Oettinger Brauerei

Größte Brauerei Deutschlands
Oettinger Brauerei GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1731
Sitz Oettingen in Bayern, Deutschland
Leitung Peter Böck
Andreas Boettger[1]
Mitarbeiterzahl 1.028 (2017)[2]
Umsatz 313,1 Mio. EUR (2017)[2]
Branche Brauerei
Website www.oettinger-bier.de

Detailansicht Oettinger Brauerei, Luftaufnahme (2016)

Die Oettinger Brauerei GmbH ist eine Brauereigruppe mit vier Standorten in Deutschland. Neben der Zentrale in der schwäbischen Kleinstadt Oettingen in Bayern wird auch in Gotha, Mönchengladbach und Braunschweig Bier gebraut. 2016 waren insgesamt etwa 1150 Mitarbeiter beschäftigt. Mit einem Bierabsatz von 5,79 Millionen Hektolitern (2013) gehört Oettinger zu den großen deutschen Brauereigruppen.[3] Das Familienunternehmen produziert seine eigene Marke Oettinger sowie Handelsmarken[4] für Supermärkte.[5]

GeschichteBearbeiten

Das vom Adelsgeschlecht derer von Oettingen im gleichnamigen Ort gegründete Brauhaus wurde 1333 erstmals urkundlich erwähnt.[6] Das Fürstliche Brauhaus zu Oettingen wurde 1956 von der Familie Kollmar übernommen, die seit 1949 die erstmals 1731 erwähnte Forstquellbrauerei in Fürnheim betrieb.[7] Unter der Leitung von Günther Kollmar (* 1937; † 2013) wurde der Betrieb zur Oettinger Brauerei GmbH umgebildet. Nach Günther Kollmars Tod leitete dessen Sohn Dirk Kollmar kurzzeitig das Unternehmen, bevor auch dieser 2014 verstarb.

Die Brauerei lieferte zunächst an Lebensmittelmärkte und spezialisierte sich darauf, niedrigpreisige Biere zu brauen. Ab Anfang der 1990er Jahre wurde auf eine radikale Modernisierung zur Steigerung der Produktivität gesetzt. Auf Initiative von Günther Kollmar begann das Unternehmen die direkte Belieferung des Einzelhandels ohne Beteiligung von Großhändlern. Außerdem wird auf Kooperationen mit der Gastronomie (z. B. Pachtverträge) verzichtet; die abnehmenden Supermärkte, Getränkemärkte und Tankstellen werden im Direktvertrieb beliefert.[8]

Seit 2008 wird Oettinger Bier in Mytischtschi/Russland (Brauerei Moskowskaja Piwowarennaja Kompanija/Московская Пивоваренная Компания) und seit 2011 auch in anderen Brauereien Osteuropas und Südosteuropas in Lizenz gebraut.

Am 1. August 2009 übernahm Oettinger von der Carlsberg-Gruppe die größte Braustätte Niedersachsens, die Feldschlößchen-Brauerei in Braunschweig, und führt sie unter dem Namen Brauerei Braunschweig weiter. Zeitnah wurden die nordostdeutschen Standorte Pritzwalk, Dessow (beide 2009) und Schwerin (2011) geschlossen.[9]

MarktpositionBearbeiten

Der Marktanteil von Oettinger in Deutschland liegt bei knapp 7 %. Die Jahresproduktion lag 2011 bei etwa 6,21 Millionen Hektoliter, dazu kommen 1,6 Millionen Hektoliter Handelsmarken und 1 Million Hektoliter alkoholfreie Getränke (Glorietta). Von 2004 bis 2013 war Oettinger das meistverkaufte Bier in Deutschland. 2014 wurde Oettinger von Krombacher von Platz 1 verdrängt.[10]

Die Barth-Haas-Group listet Oettinger zum 31. Dezember 2017 auf Platz 24 der 40 größten Brauereigruppen der Welt.[11]

