Neuschnecken

Ordnung der Klasse Schnecken (Gastropoda)

Die Neuschnecken (Neogastropoda) sind eine artenreiche, fast ausschließlich marin lebende Teilordnung der Hypsogastropoda innerhalb der Ordnung Sorbeoconcha der Schnecken (Gastropoda). Sie lassen sich fossil seit etwa 100 Millionen Jahren nachweisen. Insgesamt wird die Zahl der Neuschneckenarten auf etwa 16000 geschätzt.[1]

Neuschnecken
Landkartenkegel (Conus geographus)

Landkartenkegel (Conus geographus)

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Unterklasse: Orthogastropoda
Überordnung: Caenogastropoda
Ordnung: Sorbeoconcha
Unterordnung: Hypsogastropoda
Teilordnung: Neuschnecken
Wissenschaftlicher Name
Neogastropoda
Thiele, 1929

MerkmaleBearbeiten

Das spiralig aufgewundene Gehäuse ist meist rechts gewunden und äußerst vielgestaltig. Der untere Rand ist häufig röhrenförmig zu einem Siphonalkanal ausgezogen. Die Verhältnisse in der Mantelhöhle sind gegenüber den Patellogastropoda stark vereinfacht. Die Genitalorgane sind von den Ausscheidungsorganen getrennt. Es ist nur eine halbseitig gefiederte Kieme vorhanden, die mit der ursprünglichen Mittelachse am Mantel verwachsen ist. Häufig ist auch eine ausziehbare Schnauze vorhanden. Die Radula weist meist nur drei Zähne pro Querreihe auf, ein Mittelzahn und zwei Seitenzähne (Ausnahme Conoidea, hier nur ein Giftzahn). Bei Arten mit einer parasitischen Lebensart ist die Radula zurückgebildet oder komplett verloren gegangen im Verlauf der Evolution. Dies geschieht beispielsweise in den Korallenschnecken, eine Unterfamilie der Stachelschnecken[2][3].Der Verdauungstrakt bildet am Oesophagus dorsal eine Drüse, die Leiblein-Drüse, die eine Autapomorphie der Neuschnecken darstellt[4][5]. In Conoidea, verwandelt sich die Leiblein-Drüse im Verlauf der Evolution in eine Giftdrüse, mit der die Beute gelähmt wird. Bei manchen Familien der Neuschnecken ist am Rektum ein drüsiger Anhang, die Analdrüse, vorhanden[5][4]. Die Tiere sind meist getrenntgeschlechtlich. In manchen parasitischen Arten, mit beschränkter Beweglichkeit, die permanent oder fast permanent auf ihren Wirt leben, sind die Individuen zwittrig und untergehen einen Sexwandel[6].

Lebensweise, Vorkommen und VerbreitungBearbeiten

Neuschnecken leben überwiegend räuberisch oder fressen Aas. Sie kommen vom Flachwasser bis in die Tiefsee in nahezu allen Meeren vor. Sie leben fast auf allen Substraten, von sandig-schlickigen bis Hartsubstraten. Zu den Neuschnecken gehören unter anderem die Stachelschnecken (Muricidae), die Hornschnecken (Buccinidae) mit der Wellhornschnecke und die Kegelschnecken (Conidae).

 
Venuskammschnecke (Murex pecten), eine Stachelschnecke (Muricidae) aus dem indopazifischen Raum

SystematikBearbeiten

Die Neuschnecken werden in der älteren Literatur auch als Stenoglossa (Schmalzüngler) bezeichnet; dieser Name wird heute als Synonym von Neogastropoda aufgefasst. Der Ast ("clade") der Neuschnecken innerhalb der Schnecken, dessen linneisch-hierarchischer Rang von Bouchet und Rocroi offengelassen wird, wird von ihnen in sechs Überfamilien unterteilt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Cunha R. L., Grande C. & Zardoya R. (23 August 2009). "Neogastropod phylogenetic relationships based on entire mitochondrial genomes". BMC Evolutionary Biology 2009, 9: 210. 10.1186/1471-2148-9-210
  2. Jonet Ward (1965): The digestiv tract and its relation to feedinghabits in the stenoglossan prosobranch Coralliophila abbreviata (Lamarck). Hrsg.: Canadian Journal of Zoology. Band 43, S. 447–464.
  3. Yuri Kantor (1995): On the morphology of the digestive system of Latiaxis (Babelomurex) (Gastropoda, Coralliophilidae) with notes on the phylogeny of the family. Hrsg.: Ruthenica. Band 5, Nr. 1, S. 9–15.
  4. a b Yuri Kantor: Phylogeny and relationships in Neogastropoda. In: John Taylor (Hrsg.): Origin and evolutionary radiation of Mollusca. Oxford University Press, Oxford 1996, S. 221–230.
  5. a b W. H: Ponder und D. R. Lindberg (1997): Towards a phylogeny of Gastropods: an analysis using morphological characters. Hrsg.: Zoological Journal of the Linnean Society of London. Band 119, S. 83–265.
  6. Alexandra Richter und Angel A. Luque (2004): Sex change in two Mediterranean species of Coralliophilidae (Mollusca: Gastropoda: Neogastropoda). Hrsg.: Journal of the Marine Biological Association of UK. Band 84, S. 383–392.

LiteraturBearbeiten

  • Philippe Bouchet & Jean-Pierre Rocroi: Part 2. Working classification of the Gastropoda. Malacologia, 47: 239–283, Ann Arbor 2005, ISSN 0076-2997.
  • Victor Millard: Classification of the Mollusca. A Classification of World Wide Mollusca. Rhine Road, Südafrika 1997, ISBN 0-620-21261-6.
  • Winston Ponder & David Lindberg, Towards a phylogeny of gastropod molluscs; an analysis using morphological characters. Zoological Journal of the Linnean Society, 119: 83–265, London 1997, ISSN 0024-4082.
  • Frank Riedel: Ursprung und Evolution der "höheren" Caenogastropoda. Berliner Geowissenschaftliche Abhandlungen, Reihe E, Band 32, Berlin 2000, 240 S., ISBN 3-89582-077-6.

WeblinksBearbeiten

Commons: Neogastropoda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien