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Neues Kurhaus Aachen

Das Neue Kurhaus in Aachen

Das Neue Kurhaus in Aachen, erbaut in den Jahren 1914 bis 1916, ist ein neoklassizistisches Gebäude in Aachen. Das Kurhaus liegt am Rande des Aachener Stadtgartens zur Monheimsallee, und hat die Lagebezeichnung Monheimsallee 44. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Anzeige des Architekturbüros Karl Stöhr
 
Anzeigenblatt zur Eröffnung der neuen Kuranlagen 1916
 
Stadtgartenplan, 1925
 
Portikus aus seitlicher Sicht

Die aufblühende industrielle Entwicklung behinderte ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend das Kurleben in Aachen. Die städtischen Kuranlagen waren über die Innenstadt verteilt und standen oft in unmittelbarer Nachbarschaft zu Fabrikgebäuden. Die Folge davon war ein Rückgang der Kurgäste, insbesondere aus der zahlungskräftigen Klientel. Bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert suchte die Stadt nach Wegen, um den Kurbetrieb neu zu beleben. Man entschloss sich zum Neubau eines Kurhauses in der Nähe des Stadtzentrums auf dem Areal des damaligen Spitalsgarten am Fuß des Wingertsberges. Auf diesem Gelände befand sich seit 1855 das Maria-Hilf-Spital (Bauzeit 1848–1855), das auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit 386 Betten zu den modernsten Krankenanstalten Aachens gehörte.[1] Ende 1913 wurde das Maria-Hilf-Spital in das Josefinum an der Goethestraße verlegt. Vom 1. Februar 1914 bis 1. April 1914 brach man die Krankenhausgebäude ab, um Platz für das Neue Kurhaus zu schaffen.

Zur Bezeichnung Neues Kurhaus entschied man sich aufgrund der Traditionsfolge der bisherigen Kurhäuser in Aachen. Als erstes Kurhaus war im 18. Jahrhundert die Alte Redoute in der Komphausbadstraße 11 genutzt worden, die ab 1786 durch die Neue Redoute – heute besser bekannt als Altes Kurhaus – abgelöst worden war.

Die Stadt Aachen verpachtete das Gelände um den Stadtgarten an die 1914 gegründete Aktiengesellschaft für Kur- und Badebetrieb der Stadt Aachen. Die Planung für die gesamte Kuranlage an der Monheimsallee wurde von dem Münchner Architekten und Bauunternehmer Karl Stöhr aufgestellt, an der weiteren Ausarbeitung der Entwürfe war der renommierte Architekt und Hochschullehrer Theodor Fischer als Gutachter beteiligt.

Zu der gesamten Kuranlage gehörten:

Die Fertigstellung der Kuranlage war für den 1. Mai 1915 im Rahmen der Jahrhundertfeiern der Zugehörigkeit der Rheinprovinz zu Preußen vorgesehen. Aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs und dem damit verbundenen Material- und Arbeitskräftemangel verzögerte sich die Fertigstellung um mehr als ein Jahr, so dass das Neue Kurhaus erst am 8. Juni 1916 eröffnet werden konnte. Im neu errichteten Kurhaus befanden sich zwei Konzertsäle, wobei der Große Konzertsaal bis zu 850 Besucher fassen konnte. Darüber hinaus verfügte das Gebäude über Lesesäle, Raucherzimmer, Gesellschafts- und Spielräume sowie über zwei Frauensäle. Zu den gastronomischen Einrichtungen gehörten ein Speisesaal sowie ein Weinsalon und mehrere Kaffeeräume. Einer von ihnen führte auf eine zweistufige, elektrisch beleuchtete Wein- und Bierterrasse, die zum Konzertplatz hin geöffnet war.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude schwer beschädigt. Nach der Wiederherstellung erfolgte am 5. Februar 1953 die Wiedereröffnung mit einer Karnevalssitzung.[3] Das Haus war seitdem Veranstaltungsort für Konzerte und Karnevalsevents, u. a. dem Orden wider den tierischen Ernst, bis 1976 die neu gegründete Spielbank Aachen einzog und bis 2015 dort blieb.

