Hauptmenü öffnen
Ost-Ampelmännchen

Das Ost-Ampelmännchen bzw. die Ost-Ampelfrau (auch -mädchen bzw. -weibchen)[1] ist eine Variante des Ampelmännchens, dessen Ursprung in der Zeit der DDR liegt.

In Deutschland sind neben dieser Variante das Euromännchen sowie das westdeutsche Ampelmännchen verbreitet.

Geschichte in der DDRBearbeiten

 
Bild 11: für Fußgänger: Verkehrsrichtung freigegeben. Verkehrszeichen der Deutschen Demokratischen Republik nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) von 1977, die 1978 in Kraft trat.

Der Verkehrspsychologe Karl Peglau schlug 1961 dem Verkehrsministerium der DDR vor, dass jede Verkehrsteilnehmergruppe eine eigene Ampel bekommen solle. Er entwickelte besondere Zeichen für Fußgängerampeln, die das Sinnbild eines stehenden bzw. gehenden Fußgängers zeigen. Besonders Kinder und ältere Menschen ließen sich von den anschaulichen Sinnbildern in ihrem Verhalten beeinflussen.[2] Diese Figuren wurden von ihrem Schöpfer ursprünglich als Stoppi (rot) und Galoppo (grün) bezeichnet.[3]

Nach der Gestaltung durch Karl Peglau im Jahr 1961 wurden die Ost-Ampelmännchen nach jahrelangen verschiedenen fachlichen, wissenschaftlichen und staatlichen Prüfungen 1969 in Ost-Berlin an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße eingeführt. Im Jahr 1970 wurden sie als offizielle Fußgängersignale in den Lichtsignalstandard der DDR aufgenommen. Zur besseren Akzeptanz bei Kindern wurde im Fernsehen der DDR die Reihe Verkehrskompaß gesendet. Nach und nach kamen sie flächendeckend in der gesamten DDR zum Einsatz. Gefertigt wurden die Ampeln anfangs in Berlin vom VEB Leuchtenbau, danach von einer Dresdner PGH und von Bergner & Weiser in Pößneck. Im Jahr 1974 bekam die Schmidt KG im sächsischen Wildenfels (der spätere VEB Signaltechnik) den Auftrag zur Produktion und rüstete bis zur Wende die Fußgängerampeln mit diesen Ampelmännchen aus.

Geschichte im wiedervereinigten DeutschlandBearbeiten

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Ost-Ampelmännchen im Gebiet der ehemaligen DDR zunächst sukzessive gegen das westdeutsche Ampelmännchen ausgetauscht. Innerhalb der Bevölkerung kam es daraufhin zu Protesten. Besonderes Interesse weckten damals Ampelleuchten, die der Produktdesigner Markus Heckhausen aus ausgemusterten Ampelgläsern produzierte.[4] Gemeinsam mit Karl Peglau, dem Erfinder der Ampelmännchen, brachte er 1997 das Buch vom Ampelmännchen im Eulenspiegelverlag heraus.[5] Die Veröffentlichung des Buches und Aktionen des Komitees zur Rettung der Ampelmännchen erregten so großes Interesse, dass sich auch Politiker für die Rettung der Ost-Ampelmännchen interessierten. So wurde das Ost-Ampelmännchen etwas später in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen als zulässiges Sinnbild aufgenommen.

In Berlin werden seit Januar 2005 auch in den Westbezirken Ost-Ampelmännchen an Lichtzeichenanlagen eingesetzt. Diesem Beispiel folgten verschiedene andere westdeutsche Städte; in der Stadt Hückeswagen bei Wuppertal haben sie vollständig die Fußgängersignalisierung übernommen.

In Bayern wurde mit dem Einführungserlass "Vollzug der Straßenverkehrsordnung (StVO); „Richtlinien für Lichtsignalanlagen“ (RiLSA, Ausgabe 2015") des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr vom 2. Dezember 2015 festgelegt: "Die zu verwendenden Fußgängersignalgeber sind unter Ziff. 6.2.7 der Richtlinien geregelt. In Bayern dürfen die im Einigungsvertrag zugelassenen Fußgängersignalbilder („Ampelmännchen“) nicht verwendet werden." Allerdings wurden in der Stadt Neu-Ulm ab Oktober 2013 mehrere Ampelanlagen auf das Ost-Ampelmännchen umgerüstet.[6][7]

Forscher ermittelten, dass das Peglau-Ampelmänchen besser erkannt wird als die „westlichen“ Ampelmännchen.[8]

