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Nordschleuse

große Schiffsschleuse (Länge 375 m) in Bremerhaven
Schließendes Schleusentor. Am Molenende der Signalturm des Schiffsmeldedienstes.

Die Nordschleuse ist eine Schleuse in Bremerhaven im Stadtbremischen Überseehafengebiet Bremerhaven. Die Seeschleuse verbindet die Häfen mit der Weser.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Baustelle Nordschleuse/Nordhafen. Oben links steht noch das Weserfort Brinkamahof I
 
Einweihung der Nordschleuse 1931
 
Wendebecken mit Nordschleuse und Autoterminal der BLG Logistics Group (2019)

Der Garantievertrag zwischen Bremen und dem Norddeutschen Lloyd von 1903 und der Staatsvertrag zum Gebietsaustausch zwischen der Freien Hansestadt Bremen und Preußen von 1905 sahen den Bau weiterer Hafenanlagen und den Bau einer Schleuse vor. So sollte schon vor dem Ersten Weltkrieg im Norden der Bremerhavener Kaiserhäfen eine neue Schleuse gebaut werden. Bedingt durch den Krieg kam der Bau zunächst nicht mehr zustande. Da die Planung von 1913 für diese Schiffe zu klein und der damals gewählte Standort wegen des schlickigen Untergrundes sehr ungünstig war, erwies sich die Verzögerung des Baus als Glücksfall.

Der Bau einer großen Schleuse wurde dringlich, um große Schiffe wie die im Bau befindlichen, neuen Fahrgastschiffe des Norddeutschen Lloyds, Bremen und Europa, zum Eindocken in das Kaiserdock II, das dafür eigens vergrößert worden war, durchschleusen zu können. Die Nordschleuse wurde von 1928/29 bis zum 10. August 1931 unter der Leitung des Baurats (später Hafenbaudirektor) beim Hafenbauamt Bremen Arnold Agatz errichtet. Mit einer nutzbaren Länge von 375 Metern, einer Durchfahrtsbreite von 45 Metern (Kammerbreite 60 Meter), einer Kammersohlentiefe von 11 Metern unter SKN und einer Fahrwassertiefe von 14,50 Metern gehört die Nordschleuse auch heute noch mit zu den größten Schleusen der Welt. Das damals größte Bauvorhaben von Bremen kostete 40 Millionen Mark. Der ganze Schleusenbereich besteht aus dem Vorhafen am Außenhaupt, dem großen Wendebecken und der Brücke über den Kanal zwischen Wendebecken und Verbindungshafen.

Die Drehbrücke neben der Schleuse, eine kombinierte Eisenbahn- und Straßenbrücke von 1931 über den Verbindungskanal zwischen Wendebecken und Kaiserhäfen, wird als Nordschleusenbrücke bezeichnet, ist aber vor Ort eher als die Drehbrücke bekannt. Sie ist seit 1945 die größte Eisenbahn-Drehbrücke Deutschlands. Bei der anstehenden Erneuerung steht aber ihre Funktion als Eisenbahnbrücke und damit der Bahnanschluss der ganzen Columbusinsel zur Disposition.[1]

Maschinenhäuser, StellwerkBearbeiten

 
Nordschleusenbrücke mit Stellwerk
 
Maschinenhaus Binnenhaupt

Die drei Maschinen- und Steuerhäuser am Binnen- und am Außenhaupt der Nordschleuse sowie an der Brücke wurden vom Architekten Karl Felge im Stil des Neuen Bauens der Zwischenkriegszeit nach einem Architektenwettbewerb von 1928 entworfen. Die Flachdächer sind ohne Überstand und Gesims. Flächige, fast graphisch behandelte Wandflächen und über Eck geführte Fenster prägen die Fassaden aus dunkelroten Klinkern. Das Binnenhaupt-Schleusentorhaus wurde in jüngerer Zeit um einen über Dach geführten, neuzeitlichen Steuerstand mit allseits umlaufendem Fensterband und Metallverkleidung aufgestockt. Das Drehen der Brücke erfolgt vom Maschinenhaus des Binnenhaupts.

Das in der Nähe befindliche Stellwerk der Eisenbahn für die Strecke in Richtung Columbuskaje und Columbusbahnhof dient auch der bahntechnischen Sicherung der Brücke.

AussichtsplattformBearbeiten

Von einer Aussichtsplattform auf übereinander gestapelten Containern kann nicht nur der Betrieb des nahen Containerterminals, sondern auch der direkt benachbarten Schleuse beobachtet werden. Spezielle Infotafeln zeigen an, wie lange die Drehbrücke oder die Kaiserschleuse gesperrt sind.

DenkmalschutzBearbeiten

Das Bahn-Stellwerk und die zwei Maschinenhäuser der Schleuse stehen unter Bremer Denkmalschutz.[2]

Weitere NordschleusenBearbeiten

Neben der beschriebenen Nordschleuse in Bremerhaven bestehen eine Vielzahl von anderen Schleusen, die ebenfalls den Namen Nordschleuse tragen (meist um mehrere Schleusen an einem Ort in Süd- und Nordschleuse zu unterscheiden), wie bei den Seeschleusen in Brunsbüttel, der Nordschleuse Straßburg, oder der Nord-Schleuse bei Wien.[3][4]

LiteraturBearbeiten

  • Lars U. Scholl: Bremerhaven – ein hafengeschichtlicher Führer, DSM Ditzen, 1984, S. 149 ff.
  • Arnold Agatz (Hg): Der Bau der Nordschleusenanlage in Bremerhaven in den Jahren 1928-1931. Berlin 1931.
  • Harry Gabcke, Renate Gabcke, Herbert Körtge, Manfred Ernst: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten; Band I bis III von 1827 bis 1991, Bd. I und II (S. 64 f.). Nordwestdeutsche Verlagsgesellschaft, Bremerhaven 1989/1991, ISBN 3-927857-00-9, ISBN 3-927857-37-8, ISBN 3-927857-22-X.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Nordschleuse Bremerhaven – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. PDF Masterplan Hafeneisenbahn August 2011, S. 18 (Memento des Originals vom 1. Juli 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bremenports.de, abgerufen am 4. Oktober 2012
  2. Denkmaldatenbank des LfD Bremen
  3. Strasbourg Nordschleuse Doppeltor
  4. Staustufe Wien im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien

Koordinaten: 53° 34′ 11,7″ N, 8° 32′ 59″ O