Als feststand, dass das Gebäude grundlegend saniert werden muss, verlegte die Spielbank ihren Sitz vorübergehend ins Tivoli-Gebäude. In einer Übergangszeit sollte das Neue Kurhaus zur Unterbringung von Flüchtlingen bis zum Sommer 2017 genutzt werden. Duschen und Toiletten wurden eingebaut und Feldbetten aufgestellt, die dann aber doch nicht mehr benötigt wurden.[4] Bis 2020 soll nun das Gebäude entkernt und saniert werden. Nach dem Umbau soll eine Kopie des Deckenfreskos der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo im rechten Gebäudeflügel als multimediale Installation zahlreiche Besucher anziehen, während im linken Flügel das Casino untergebracht werden soll.[5]

ArchitekturBearbeiten

Das Neue Kurhaus ist ein zweigeschossiges Gebäude. Als Haupteingang dienen hinter dem Säulenvorbau drei rundbogige Fenstertüren. Über diesen sind im Obergeschoss rechteckige Fenstertüren mit französischen Balkonen angeordnet. Die sich an den Portikus anschließenden Flügel des Gebäudes verfügen jeweils über acht Fensterachsen, das Obergeschoss ist bei diesen mezzaninartig gestaltet mit kleineren oktogonalen Fenstern. Der Schmuck der unteren Fensterbekrönungen besteht abwechselnd aus Ähren, Vogel- und Fischmotiven in paarweiser Anordnung. Am letzten linksseitigen Schmuck ist eine Rekonstruktion eines stilisierten Delphinpaars zu erkennen.

Der Portikus des Haupteinganges wird von sechs Säulen getragen, deren Kapitellvorderseite ein Muschelmotiv zwischen zwei seitlich stilisierten Voluten ziert. Im Tympanonfeld des Portikus stellen Reliefs den thronenden Äskulap mit Stab und Äskulapnatter, flankiert von zwei Nereiden, die je aus einer Muschel Wasser herabfließen lassen, dar. Fischer wählte für das Bildprogramm das naheliegende Thema Wasser, personifiziert durch Gestalten der griechischen Sagenwelt. Eine Treppe mit 11 Stufen, einem modernen mittig angeordneten doppelläufigen Handlauf und zwei Rampen führen zum Haupteingang, den ein bärtiger Kopf schmückt, die beiden Seiteneingänge weisen weibliche Köpfe auf.

Hinter dem Giebel des Portikus erstreckt sich ein langer Gebäudetrakt mit Satteldach, der in einen großen apsidialen Saalbau übergeht. Das große Vestibül verfügte über ein großes Tonnengewölbe und eine umlaufende Gemäldegalerie, die von Künstlern des Düsseldorfer Kunstvereins bestückt wurde. An den Stirnseiten des Tonnengewölbes wurden Standbilder von Karl dem Großen und Wilhelm II. angebracht.[6] Der Festsaal dieser Raumfolge verfügte 850 Sitzplätze.[7] An den Seiten des Saalbaues befinden sich hinter den beiden Flügelbauten der Hauptfassade die beiden Binnenhöfe. Sie sind nicht gleich gestaltet. Der von der Monheimsallee aus gesehen rechte Binnenhof ist größer als der linke Hof, Letzterer hat hingegen einen im Vergleich langrechteckerigen Grundriss. Die Ostseite des Kurhauskomplexes ging in Terrassen und einem Konzertplatz mit Leuchtfontäne in den Stadtgarten über. Bewachsene Pergolen schmückten das Gelände.

Benachbarte KuranlagenBearbeiten

An der Westseite folgte, im rechten Winkel angeordnet, die neoklassizistische Wandelhalle mit einem Thermaltrinkbrunnen aus Marmor an deren nördlichen Ende. Westlich davon schließt sich das neoklassizistische Palasthotel Quellenhof an.

