur. Abgerufen am 19. Juni 2018.
  3. a b c d e f g h i j k l m PCC-Konzern Geschäftsbericht 2017. (PDF; 3,0 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) PCC SE, ehemals im Original; abgerufen am 19. Juni 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/www.pcc.eu (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Mit Schaum, Shampoo und stillen Reserven. In: WirtschaftsWoche 27 2017, Seite 89. 30. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2018.
  5. a b c d e f g h i j k l PCC SE Geschäftsbericht 2013, S. 24–31, Meilensteine der Unternehmensgeschichte. (PDF; 6,0 MB) PCC SE, abgerufen am 19. Juni 2018.
  6. PCC-Anleihen sind etwas für Zinssammler. In: faz.net. 2. Juni 2006, abgerufen am 19. Juni 2018.
  7. Herr Preussner und sein Chemiewerk. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Süddeutsche Zeitung. 14. April 2004, archiviert vom Original am 20. Januar 2018; abgerufen am 19. Juni 2018.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.iscgroup.eu
  8. Geschäftsberichte des PCC-Konzerns 2013-2017. Abgerufen am 19. Juni 2018.
  9. Polnische Eisenbahn aus Duisburg. In: welt.de. 26. Februar 2007, abgerufen am 2. Juli 2017.
  10. a b Verkauf der PCC Logistics an die Deutsche Bahn vollzogen. In: presseportal.ch. 22. Juli 2009, abgerufen am 19. Juni 2018.
  11. PCC Rokita gründet Joint Venture in Thailand. In: process.vogel.de. 19. Januar 2015, abgerufen am 19. Juni 2018.
  12. PCC-Konzern Quartalsbericht 4/2016. (PDF; 1,0 MB) PCC SE, abgerufen am 19. Juni 2018.
  13. Isländische Traumfabrik. In: CHANCEN, KfW-Magazin für Entscheider, Frühling/Sommer 2016, S. 54. Abgerufen am 19. Juni 2018.
  14. PCC-Konzern Quartalsbericht 2/2015. (PDF; 2,4 MB) PCC SE, abgerufen am 19. Juni 2018.
  15. PCC Intermodal eröffnet erste Relation nach Österreich und Ungarn. In: Österreichische Verkehrszeitung Heft 25–26/2016. 6. Juli 2016, abgerufen am 19. Juni 2018.
  16. Ein Pluspunkt für Duisburger Mütter. In: nrz.de. 3. Dezember 2017, abgerufen am 3. April 2018.
  17. Unterstützer, Website des Amani Orphans Home Mbigili, abgerufen am 2. März 2017.