Dem Ost-Ampelmännchen kommt eine besondere Eigenschaft zu, da es nach der Deutschen Wiedervereinigung zum Sinnbild der Ostalgie geworden ist. Außerdem hat sich das Ampelmännchen über die Jahre zum Symbol für die deutsche Hauptstadt Berlin entwickelt und ist besonders bei Touristen beliebt. Diese Entwicklung begann 1997. Seit diesem Jahr sind die Ampelmännchen eine eingetragene Marke der AMPELMANN GmbH.[9][10] Ampelmännchenerfinder Karl Peglau arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 2009 im Unternehmen mit.[11]

 
Ampelmann-Shop in Berlin

AmpelfrauBearbeiten

 
Ampelfrauen in Zwickau

Der Graphiker Hans-Jürgen Ellenberger hat 1996 eine Ampelfrau (Ost-Ampelmädchen, Ost-Ampelweibchen) aus der Form des Ost-Ampelmännchens 1996 entworfen. Sie wurde erstmals 1997 im Buch vom Ampelmännchen veröffentlicht. Der Herausgeber Markus Heckhausen hat 2000 die Ost-Ampelfrau als Geschmacksmuster eintragen lassen und sich die Nutzung der Urheberrechte von Ellenberger exklusiv gesichert. Die Figuren-Leuchtfläche erhielt dazu Zöpfe und einen Rock. Vorteil dieses Sinnbildes ist – neben der Gleichberechtigung – die vergrößerte Leuchtfläche und damit eine bessere Auffälligkeit der Signalfarbe. Dem Design der Ampelfrau liegen ähnliche Überlegungen zugrunde, die auch schon der Einführung der ostdeutschen Ampelmännchen vorausgingen. Die Gebote der Ampel sollen nicht nur durch die Farbe, sondern auch durch eine aussagefähige bildliche Darstellung angezeigt werden. Dabei soll die Gestaltung sowohl freundlich wirken als auch durch eine große Symbolfläche eine hohe Signalwirkung erzielen.

Die Ost-Ampelfrau wurde seitdem in mehreren ostdeutschen wie auch westdeutschen Städten etabliert.

Ende November 2004 wurde die Ost-Ampelfrau von Ellenberger in Zwickau versuchsweise in Betrieb genommen. Laut Zwickauer Stadtsprecherin Angelika Michaelis fordere die Straßenverkehrsordnung lediglich das Sinnbild eines Fußgängers, eine „Geschlechtsbestimmung“ gebe es nicht. Drei Monate lang sollte getestet werden, wie die Ampelfrau bei den Zwickauern ankommt. Dann sollten eventuell weitere Ampeln umgerüstet werden.

Am 24. Januar 2005 wurde auch in Dresden eine Ampel mit Ost-Ampelfrau aufgestellt. Diese Initiative ging von der Dresdner Gleichstellungsbeauftragten, Kristina Winkler, aus. Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister Ingolf Roßberg und dem Hersteller der Ampelfrau, Joachim Roßberg, wurde im Dresdner Stadtzentrum, direkt am Eingang zur Prager Straße, die erste Ampelanlage umgerüstet. Mittlerweile wurden 10 Lichtsignalanlagen Dresdens mit der Ampelfrau ausgestattet.

Im Sommer 2010 erschienen die ersten Ost-Ampelfrauen in Bremen.[12] Bei der Wahl eines Namens für das neue Lichtzeichen sprach sich Bremens Frauenbeauftragte für die Bezeichnung „Ampelfrau“ aus. Bisher wurden vier Lichtzeichenanlagen mit den neuen Sinnbildern ausgerüstet.

Weitere Ost-Ampelfrauen befinden sich in Leipzig, Werdau, in Köln-Ehrenfeld,[13] Erfurt,[14] Fulda,[15] Offenbach,[16] Magdeburg, Fürstenwalde[17] und seit Oktober 2013 in Kassel.[18]

Aufsehen erregte 2012 der Vorwurf der Fraktionsvorsitzenden der SPD im brandenburgischen Teltow, Christine Hochmuth, „eine Frau mit langen Zöpfen und schwingendem Röckchen vermittle … kein zeitgemäßes Frauenbild“.[19] Sie lehnte mit dieser Auffassung den Vorschlag eines Stadtverordneten ab, die Ampelfrau auch in Teltow einzuführen.