Die Thermalwasser-Badehalle des Quellenhof wurde seit 1936 von der Rosenquelle in der Komphausbadstraße gespeist. Das 46 °C heiße Thermalwasser wurde über eine unterirdische Leitung zum Quellenhof und zur Wandelhalle geleitet.[8]

Direkt neben dem Neuen Kurhaus befindet sich ein Musikpavillon, der früher in der Kursaison zu täglichen Kurkonzerten genutzt wurde. Heute finden hier nur noch selten Veranstaltungen statt.

Die Benutzung der Kuranlagen war kostenpflichtig. Eintrittsgelder oder Kurtaxen wurden an kleinen Kassenhäuschen an verschiedenen Eingängen des Parks erhoben.

BildergalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Weßberge (Stadtgartendirektor): Die wichtigsten Baumarten unserer städtischen Gartenanlagen. La Ruelle, Aachen 1908.
  • Joseph Laurent: Die neuen Kur- und Badeanlagen des Bades Aachen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 36. Jahrgang 1916, Nr. 101 (vom 16. Dezember 1916) (PDF; 1,7 MB), S. 657 ff.
  • Aktiengesellschaft für Kur- und Badebetrieb der Stadt Aachen (Hrsg.): Rheuma-Bad Aachen. Graphische Kunstanstalt Geulen & Nebe, Aachen 1918.
  • Medizinalrat Peren: Das Kur- und Badeleben in Aachen und Burtscheid. In: Albert Huyskens: Aachen. (= Deutschlands Städtebau) Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag, Berlin-Halensee 1925, S. 95–104.
  • Albert Huyskens: Aachen. (= Deutschlands Städtebau) Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag, Berlin-Halensee 1928, S. #.
  • Landeskonservator Rheinland (Hrsg.): Denkmälerverzeichnis, 1.2: Aachen, übrige Stadtteile. (unter Mitwirkung von Hans Königs, bearbeitet von Volker Osteneck) Rheinland Verlag, Köln 1978, S. 24 und 34.
  • Bemerkenswerte Bäume in der Stadt Aachen. Zeitzeugen der Stadtgeschichte. (Hrsg. Stadt Aachen, Der Oberbürgermeister, Aachener Stadtbetrieb und Umweltdezernat.) Aachener Stiftung Kathy Beys. Klenkes, Aachen 2002.
  • Juliano de Assis Mendonça: Geschichte der Aktiengesellschaft für Kur- und Badebetrieb der Stadt Aachen 1914–1933. (= Aachener Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 9.) Aachen 2012, ISBN 978-3-8440-1520-1.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Neues Kurhaus Aachen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der Name Maria-Hilf-Straße erinnert heute an dieses ehemalige Gebäude. Die Straße führt von der Monheimsallee auf die Alexanderstraße.
  2. Aktiengesellschaft für den Kur- und Badebetrieb der Stadt Aachen (Hrsg.): Rheumabad Aachen. Aachen 1918, S. 28.
  3. Stadt Aachen (Hrsg.): Aachen im Aufbau 1952. Verwaltungsbericht der Stadt Aachen für das Jahr 1952. Aachen 1953, S. 87.
  4. Neues Kurhaus wird nun zur Großbaustelle
  5. Andreas Rossmann: Neues Kurhaus in Aachen: Sixtinisches Casino. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. November 2015, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 24. April 2016]).
  6. Holger A. Dux: Aachen so wie es war. Droste, 2011, ISBN 978-3-7700-1429-3, S. ?.
  7. Aktiengesellschaft für Kur- und Badebetrieb der Stadt Aachen: Rheuma-Bad Aachen. Graphische Kunstanstalt Geulen & Nebe, Aachen, 1918, S. ?.
  8. Joseph Buchkremer: Die jüngsten öffentlichen Bauten. in: Albert Huyskens: Aachen. Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag, Berlin-Halensee 1925, S. 53–61; 51, 54, 58, 59 (Abbildung Eingang, Wandelhalle, Konversationsraum und Lesezimmer).

Koordinaten: 50° 46′ 53,8″ N, 6° 5′ 35,3″ O