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Die Nordspange ist eine Ost-West-Verbindung mit Kreuzung der Iller im Norden der kreisfreien Stadt Kempten (Allgäu). Die Gesamtkosten des Projektes betrugen etwa 13,1 Millionen Euro. Das Bauprojekt gilt seit der Fertigstellung des Mittleren Rings als nächstgrößtes Straßenbauprojekt in der Stadtgeschichte. Die Eröffnung fand am 6. November 2015 statt.

Nordspange
Johann-Abt-Straße
Thomas-Dachser-Straße
Wappen
Straße in Kempten (Allgäu)
Nordspange
Basisdaten
Ort Kempten (Allgäu)
Angelegt seit 2012
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger,
Radfahrer,
Autofahrer,
ÖPNV
Technische Daten
Straßenlänge 1,5 km
Baukosten 13,1 Millionen Euro

Hauptziel ist eine effiziente Verbindung der auf beiden Illerufern gelegenen Gewerbegebiete sowie eine Entlastung der Innenstadt vom Individualverkehr. Damit wird auch die A 7 vom westlichen Illerufer besser erreicht.

Das Brückenbauwerk heißt wegen der Nähe zur Riederau Riederaubrücke. Des Weiteren heißen Straßenteile der Nordspange Thomas-Dachser-Straße und Johann-Abt-Straße.[1]

BauBearbeiten

PlanungsphaseBearbeiten

Die Nordspange soll die Kaufbeurer Straße im Osten mit der Memminger Straße im Westen verbinden. Damit entsteht eine Querverbindung im Norden Kemptens sowie eine Entlastung des Adenauerrings, der Kaufbeurer Straße und des Knotenpunkts Berliner Platz. Im weiteren Verlauf soll die Kaufbeurer Straße stadteinwärts um eine weitere Spur erweitert werden, um in den Spitzenzeiten größere Kapazitäten zu schaffen.

Die Nordspange ist mit einer Fahrbahnbreite von 7,5 Meter geplant. Die Verbindungstrasse verläuft im Talraum der Iller auf einer bis zu 4 Meter hohen Aufschüttung. Für den Bau müssen verschiedene Maßnahmen wegen Arten-, Landschafts- und Wasserschutz ergriffen werden. Unter anderem wurde der Ursulasrieder Bach verlegt sowie eine künstliche Aue angelegt.

BauverlaufBearbeiten

Beim ersten Spatenstich am 14. Mai 2012 verunglückte der Innenminister Joachim Herrmann mit einem ca. 38 Tonnen schweren Kettenbagger vom Typ Liebherr R 944, den er für den Stich bedienen wollte. Der Bagger stürzte dabei um, wobei der in der Steuerkabine befindliche Innenminister leicht verletzt wurde.[2][3][4] Dies erzeugte ein internationales Presseecho, unter anderem wurde der Spatenanstich mit dem Bagger als unvorbildlich und gefährlich kritisiert. Der Spatenstich wurde von einer Demonstration gegen den Bau der Nordspange begleitet. Argumente der Demonstranten waren die Unnötigkeit, die Kosten des Projekts sowie die Beschädigung der Naturräume.

In den Ausgleichsflächen wurden im Mai 2012 leicht beschädigte, aber intakte Granaten gefunden, die vor Ort gesprengt werden mussten.[5] In der Nähe war ein Truppenübungsplatz, zu dem seit 1938 eine Heeres-Nebenmunitionsanstalt gehörte.

Am 8. Juni 2012 wurde eine etwa 125 Kilogramm schwere US-amerikanische Fliegerbombe entdeckt und am 13. Juni entschärft. Dafür wurde ein Gebiet im Durchmesser von 400 Meter abgesperrt und evakuiert.[6]

EröffnungBearbeiten

Am 6. November 2015 wurde im Beisein des nach wie vor amtierenden Innenministers Herrmann die Brücke eröffnet. Reden hielten neben Herrmann zwei Geistliche sowie der Oberbürgermeister Thomas Kiechle. Dieser wies darauf hin, dass die 2012 geschätzten Kosten von 13 Millionen Euro eingehalten wurden. Herrmann verteidigte bei diesem Anlass in seiner Rede die Sicht seiner Partei zur Flüchtlingskrise und den Abschiebungen.[7]

Begleitet wurde die Eröffnung von einem Autocorso anliegender Firmen (Abt Sportsline, Dachser) und Vereine, einem Fest in einem Gewerbebetrieb und Musik von Alphornbläsern und der Stadtmusikkapelle. Nach der Eröffnung wurden die wichtigen Amtsträger von Autos der Firma Abt transportiert. Stillen Protest leistete Stefan Albanesi (Die Linke) mit einem Plakat bezüglich der, seiner Sicht nach, schlecht aufgeklärten Koksaffäre im Allgäu durch die bayerische Justiz.

ProblemstellungenBearbeiten

Das Gebiet mit einer Gesamtfläche von 24 Hektar befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Iller. Dort sind, als einzige Stelle in Kempten, Ameisenbläulinge an den Hängen zur Iller vertreten. Zum Ausgleich von Bodenverdichtung und der Wegnahme des Naturraumes wurde ein Amphibientunnel geschaffen sowie Kiesbänke in der Iller angelegt. Eine Vorlandabsenkung soll als Hochwasserschutz dienen, aber auch Raum für Vegetation und Tiere bieten.

Die Kostensteigerung des Straßenprojektes ist auch ein Kritikpunkt der Gegner: 2007 waren 7,2 Millionen Euro für die Straßenverbindung veranschlagt, im Jahr 2012 wurde mittlerweile mit 13,1 Millionen Euro gerechnet. Die Stadtverwaltung begründete dies damit, dass sich das Projekt ständig weiterentwickelt habe und bei einigen Teilprojekten, insbesondere hinsichtlich der Ausgleichsflächen für die Iller, Uneinigkeit bestand.[8]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Matthias Matz: Die Nordspange wird zur "Thomas-Dachser-Straße": Straßen und Brücke getauft. In: kreisbote.de, 20. März 2014 (abgerufen am 23. Juli 2014)
  2. Ulrike Heidenreich: Baggerunfall von Innenminister Herrmann. Zurück zum Spaten. In: sueddeutsche.de, 15. Mai 2012 (abgerufen am 25. Juli 2014)
  3. Nach Bagger-Unfall – Kritik an Herrmann. In: welt.de, 15. Mai 2012 (abgerufen am 25. Juli 2014)
  4. Unglück in Bayern: Innenminister kippt mit 40-Tonnen-Bagger um. In: spiegel.de, 15. Mai 2012 (abgerufen am 25. Juli 2014)
  5. Sprengung nach Munitionsfund bei Bauarbeiten zur Nordspange. In: allgaeuhit.de, 31. Mai 2012 (abgerufen am 25. Juli 2014)
  6. Bombenfund Nordspange: Entschärfung am Mittwoch, 13. Juni, ab 18 Uhr - Evakuierung im Sperrbereich notwendig. In: kempten.de, 12. Juni 2012
  7. Claudia Mercedes-Benz: Freie Fahrt auf der Nordspange. In: Allgäuer Zeitung, 7. November 2015, S. 35.
  8. Kosten für die Nordspange in Kempten massiv gestiegen In: all-in.de, 28. August 2013 (abgerufen am 25. Juli 2014)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Nordspange – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 45′ 3,8″ N, 10° 18′ 21,6″ O