Alternative Ampelmännchen in ErfurtBearbeiten

 
Ampelfrau in Erfurt

In Erfurt kamen bereits in den 1980er-Jahren städtische Angestellte bei der Wartung und Reparatur von Ampeln auf die Idee, das einheitliche Aussehen einzelner grüner Ampelmännchen zu verändern, so dass bis heute 14 der insgesamt 1400 Erfurter Fußgängerampeln ein abgewandeltes grünes Ost-Ampelmännchen zeigen (Wandersmann mit Rucksack und Wanderstock, Ampelmännchen mit Regenschirm, Ampelmännchen als Schulanfänger mit Zuckertüte usw.[20]). Diese überstanden sowohl die Einführung des bundesdeutschen Ampelmännchens nach der Wiedervereinigung als auch die Bestrebungen, ein EU-weit einheitliches Ampelmännchen zu etablieren.[21] Die städtische Touristinformation Erfurt bietet thematische Stadtführungen (Erfurter Ampelmann-Tour) zum Thema an.[22]

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mit Rock und Zöpfen: Erste Brandenburger Ampelfrau im Dienst. In: Berliner-Kurier.de. (berliner-kurier.de [abgerufen am 13. Oktober 2017]).
  2. Geschichte des Ampelmännchens (Memento vom 6. Oktober 2013 im Internet Archive)
  3. Jubiläum: Aus der Ampel in die Welt – Das Ost-Ampelmännchen wird 50. (Memento vom 20. Februar 2018 im Internet Archive) Online auf fr.de vom 12. Oktober 2011.
  4. Christoph Dieckmann: Danke, Herr Ampelmann In: Die Zeit Online, 23. August 1996, abgerufen am 6. April 2016.
  5. Markus Heckhausen: Das Buch vom Ampelmännchen. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-359-00910-X.
  6. Man(n) trägt jetzt Hut, Augsburger Allgemeine, 15. Januar 2014
  7. Ost-Ampelmännchen erobert Neu-Ulm, Südwest-Presse, 24. Februar 2014
  8. Claudia Peschke, Bettina Olk, Claus C. Hilgetag: Should I Stay or Should I Go – Cognitive Conflict in Multi-Attribute Signals Probed with East and West German ‘Ampelmännchen’ Traffic Signs. In: PLOS ONE. Band 8, Nr. 5, e64712, doi:10.1371/journal.pone.0064712
    Sieg für das Ossi-Ampelmännchen. Auf: wissenschaft.de vom 21. Juni 2013, abgerufen am 9. September 2019.
  9. Deutsches Patent und Markenamt: Registerauskunft Bildmarken der Ampelmann GmbH
  10. Christine Cornelius,dpa: Straßenverkehr Erfinder des Ost-Ampelmännchens ist tot. In: Mitteldeutsche Zeitung, 1. Dezember 2009, abgerufen am 6. April 2016.
  11. Berlins Ampelmännchen erobert die Welt. In: BerlinOnline, 13. Februar 2012, abgerufen am 6. April 2016.
  12. Erste Ampelfrauen: Vier erste Lichtzeichen wurden weiblich. (Memento vom 22. Juli 2010 im Internet Archive) auf: radiobremen.de, 19. Juli 2010; abgerufen am 26. Dezember 2010
  13. Kölner-Stadt-Anzeiger online (Memento des Originals vom 11. Mai 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ksta.de, abgerufen am 14. März 2009.
  14. Erfurter Ampelmännchen, abgerufen am 7. November 2012
  15. Die erste Ampelfrau in Fulda regelt den Verkehr, abgerufen am 4. Juni 2017
  16. op-online.de: Berliner/Ecke Herrnstraße. Erste Ampelfrau in Offenbach leuchtet, abgerufen am 23. April 2019
  17. tagesspiegel.de: Ampelmännchen bekommt weibliche Verstärkung, abgerufen am 6. März 2014
  18. hna.de: In Kassel leuchtet die erste hessische Ampelfrau, abgerufen am 6. März 2014
  19. Abgeordnete finden Ampelfrau sexistisch. Der Tagesspiegel: 9. März 2012, abgerufen 9. März 2012.
  20. Galerie zu den verschiedenen Männchen
  21. Erfurt ist Keimzelle des extravaganten Ampelmännchens. In: Thüringer Allgemeine, 13. Oktober 2011.
  22. Erfurter Ampelmann-Tour (Ampelmännchen in Erfurt) – Erfurt Tourismus. In: EVE Tourist-Information in Erfurt. Erfurt 2012 (erfurt-touristinformation.de).