Bierabsatz der Oettinger Brauerei in hl
1998
  
2.380.000[10]
2006
  
6.650.000[10]
2009
  
6.590.000[10]
2011
  
6.210.000[10]
2013
  
5.790.000[10]
2014
  
5.620.000[12]
2015
  
5.390.000[10]
2016
  
5.220.000[10]
2017
  
4.940.000[10]

AbsatzpolitikBearbeiten

Das Unternehmen ist kein Mitglied im Branchenverband und gilt darüber hinaus als „Außenseiter“, da es durch weitgehenden Verzicht auf Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie Direktabsatz ohne Zwischenhandel sehr günstige Endverbraucherpreise bietet.[13] Der Spiegel schrieb 2005:

„Das vielen noch immer unbekannte Bier ist inzwischen an all den Edel-Pilsenern vorbeigezogen, die in den neunziger Jahren mit gewaltigem Werbeaufwand den Markt eroberten. Jetzt […] ist Oettinger klammheimlich die Nummer eins geworden, das meistverkaufte Bier der Republik. Auf Reklame verzichtet das Unternehmen komplett.“[14]

Bei einem Interview mit Spiegel TV sagte Senior-Chef Günther Kollmar:

„Die Bezeichnung Billigbier ist eigentlich schon eine Abqualifizierung. Es ist aber allein der Versuch. Alles, was in Deutschland marktangepasst, gut vermarktet wird, das ist plötzlich billig. […] Bloß, jeder trinkt’s. Der Erfolg gibt uns recht!“

QualitätBearbeiten

 
Pils von Oettinger

2003 untersuchte die Fachhochschule Münster etwa 60 gängige Biermarken auf Fuselöle; damals wurde im Oettinger der mit Abstand höchste Fuselölwert aller getesteten Pilsener gemessen (121,48 mg/Liter).[15]

2009 untersuchte die Zeitschrift Öko-Test 46 deutsche Biere; Oettinger erteilte sie, wie fast allen getesteten Bieren, die Note „sehr gut“.[16]

Seit 2013 garantiert Oettinger, Produkte „ohne Gentechnik“ herzustellen. Oettinger erfüllte als erste deutsche Brauerei die Anforderungen des gleichnamigen Gütesiegels und dokumentierte dies auf den Etiketten.[13]

ProdukteBearbeiten

Die Gruppe bietet ein breites Sortiment von Bieren und Limonaden an, die überwiegend im Niedrigpreisbereich angesiedelt sind. Die meisten Marken werden bundesweit vertrieben. Manche Spezialbiersorte wird regionalen Traditionen entsprechend verstärkt lokal vermarktet. Im Jahr 2013 betrug der Gesamtausstoß 5,78 Millionen Hektoliter.[17] Es entfielen

  • 1.831.000 hl auf Oettinger Pils
  • 1.624.000 hl auf Oettinger Export
  • 0 634.000 hl auf Weizen
  • 0 764.000 hl auf Biermix
  • 0 931.000 hl auf die übrigen Oettinger-Sorten

Im Vergleich zum Jahr 2012 bedeutet das einen Rückgang um insgesamt 112.000 Hektoliter (= −1,9 %)

In Italien wird das „super forte“ mit fast neun Prozent Alkoholgehalt vermarktet.

Oettinger-BiereBearbeiten

 
Hefeweißbier von Oettinger
 
Radler von Original Oettinger

Alle Sorten (bis auf Gold und die Weißbiermischgetränke) werden in braunen 0,5-Liter-Glasflaschen mit Kronkorken vertrieben, einige Sorten zusätzlich in 0,33-Liter-Flaschen und in Getränkedosen oder Fässern (20, 30 und 50 Liter)

  • Vollbier Hell, Alkoholgehalt: 4,7 % vol.
  • Pils, Alkoholgehalt: 4,7 % vol.
  • Export, Alkoholgehalt: 5,4 % vol.
  • Urtyp, ein Märzen mit einer Stammwürze von 13,3 °P, Alkoholgehalt: 5,6 % vol.
  • Leicht, ein um 40 % energiereduziertes untergäriges Bier, Alkoholgehalt: 2,8 % vol.
  • Hefeweißbier, ein helles, naturtrübes Hefebier mit 12 °P Stammwürze, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Dunkles Hefeweißbier, naturtrüb mit dunkler Färbung, Stammwürze: 12 °P, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Kristallweizen, hat einen erhöhten Gehalt an Kohlensäure
  • Leichte Weiße, Weißbier mit 40 % geringerem Brennwert und um 40 % alkoholreduziert
  • Alkoholfrei, untergäriges Bier mit weniger als 0,5 % Alkoholgehalt
  • Alt, bittersüßes Spezialbier aus dunklem Malz, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Schwarzbier, sehr dunkles, aromatisches Bier, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Winterbier, nur während der Wintermonate erhältlich, Alkoholgehalt: 5,6 % vol.
  • Gold, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Bockbier, Alkoholgehalt: 6,7 % vol.
  • Alkoholfreies Weißbier, Alkoholgehalt unter 0,5 % vol.
  • Kellerbier, ein naturtrübes und unfiltriertes Bier, Alkoholgehalt: 5,6 % vol.

ErfrischungsgetränkeBearbeiten

  • Malz, ein alkoholfreier Malztrunk, der an den Standorten Gotha und Oettingen gebraut wird

Unter der Marke Glorietta[18] bietet Oettinger alkoholfreie Erfrischungsgetränke an. Folgende Geschmacksrichtungen sind erhältlich: Zitrone, Orange, Cola, Cola-Mix, Apfel-Schorle, Iso-Sport, A-C-E, und Mate-Cola.

Zeitweise wurde unter dem Namen Glorietta Aquamarin auch Tafelwasser angeboten, dies war jedoch nicht rentabel. Ebenso wurden die Sorten Holunder, Litschi und Mate-Classic eingestellt.

SponsoringBearbeiten

Die Brauerei war bis Ende 2017 Sponsor des Basketballteams Oettinger Rockets, das 2012 in die ProA und 2017 in die Basketball-Bundesliga aufgestiegen ist.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Oettinger Brauerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Oettinger Brauerei GmbH: Impressum
  2. a b Oettinger Brauerei GmbH: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2017
  3. Daniel Aschoff: Der Spar-Fuchs mit dem Billig-Bier. Abendzeitung, 27. März 2009, abgerufen am 29. März 2013.
  4. Markenübersicht: Oettinger Brauerei GmbH (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  5. Wer gehört wem?
  6. Oettinger-Unternehmensgeschichte auf der Website
  7. Forstquell-Geschichte auf der Website
  8. Broschüre Original Oettinger – eine Erfolgsgeschichte, März 2009
  9. Wolters braut für Feldschlösschen, 5. November 2009
  10. a b c d e f g h i Aktion Gutes Bier – Statistik Bier und Brauereien. In: aktiongutesbier.de. Abgerufen am 11. Mai 2016.
  11. Der Barth-Bericht: Die 40 größten Brauereigruppen der Welt zum 31. Dezember 2017. (pdf) Joh. Barth & Sohn GmbH & Co KG., Juli 2018, S. 9, abgerufen am 27. Juli 2018.
  12. http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/bayern-beim-bierabsatz-vor-westfalen-die-elf-beliebtesten-biere-im-fussballjahr-2014/11304512.html
  13. a b Oettinger-Bier ohne Gentechnik. Spiegel Online, 11. März 2013, abgerufen am 25. Juni 2018.
  14. Andreas Kleinschmidt: Bier für Hartz 4. In: Der Spiegel, 26. März 2005. Abgerufen im 25. Dezember 2009. 
  15. Petra Markgraf: Hopfen und Malz verloren. In: Men’s Health. 26. Juni 2003 (menshealth.de [abgerufen am 29. März 2013]).
  16. Öko-Test, Ausgabe August 2009
  17. INSIDE-Marken-Hitliste 2013. (PDF; 66 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Inside Getränke, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 20. März 2015 (Top 10 der Biermarken).
  18. Markenregister: Glorietta